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Die Ehre der Münzsammler: Kein Räuber, aber ein Kämpfer

Alte Geschichte hat er studiert, seine Doktorarbeit über antike Münzen geschrieben und seit Ende der 70er Jahre an der Frankfurter Universität geforscht und gelehrt: Helmut Schubert ist Münzsammler. Von Kristiane Schengbier

Helmut Schmidt, pensionierter Wissenschaftler, liest in Münzen spannenden Geschichten aus der Vergangenheit.
Helmut Schmidt, pensionierter Wissenschaftler, liest in Münzen spannenden Geschichten aus der Vergangenheit.
Foto: FR/Oeser

Schippe, Spaten, Vorschlaghammer - mit diesen Werkzeugen kann Helmut Schubert, Präsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft, wenig anfangen. Er ist Münzsammler und Wissenschaftler aus Leidenschaft, kein Raubgräber, der mit einem Metalldetektor des Nächtens über einsame Felder und durch dunkle Wälder stapft.

Alte Geschichte hat er studiert, seine Doktorarbeit über antike Münzen geschrieben und seit Ende der 70er Jahre an der Frankfurter Universität geforscht und gelehrt. Aber es ist nicht der große Zaster, um den es ihm geht - im Gegenteil. "Unsere Gesellschaft, der Verband der Münzsammlervereine in Deutschland, will einen Bildungsauftrag erfüllen und die Sammler zum ernsthaften Sammeln anregen. Sie sollen die Münzen als Kulturobjekte verstehen und sich auch mit staatspolitischen, genealogischen und künstlerischen Fragen auseinandersetzen", sagt der 65-Jährige, der vor einem halben Jahr in den Ruhestand gegangen ist.

Dass sich in den letzten Jahren die Fälle häufen, in denen ganze antike Münzsammlungen durch die Kriminalpolizei beschlagnahmt werden, bereitet Schubert große Sorge. "Im Moment bleibt unsere Mitgliederzahl noch relativ konstant, in Frankfurt sind 75 Sammler bei uns organisiert, in ganz Deutschland etwa 3000", sagt er. "Wir befürchten aber schon, dass es immer weniger Leute überhaupt wagen zu sammeln, wenn die Polizei nicht die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahrt."

Vorgeworfen werde den Münzfans die illegale Ausräumung archäologischer Stätten in aller Welt, Hehlerei und ein vermindertes strafrechtliches Bewusstsein. Bei einem Verdacht müssten sie häufig in kürzester Zeit Herkunftsnachweise erbringen, die in der Regel gar nicht existierten. "Wenn die Herkunft von drei oder vier Münzen fraglich ist und ein Verdacht besteht, wird gleich die ganze Sammlung einbehalten. Und es ist auch schon vorgekommen, dass sich der Verdacht zwar als unbegründet erwiesen hat, der Sammler die Münzen jedoch trotzdem nicht zurückbekommen hat."

Schnäppchen im Internet

Dagegen wollen sich Schubert und seine Mitstreiter nun zur Wehr setzen - zumal häufig der Sammler den Stein des Anstoßes unwissend, aber zum Schnäppchenpreis, im Internet ersteigert hat. "Das ist nichts anderes, als wenn jemand anderes einen Mixer ersteigert, mit dem er Kartoffelbrei macht", veranschaulicht Schubert seine Position.

Mit anderen Vertretern der Sammelleidenschaft, die tatsächlich kriminell seien oder Kontakt zu den entsprechenden Leuten hätten, wolle man bei der Deutschen Numismatischen Gesellschaft überhaupt nichts zu tun haben. "Ein Sammler darf Raubgräber natürlich auch nicht ermuntern", sagt Schubert. "Aber das tut auch kein ehrenwerter Mensch, der bei uns organisiert ist."

Im Sommer nun plant Schubert eine große Veranstaltung in Frankfurt. Dann sollen Vertreter der Denkmalschützer wie auch der Sammler aufeinander treffen und über das Problem der Raubgrabungen diskutieren. Ein "Orchideen-Gebiet" nennt Helmut Schubert das Münzensammeln - und das will er bewahren.

Autor:  KRISTIANE SCHENGBIER
Datum:  7 | 1 | 2009
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