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Deutsche Bahn in Hessen: Bleibt das Zugchaos in Frankfurt?

Die geheime Streichliste der Deutschen Bahn stößt in Hessen auf heftigen Protest. Die Pläne würden einen herben Rückschlag für den Schienenverkehr im Ballungsraum Rhein-Main bedeuten. Zwei Strecken wären besonders stark betroffen. Von Jutta Rippegather

Auch der Ausbau des Knotens bei Frankfurt-Niederrad steht infrage. Dort behindern sich Regional- und Fernverkehr.
Auch der Ausbau des Knotens bei Frankfurt-Niederrad steht infrage. Dort behindern sich Regional- und Fernverkehr.
Foto: Arnold/FR

Auf Empörung ist die am Montag von der FR veröffentlichte geheime Streichliste der Deutschen Bahn gestoßen, deren Existenz Berlin dementiert. Die Pläne würden einen herben Rückschlag für die Bemühungen bedeuten, den Schienenverkehr im stark belasteten Ballungsraum zu entflechten, ihn damit schneller und attraktiver zu machen.

"Sowohl die Kinzigtalstrecke Fulda-Hanau als auch die Riedbahn Frankfurt-Mannheim gehören zu den schlimmsten Europas", sagte Martin Mützel, Landesgeschäftsführer des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hessen. "Eine Erweiterung ist seit Jahrzehnten notwendig." Auch der Ausbau von Hagen nach Gießen sei "unverzichtbar". Wie, fragt der VCD, wolle die Bundesregierung ihr Ziel erreichen, die Klimabelastung bis 2020 um 40 Prozent zu senken?

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Das möchten auch die hessischen Grünen wissen. Sie forderten Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) auf, in Berlin Druck zu manchen. Posch bezeichnete die Absicht der Bahn als "falsches Signal". Die Strecke Hanau-Fulda sei von großer Bedeutung. Auch dieses Jahr stünden im Landeshaushalt rund eine Million Euro bereit, um die Planungskosten mitzufinanzieren.

Sein Amtskollege aus Rheinland-Pfalz, Hendrik Hering (SPD) sagte, es könne nicht angehen, dass wegen der geplanten Steuersenkungen wichtige Investitionen in die Schiene gekippt würden. Für Peter Vollmer, Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, wären die Bahn-Pläne "ein Gau". Sämtliche der genannten Projekte seien enorm wichtig für die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs im Ballungsraum Rhein-Main mit seinem Großflughafen.

Fünf Posten auf der Streichliste des Verkehrsunternehmens würden Projekte im Bundesland Hessen betreffen.

Hanau-Würzburg-Fulda: Der Ausbau der Strecke ist laut Bahn "nicht realisierbar". Sie ist eine wichtige ICE-Verbindung von Nord- und Mittel-Deutschland nach Süddeutschland. Im Regionalverkehr nutzen sie viele Pendler aus Fulda oder dem Main-Kinzig-Kreis, um über Wächtersbach nach Frankfurt zu kommen. Außerdem gilt sie als wichtigste Güterverkehrsstrecke in Nord-Süd-Richtung. Entsprechend stark ist die Auslastung, weshalb der Bau einer durchgehenden Schnellfahrstrecke zwischen Hanau und Fulda schon seit Jahrzehnten diskutiert wird.

Zwischen Hagen und Gießen ist die Anpassung an die Neigetechnik "nicht realisierbar". Sie ermöglicht es Zügen, schneller in die Kurven zu fahren.

Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar: Sie steht "zur Disposition", falls der Verkehrsetat drastisch gekürzt wird. Die seit 1993 geplante, 85 Kilometer lange ICE-Trasse soll bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 300 Stundenkilometer ausgelegt sein, Frankfurt mit Mannheim verbinden und entlang der A5 führen. Der Beginn der Bauarbeiten ist für 2011 geplant. Ziel ist, die heute Riedbahn vom Fern- und Güterverkehr zu entlasten. Die Inbetriebnahme ist für 2017 vorgesehen. Ursprünglich sollte die Trasse schon 2007 fertig sein.

Der Knoten Frankfurt, zweite Baustufe, steht dann ebenfalls "zur Disposition". Zwei Zusatzgleise sowie eine neue Mainbrücke in Niederrad sollen die Verkehre zwischen Frankfurt-Stadion und Hauptbahnhof entwirren.

Nordkopf Mainz: Der Umbau am Mainzer Hauptbahnhof wackelt. Geplant ist eine Überführung der Gleise, damit die Bahnen aus Wiesbaden nicht mehr jenen aus Bingen, Bad Kreuznach oder Alzey in die Quere kommen.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  19 | 1 | 2010
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