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Die "Blumenbar": Im Elfenland des Lächelns

Katja Klaiber und Nicola Dworok betreiben im Nordend die "Blumenbar" und binden Sträuße für das Museum für Moderne Kunst. Von Lia Venn

Die Blumenbar in Frankfurt
Die "Blumenbar" in Frankfurt
Foto: FR/Boeckheler

Dass ein Schaufenster wie ein Kichern aussehen kann, lernt der Mensch in der Eckenheimer Landstraße. Dort betreiben Nicola Dworok und Katja Klaiber die "Blumenbar", einen Laden voller Flora, einer Espressomaschine, kleinen Design-Stücken und einem Duft, der Winterwunden heilen kann. Ein kleines Land des Lächelns, für das gilt: Wer herauskommt, dem ist schön leicht ums Herz. Wie schaffen das die beiden Frauen Mitte 30? Die schauen sich an, ziehen die Schultern hoch, lächeln. "Das ist Bauch", sagt Katja Klaiber. "Leichtigkeit." Dabei ist weder die Eine noch die Andere einen leichten Weg bis in die Blumenbar gegangen.

Die beiden Frauen haben nach dem Abitur - unabhängig voneinander, denn da kannten sie sich noch gar nicht - den Mut, auszuprobieren wo die berufliche Reise hingehen soll. "Ich habe erst ein Berufsgrundschuljahr als Schreinerin begonnen, abgebrochen, dann ein Pädagogikstudium abgebrochen, dann eine Ausbildung zur Floristin absolviert." Lust aufs Florale hat ihr die Mutter eines früheren Freundes gemacht. "Sie hatte einen Garten und überall im Haus standen Blumen, am Waschbecken, in der Küche, auf jedem Tisch, das sah so schön aus." Katja Klaiber fängt an, Blumen zu pflücken, sie zu arrangieren. Nach der Ausbildung geht sie nach Hamburg, arbeitet als Floristin und in der Gastronomie. Dann wird Jahrtausendwende gefeiert. "Und ich habe in Freising bei München einen Floristik-Meisterlehrgang angefangen und - abgebrochen. Die bayerische Kleinstadt war nach Hamburg schwer aushaltbar." Kann man nachvollziehen.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2001. Geografisch ganz woanders hat Nicola Dworok schon ihre Meisterprüfung als Floristin bestanden. In Gelsenkirchen /Ruhrgebiet. Davor hatte sie sich auch mal als Schreinerin versucht - abgebrochen, Fremdsprachensekretärin war es auch nicht, Industriedesign auch nicht. "Was machste jetzt, hab´ ich überlegt und mich erinnert, dass ich ganz früher schon in einem Blumenladen als Aushilfe gearbeitet hatte", erzählt Nicola Dworok. So kam es zu ihrer Floristik-Ausbildung.

Die beiden Frauen lernen sich über gemeinsame Bekannte in Frankfurt kennen, Katja Klaiber ist zu dem Zeitpunkt wieder zurück in der Stadt, arbeitet unter anderem im Restaurant Lua Ruby September im Nordend. "Und 2004 ergab sich das mit dem Laden hier", sagt Nicola Dworok, "da sind wir dann so reingeschlittert." Überlegt hatten sie vorher schon manchmal, ob sie nicht zusammen was Floristisches machen wollen. "Dann ging das ganz schnell und spontan." Gut so, findet Katja Klaiber, "wir wussten beide, langfristig können wir nur als Selbstständige arbeiten". Familie und Freunde helfen, den früheren Laden eines Friedhofgärtners zu renovieren und zu gestalten.

Jetzt gucken kleine Hasen von den zwei Fensterbänken und den halbrunden Tresen, ein alter Puppenwagen steht wie abgestellt im Raum, Glanzbilder von Blumenmädchen kleben an der Wand, im Regal Häkelhüllen für Vasen, ein altes Buch "Trotzkopfs Brautzeit" von 1950, Schneekugeln mit Skispringern und da hinten lehnt eine alte Packung Reiter Feinstrumpfhosen an der Wand. Die Blumenbar feiert Nostalgie ohne Schwere, das Schöne, Leichte, Gute. Kleine heile Welt. "Wenn Audrey Hepburn nicht Schauspielerin geworden wäre, hätte sie bestimmt einen Blumenladen im Stil der Blumenbar eröffnet", hat mal eine Freundin von den beiden als Pressetext geschrieben. Das trifft die Seele auf den Punkt. Nicola Dworok schmunzelt. "Der Baedeker-Reiseführer hat den Satz für seinen Band über Frankfurt übernommen." Apropos Schauspieler: Der quirlige Tausendsassa von einem Mimen, Michael Quast, kauft Blumiges nur hier, wie eine Kundin verrät. Das passt. Vielleicht liebt auch Quast die Schachbrettblume - das Lieblingspflänzchen der beiden Floristinnen. "Welche Blume ist schon kariert?", fragt Klaiber mit Fug und Recht. "Ich finde Blumen schön, die aussehen, als kämen sie von Elfen", sagt Dworok und: "Manche Kunden haben uns schon unterstellt, dass wir unsere Sträuße morgens auf einer Wiese pflücken." Auch zu Recht, denn so natürlich sehen sie aus. "Wir versuchen Szenen zu binden, Sträuße wie gewachsen", sagt Katja Klaiber.

Das machen die beiden ausgezeichnet, ja: museumsreif. Für den Künstler Willem de Rooij binden sie jede Woche einen riesigen Strauß für ein Kunstwerk in der aktuellen Ausstellung "Radical Conceptual" im Museum für Moderne Kunst.

Blumen sind Hochkultur. Natürlich.

Blumenbar, Eckenheimer Landstraße 74, 59795965.

Autor:  Lia Venn
Datum:  18 | 3 | 2010
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