Viele kommen von weiter her. Mit dem Auto, dem Zug oder der S-Bahn aus Wiesbaden und Aschaffenburg, aus Würzburg und Heidelberg. Was diese Männer und Frauen an manchen Abenden zu einem ganz bestimmten Haus in Frankfurt zieht, ist ein menschliches Grundbefürfnis. Dem nach Geborgenheit. Danach, Haut auf Haut zu spüren. Einfach nur kuscheln.
Etwas, das mit Geld nicht zu kaufen ist. Eigentlich. An diesen Abenden schon. An diesen Abenden zahlt jeder Teilnehmer der Kuschelparty 18 Euro für das, was andere täglich umsonst bekommen. 18 Euro für Nähe.
Rainer Haas ging lange Zeit alleine durchs Leben. "Als Single hat man in unserer Gesellschaft selten Körperkontakt mit anderen. Wenn man nicht auf Affairen oder einmalige Geschichten aus ist, so gut wie gar nicht", sagt er. Die Umarmung unter Männern oder der herzliche Kuss zur Begrüßung erscheinen in der westlichen Welt befremdlich, in den Ländern des Ostens jedoch gehören solche Zärtlichkeiten zum alltäglichen Miteinander.
"Wir verkümmern doch irgendwie - so ganz ohne ...", sagt Haas. Vor knapp zwei Jahren erfuhr er aus den Medien von den Kuschelpartys. "Zuerst war ich zwiegespalten: Mit Fremden kuscheln - ob ich das kann?", erzählt der 49-Jährige. Er sagte zu. Und wieder ab. Wieder zu. Dann traute er sich.
An diesen ersten Abend auf der Kuschelparty erinnert er sich noch genau. "Ich war als Erster da. Als nur Männer durch die Tür traten, erschrak ich." Doch dann kamen auch die Frauen. "Meistens sind es zwischen 20 und 30 Teilnehmern", sagt Kuscheltrainerin Rosie Doebner, die in Frankfurt und Berlin die Partys seit fünf Jahren organisiert. Man kuschelt nicht sofort los, sondern beginnt mit Entspannungs- und Kennenlernübungen. "Eine der wichtigsten Übungen ist es, das Nein-Sagen zu trainieren." Damit jeder wisse, wo die Grenzen des anderen liegen. "Manche wollen einfach nur gehalten werden" (Haas).
Küssen verboten
Man kuschelt außerdem nur mit denjenigen, die man sich vorher ausgesucht hat. Die Kuschelregeln besagen auch: Küssen verboten, keine Berührungen an intimen Stellen. Sein erstes Mal beschreibt Rainer Haas so: "Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Keine innere Leere, keine negativen Gedanken. Ich bin richtig aufgeblüht und war schnell total entspannt." Eine Wirkung, die im Alltag noch lange anhielt.
Sowohl Verheiratete, Paare, als auch Singles besuchen Rosie Doebners Partys. "Es ist kein Singletreff", betont sie. Dass Paare zueinander fänden, könne natürlich trotzdem passieren. Rainer Haas hat jetzt eine Freundin. Kennengelernt hat er sie beim Kuscheln.
Infos zu den Kuschelpartys unter: www. die-kuschelparty.de

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