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Diskussionsreihe "Pro Diversity": Experten reden über den Nutzen der Bionik

Im Senckenberg-Museum diskutierten Menschen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft darüber, was der Mensch der Natur alles abgucken kann. Denn sie kann Ideengeber sein für Technologien und fürs Management. Von Lia Venn

Schon mal einen Gecko an der Wand kleben sehen? Das schafft so ein Kerlchen sogar mit nur einem Zeh an der Terrariumscheibe. Wie macht der das? Kleben ohne jede Flüssigkeit. Der Gecko hat, was wir nicht haben: Milliarden von Nanohärchen unter den Füßen, sogenannte spatulae. Glückwunsch! Wenn Sie jetzt denken: "Will ich auch haben", sind Sie dem Thema der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Senckenbergmuseum schon ganz nah: der Bionik. "Nature knows it all?", fragten sich die Teilnehmer der Reihe "Pro Diversity" auf Einladung der Heraeus Bildungsstiftung.

Ministerpräsident Roland Koch (CDU), Michael Braungart, Verfahrenstechniker, Chemiker und Cradle-to-Cradle-Begründer, Hermann Requardt, Vorstandsmitglied bei Siemens und Leiter der Abteilung Corporate Technology, sowie Hans Reitz, Kreativberater des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, diskutierten darüber, was der Mensch der Natur so alles abgucken kann. Denn die Natur kann Ideengeber sein für Technologien und fürs Management. Was die Wirtschaft der Naturwissenschaft schon abgeguckt hat, ist etwa der Lotus-Effekt schmutzabweichender Oberflächen und der Klettverschluss (Danke, Gecko).

Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, und Carsten Kratz von der Boston Consulting Group sprachen zunächst zum Publikum im inklusive des letzten Platzes voll besetzten Saal. Und einmal mehr wünschte man sich einen durch Schulen tourenden Mosbrugger, mit der Mission, Kinder für Biologie, Natur, Forschung und Gemeinsinn zu begeistern. Der kann das.

Es wurde dann noch furchtbar kompliziert. Kein Wunder, wenn es um Innovationsklima, Komplexitätsmanagement, Umfeldsensibilität und um die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie im Ganzen geht. Um Kreativität als Form des Patriotismus, um Mut, klein anzufangen, wenn man Großes will. Tapfer moderiert von Nina Ruge.

Und dann das: "Wir romantisieren die Natur." Michael Braungart findet, dass dadurch Kreativität und der für Ideen notwendige Stolz unterdrückt werden. Es sollte eben nicht mehr über allen Wipfeln Ruh´ sein, sondern ein Tosen, eine Leidenschaft, ein Wagen - um Innovationen zuzulassen. Mit der Natur zusammen Neues finden. Immer in einem volkswirtschaftlichen Sinne, also zum Nutzen aller. Keinen "Schuldkomplex" der bisher malträtierten Natur gegenüber empfinden, sondern hinschauen, Prozesse verstehen. Eine Balance schließlich auch entwickeln zwischen den beiden Polen Selbsterhaltungstrieb und Selbstlosigkeit.

Der Abend führte unter anderem zu der Erkenntnis, dass Heraeus und Senckenberg eine höchst innovative Verbindung bilden, im Kitzeln von Synapsen. Und als Folge das hohe Gut Denkanregungen herauskommt. Das sollte stets im Sinne gesellschaftlichen Nutzens eingesetzt werden. Für alle.

Autor:  Lia Venn
Datum:  23 | 4 | 2010
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