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Die Kanzlerin in Frankfurt: Adenauers Erbe

In der vom alten Kölner ungeliebten Stadt am Main beschwört Angela Merkel den Geist des Kanzlers aus Rhöndorf. Und bekommt Kräne präsentiert. Von Matthias Arning


Foto: getty

Endstation Frankfurt. Früher sei hier Schluss gewesen, für den Zug namens Rheingold, sagt Angela Merkel. Der Zug, mit dem Konrad Adenauer so gerne gefahren sei. Den Rhein entlang, Köln, Bonn, Koblenz, nur Frankfurt musste es für den Alten aus Rhöndorf nicht mehr unbedingt sein.

Frankfurt erschien dem ersten Kanzler der jungen Republik immer ein wenig ungeheuerlich, weswegen die Stadt am Main auch als Hauptstadt nicht in Frage kam, obwohl dort doch eigentlich alles vorbereitet war für eine Unterbringung des Parlaments im heutigen Sendesaal des Hessischen Rundfunks.

Die Frau Rauscher, die Frankfurter Symbolfigur der schlähschtschwätzenden Marktfrau übergibt der Frau Merkel einen Karton mit kulinarischen Preziosen vom Main.
Die Frau Rauscher, die Frankfurter Symbolfigur der "schlähschtschwätzenden Marktfrau" übergibt der Frau Merkel einen Karton mit kulinarischen Preziosen vom Main.
Foto: dpa

Über Frankfurt hinaus wäre Adenauer gerne weiter gereist Richtung Osten, glaubt Merkel. An diesem Dienstag macht Adenauers Erbin die Reise, "die der frühere Kanzler so gerne gemacht hätte": Koblenz, Frankfurt, Erfurt, Leipzig, Berlin. Stets im Gedenken an ihn, der am 15. September 1949 das erste Mal zum Regierungschef gewählt wurde.

"Legitime Erbin"

Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Stopp auf ihrer Wahlkampftour im Rheingold-Express in Frankfurt am Main (15.09.2009).
Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Stopp auf ihrer Wahlkampftour im Rheingold-Express in Frankfurt am Main (15.09.2009).
Foto: getty

Das sind so Geschichten ganz nach dem Geschmack der aktuellen Regierungschefin. Damals, sagt Merkel auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs vor 3000 Menschen, damals habe Adenauer ganz klar gesagt, "man müsse eine knappe Mehrheit behaupten". Ganz in diesem Sinne versteht die Christdemokratin, was nach der Wahl am 27. September auf sie, ihre Partei und ein mögliches Bündnis, das man bürgerlich nennt, zukommen könnte.

So wie Adenauer am Anfang der Bundesrepublik "die Weichen für die soziale Marktwirtschaft gestellt hat", so werde sie selbst gleichsam als legitime Erbin des alten Kanzlers alles daran setzen, dieses Projekt fortzuschreiben. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen, zumal am Jahrestag des Beginns der großen Krise.

Nicht nochmal Krise

Ganz in diesem Sinne sei ihre Reise mit dem Zug "Rheingold" alles andere als allein eine Reise in die Vergangenheit, die am frühen Morgen am Grab Adenauers in Rhöndorf begonnen hat. "Dies ist auch eine Reise in die Zukunft", in der sich die Aufgabe stelle, dass "sich eine solche Krise niemals wiederholen darf". Während man in der Ölkrise beim Wachstum ein Minus von 0,9 Prozent habe hinnehmen müssen, habe man am Ende dieses Jahres mit einem Minus von mindestens fünf Prozent zu rechnen. Das wolle sie nicht noch einmal erleben, weshalb gelten müsse: "Der Staat ist der Hüter der Ordnung." Und, setzt die Regierungschefin hinzu: "Ohne Regeln geht es nicht." So wie jeder Bürger das Korrektiv des TÜV kenne, dem man den eigenen Wagen vorzuführen habe, so bräuchten künftig auch Banken entsprechende Korrektive.

Den Demonstranten, die sich lautstark für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan einsetzen, hält die Kanzlerin entgegen: "Unsere Sicherheit muss jeden Tag verteidigt werden", da solle man sich die Betrachtung der Dinge auch international nicht zu einfach machen.

Am Donnerstag schon wieder hier

National betrachtet sei sie guter Dinge, dass "wir das schaffen". Dann gehe es darum, "die Arbeitnehmer zu motivieren", was allerdings nur gelingen könne, "wenn wir am Monatsende wieder mehr Netto vom Brutto haben, sich also Leistung wieder lohnt". Ihr Optimismus stütze sich darauf, dass "es zukunftsfähige Technologie gibt", da sei sie auf den kommenden Donnerstag gespannt, wenn sie die Internationale Autobil-Ausstellung in dieser Stadt besuchen werde.

Für den heutigen Dienstag aber verabschiedet sich die Kanzlerin nach 20 Minuten wieder in Richtung Gleis 1. Pünktlich um 12.52 Uhr war der Zug Rheingold dort eingetroffen. Führende Christdemokraten holten die Kanzlerin auf der Zwischenetappe ihrer Reise auf den Spuren Adenauers ab, um sie zu der kurzen Kundgebung zu begleiten. Einer Veranstaltung, in der Oberbürgermeisteirn Petra Roth schließlich den Schlusspunkt setzt. "Schauen Sie auf diese Kräne", ruft Merkels Parteifreundin den Besucherin zu und verweist sie auf entstehende Neubauten im Bahnhofsviertel: Mit ihrem Konjunkturprogramm habe die Bundesregierung dafür gesorgt, dass es in der Krise Arbeit gebe. Wenn das Konrad Adenauer wüsste.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  15 | 9 | 2009
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