Die Welt wächst zusammen. Am Dienstag, 10 Uhr, sind in 17 europäischen Ländern zeitgleich Pressekonferenzen anberaumt. Der Plan der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN), eine Welt ohne Drogenkonsum zu schaffen, sei gescheitert, lautet die Botschaft. Es sei höchste Zeit für neue Wege, die nicht auf Strafverfolgung, sondern auf Hilfen setzen.
Im Bornheimer Bürgerhaus hat Professor Heino Stöver zur Pressekonferenz geladen. Stöver hat vor 21 Jahren den Bundesverband für akzeptierende und humane Drogenpolitik mitgegründet. Er selbst spricht an diesem Morgen von einem "sehr abstrakten Unternehmen". Schließlich hat gerade Frankfurt bewiesen, dass eine Stadt durchaus eine eigenständige Drogenpolitik entwickeln kann. Er kenne keine andere Kommune in Deutschland, die auf so engem Raum so viele Konsumräume und andere Hilfsangebote aufgebaut habe, räumt Stöver ein.
Aber der Professor für "Soziale Arbeit und Gesundheit", der erst seit acht Tagen in Frankfurt ist und an der Fachhochschule arbeitet, will mehr: "Der Eigenbedarf sollte straffrei sein. " Stöver kann sich vorstellen, dass Drogen in Apotheken verkauft werden. Harte Drogen sollten ärztlich verschrieben werden; für den Verkauf von Cannabis hat er noch keine konkreten Vorstellungen.
Das UN-Programm "A Drug Free World - We can Do it" habe "nicht funktioniert". Handel und Konsum hätten weltweit zugenommen. Seit 1973, als begonnen wurde, die Drogentoten zu zählen, seien 38 000 Menschen Opfer ihrer Sucht geworden. Die Europäer seien sich weitgehend einig, dass es mehr Hilfen für Abhängige und Kranke geben müsse. Dass ein Land den Vorreiter spielt und die UN-Vorgaben missachtet, kann sich der Professor allerdings nicht vorstellen.
Anlass für die grenzüberschreitende Pressekampagne ist die UN-Konferenz am 11. bis 13. März in Wien, auf der eine neue "10-Jahres-Strategie" formuliert werden soll.
Heino Stöver gehört zu den Pionieren in der Drogenhilfe. In Bremen betreute er einen Raum für drogenabhängige Prostituierte, die sich dort waschen, schminken und Drogen konsumieren konnten. In dieser Zeit wurden unter den "wachsamen Augen der Kriminalpolizei" die ersten Spritzen getauscht. Ohne Aids, so seine bittere Schlussfolgerung, hätten sich Ansätze der Hilfe und Schadensbegrenzung nicht durchgesetzt.
An der Frankfurter Drogenpolitik gefällt ihm auch, dass sie sich immer wieder einmischt in die Bundespolitik und sich hartnäckig um die Zulassung von Heroin als Arzneimittel für einen kleinen Kreis von Drogenabhängigen engagiert.
Die im vergangenen Jahr formulierten "Frankfurter Thesen zur kommunalen Drogenpolitik und Drogenarbeit" fänden seine volle Unterstützung. In dem Thesen-Papier wird unter anderem auch eine Qualitätskontrolle für Drogen gefordert - um Bleibeimengungen wie sie einmal in Leipzig festgestellt wurden, nach Möglichkeit zu verhindern.

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