Am Tag danach hatte die neue Linken-Spitzenkandidatin nur noch Freunde. "Wir können sehr gut miteinander arbeiten", sagte der hessische Linken-Vorsitzende Ulrich Wilken am Sonntag über die 47-jährige Attac-Geschäftsführerin Sabine Leidig. Er lasse keinen Keil zwischen sich und die neue Spitzenfrau treiben. Wilken sieht sich mit ihrer Wahl "in keinster Weise" beschädigt, betonte er.
Dabei war es Wilken, der vor dem Linken-Parteitag in Bad Homburg-Kirdorf noch per Mail für Leidigs Gegenkandidatin Marlis Wilde-Stockmeyer geworben hatte. Damit habe er keineswegs ein persönliches Votum weitergegeben, sondern die Entscheidung des Landesvorstands, sagte er. Der sei "mehrheitlich gegen Frau Leidig als Spitzenkandidatin" gewesen. Doch beim Parteitag trat keiner aus dem Führungskreis mehr als Befürworter der Kommunalpolitikerin aus Kassel auf. Dagegen machte sich Vorstandsmitglied Manfred Coppik für Seiteneinsteigerin Leidig stark.
Die Attac-Frau, die noch nicht Linken-Mitglied ist, erhielt 105 Stimmen. Auf die 66-jährige Wilde-Stockmeyer entfielen 86 Stimmen. Chancenlos blieb der Versuch eines Kasseler Delegierten, die Frauenquote auszuhebeln, um die bisherigen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrcke und Werner Dreibus auf den Plätzen 2 und 3 abzusichern.
Gehrcke setzte sich mit 123 zu 69 Stimmen auf Platz 2 durch. Dreibus muss mit Platz 4 Vorlieb nehmen, der nur ausreicht, wenn die Linke in Hessen ihr Ergebnis von 2005 auf etwa acht Prozent verdoppeln sollte. Das wurde prompt als Wahlziel ausgegeben - einträchtig von Wilken und der Spitzenkandidatin Leidig. Kandidat Gehrcke forderte angesichts der Wirtschaftskrise "eine Politik der sozialen Unruhe". Es werde sich nichts ändern, "wenn es bei der Friedhofsstimmung bleibt", sagte der Linken-Politiker.
Bundes-Parteichef Oskar Lafontaine sagte bei dem Parteitag, er halte "auch den Massenstreik für ein geeignetes Mittel". Demonstrationen, aus denen nichts folge, seien "frustrierend". Lafontaine kommentierte: "Natürlich verschreckt das den einen oder anderen spießigen Politiker." Leidig sagte der FR, ein Anlass für Proteste könne die geplante Gründung einer "Bad Bank" sein, in die Banken ihre faulen Kredite auslagern könnten.
Hessens CDU verurteilte die Aufrufe zur Unruhe als " ungeheuerlichen Versuch, die Menschen aufzuwiegeln", so Generalsekretär Peter Beuth.

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