Man muss sich das wohl so vorstellen: Dort, wo jetzt noch die Garderobe für den Altbau des Städels zu finden ist, führt künftig der Weg hin zum unterirdischen Erweiterungsbau. Das hatten die Architekten aus dem Büro schneider+schumacher in ihrem Entwurf zum Wettbewerb ursprünglich so nicht vorgesehen.
Doch diese Umplanung, daran lässt Baumeister Michael Schumacher am Montag keinen Zweifel, bringe einen kaum zu unterschätzenden Vorteil: Der Metzler-Saal zum Garten des Museums hin, gegenwärtig zumeist für Eröffnungen von Ausstellungen genutzt, könne unangetastet bleiben, weil sich nun ein anderes Entrée über die bestehende Achse vom Haupteingang aus zum unterirdischen Neubau gefunden habe.
Der Baubeginn für die Erweiterung des Städels ist für Sonntag, 6. September, vorgesehen. Die Museumsmacher verbinden dieses Ereignis mit einem Tag der Offenen Tür zwischen 10 und 20 Uhr bei freiem Eintritt.
Im Rahmen des Ausstellungsreihe "Konstellationen" präsentiert das Städel von diesem Tag an ausgewählte Beispiele der Kunst nach 1945, die bis zum 7. März kommenden Jahres zu sehen ist. Die Ausstellung liefert einen Vorgeschmack auf das, was vom Sommer 2011 in dem unterirdischen Neubau des Museums gezeigt wird: Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Über die Treppe gelangt der Besucher vom Sommer 2011 an in den neuen Ausstellungsraum, der auf Pfeiler gestützt zwischen sechs und acht Meter hoch werden soll. Tageslicht empfängt die 3000 Quadratmeter umfassende Ausstellungshalle, die Schumacher als "spektakulär bescheiden" beschreibt, über kreisrunde Oberlichter mit einem Durchmesser von anderthalb bis zweieinhalb Metern.
In früheren Plänen, mit denen sich sein Büro an dem international ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligt hatte, sahen die Architekten 250 dieser Oberlichter vor. Nach dem jetzigen Stand der Planung bleiben noch 195 Zugänge für Tageslicht in der Gartenhalle übrig, die der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorbehalten bleiben soll. Das reiche aus, befindet Schumacher, und spare Geld.
Das dürfte im Sinne der Bauherren sein, denen noch zehn Millionen für das insgesamt 40 Millionen Euro teure Projekt fehlen. Ohne die Hilfe der Stadt, daraus macht Administrator Nikolaus Schweikart keinen Hehl, "wäre es schwierig gewesen": Fünf Millionen steckt die Stadtregierung in die Erweiterung des Museums, acht Millionen fließen in die Sanierung des Altbaus. Schließlich müsse "dieses Haus die Chance bekommen, seinen nationalen wie internationalen Status zu sichern", hebt Felix Semmelroth hervor. Für den Kulturdezernenten steht außer Frage: Mit diesem Museum wirke "Frankfurt auch nach außen".
Ebenso wie mit Eintracht Frankfurt, einem anderen "großen Freizeitanbieter" in dieser Stadt, wie der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Heribert Bruchhagen, die Dinge sieht. Deswegen fühlt sich die Eintracht auch dem Städel verbunden, scheuen sich die Fußball-Profis nicht, auf einem Mannschaftsfoto gelbe Stiefel anzuziehen. Stiefel, die das Symbol der Spendenkampagne zur Finanzierung des Erweiterungsbaus sind.
Einer Kampagne, die sich die Agentur Ogilvy ausgedacht hat. Frankfurt baut das neue Städel, haben die hiesigen Kreativen die Aktion genannt, die am 6. September mit dem ersten Spatenstich im Garten des Museums anlaufen soll. Für 19,90 Euro kann man diese ganz in gelb gehaltenen Stiefel erwerben. Und damit, sagt Direktor Max Hollein, gehe man mit gutem Beispiel voran und setze ein deutliches Zeichen des eigenen Engagements .

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