Christian Philipp klebt der Morast noch an den Stiefeln. Seit viertel vor Acht waren er und seine Kollegen vom Sportanglerclub "Anker" Hausen im Einsatz. Fünf Stunden lang sind sie am Praunheimer Ufer durch den Schlamm der Nidda gewatet, um den Fluss vom Müll zu reinigen. Das Amt für Stadtentwässerung hat die Wehre geöffnet, die Nidda entblößt ihr nacktes Ufer. Christian Philip ist schlecht gelaunt. Wieder haben er uns seine Kollegen jede Menge Abfälle aus dem Fluss gezogen. Einkaufswagen, Motorräder, Tresore mit Diebesgut. Dazu der übliche Hausmüll - und den säckeweise. "Das ist alle zwei Jahre das selbe", sagt der freiwillige Helfer. Eine Erklärung dafür, dass einige Anwohner derart lieblos mit dem Fluss umgehen, hat er nicht: "Da muss es wohl am intellektuellen Hubraum fehlen."
Christian Phillip ist nur einer von etwa 100 freiwilligen Helfern, die am Samstagvormittag im Einsatz waren, um zumindest den gröbsten Müll aus der Nidda zu fischen. Jeweils alle zwei Jahre, am dritten Samstag im September ruft die Interessengemeinschaft der Nidda-Anlieger (IG Nidda) ihre Mitglieder dazu auf, den Fluss von Quelle bis zur Mündung zu reinigen - soweit dies möglich ist. Unterstützt werden sie dabei von der FES, dem Stadtentwässerungsamt, der Feuerwehr und der Polizei.
Für letztere gab es nach Aussage des Vorsitzenden der IG Nidda, Hans-Jürgen Lungwitz, "viel zu tun." Bis zu 9 LKW-Ladungen, so schätzt er, haben die freiwilligen Helfer am Samstag aus der Nidda gezogen. "Es fällt auf, dass der Wohlstandsmüll schon weniger wird.", sagt Lungwitz. Dafür aber nähmen die kuriosen Funde zu. Ein Großteil der gefundenen Fahrräder und Tresore etwa sei wahrscheinlich von Kriminellen entsorgt worden. Den eindeutig gefährlichsten Fund aber machten Freiwillige an einer Niddabrücke in Bonames - zwei Übungsgranaten, englischer Bauart. Der Sprengmittelräumdienst musste anrücken, um die Granaten abzutransportieren. Die Brücke wurde kurzzeitig gesperrt.
Die Polizei würde auch Stadtrat Hans-Dieter Bürger (SPD)- der in Vertretung der Oberbürgermeisterin den Helfern den Dank des Magistrats übermittelte - gerne öfter bemühen, wenn er sieht, wie manche Bürger den Fluss missbrauchen. "Da habe ich kein Verständnis für. Da muss viel härter durchgegriffen werden. Das ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat." Dies gelte umso mehr, als die Stadt jährlich 50 Millionen Euro für die Flussreinigung aufwände, so Bürger. Auf anderen Seite sei er erfreut über das Engagement so vieler ehrenamtlicher Helfer.
Hans-Jürgen Lungwitz glaubt nicht, dass sich die Situation an der Nidda in den kommenden Jahren wesentlich verbessern wird. "Mein Wunsch ist, dass wir irgendwann hierher kommen, Kaffee trinken und wieder verschwinden. Aber das ist unwahrscheinlich." Die nächste Reinigungsaktion ist auch schon terminiert. Dritter Samstag im September 2010.

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