Auf die Städtepartnerschaft mit dem französischen Deuil-La-Barre ist man in Nieder-Eschbach zurecht stolz. Die damals noch eigenständige Gemeinde hatte diese Freundschaft bei der Eingemeindung nach Frankfurt mitgebracht und immerhin hält diese nun seit 43 Jahren. Doch auf politischer Ebene waren die "Nordlichter" definitiv schon mal besser auf die französischen Partner zu sprechen. "Momentan bin ich etwas verschnupft, was die Partnerschaft angeht", gab Ortsvorsteher Holger Dyhr (CDU) in der vergangen Ortsbeiratssitzung unumwunden zu.
Grund sind die Vorschläge des Bürgermeisters von Deuil-La-Barre, Jean-Claude Noyer, die Städtepartnerschaft nach vier Jahrzehnten auf neue Füße zu stellen. "Uns wurde signalisiert, dass nach 40 Jahren der ursprünglich hinter der Partnerschaft stehende Versöhnungsgedanke wohl etwas überholt sei", berichtet Renate Sterzel, ehrenamtliches Mitglied des Magistrats, die im Auftrag von Oberbürgermeisterin Roth im Oktober Deuil-La-Barre besuchte. "Was Noyer stattdessen vorschwebt, ist eine gegenseitige wirtschaftliche Förderung."
Erstaunt und verschnupft
Noyers Vorschlag sieht vor, dass Nieder-Eschbach, Deuil-La-Barre und zwei weitere Partnerstädte der französischen Kommune im Halbjahresturnus sogenannte Foren veranstalten, Wirtschaftsmessen mit Betrieben aus den Regionen. Zugunsten dieser Wirtschaftspartnerschaft solle der kulturelle Austausch, den Vereine und Institutionen in den beiden Kommunen pflegten, nicht länger auf Gemeindeebene organisiert werden. Bei den Ortsbeiräten löste die Ankündigung Noyers einiges Unverständnis aus. "Wir sind sehr erstaunt, wie unsere Partnerstadt reagiert", erklärte Michael Stauder, CDU-Fraktionschef. "Wir sollten auf alle Fälle deutlich machen, dass wir weiterhin an einem Austausch interessiert sind."
Ähnlich sieht man das beim Förderkreis Europäische Partnerschaften, der den Austausch auf Vereins- und Privatebene mitorganisiert, auch wenn man die Einschätzung Noyers teilweise nachvollziehen kann, wie Inge Appell, Vorsitzende des Förderkreises erklärt: "Heute sind wir ein vereintes Europa, die Grenzen sind offen. Da kommt der kulturelle Austausch praktisch von selbst." Zudem habe der Förderkreis das Problem, dass viele seiner Mitglieder in Nieder-Eschbach und die Partner in Deuil-La-Barre mittlerweile das Rentenalter erreicht hätten. "Da ist es natürlich beschwerlicher, solchen Austausch zu organisieren." Dennoch wolle man daran festhalten. "Eine rein wirtschaftliche Zusammenarbeit wird nicht funktionieren", ist Appell überzeugt.
Einigkeit zwischen Nieder-Eschbach und Deuil-La-Barre besteht indes darin, dass der Schüleraustausch zwischen der Otto-Hahn-Schule und dem Collège Diderot beibehalten wird. Ansonsten scheinen Noyers Pläne für eine Wirtschaftsmesse nicht gereift. Ursprünglich sollte das erste Forum schon im April oder Mai stattfinden. "Bislang aber", sagt Sterzel, "hat sich niemand mehr bei uns gemeldet."

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