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Drogenprojekt "BuddyCare": Kumpel gesucht

Das Projekt "BuddyCare" der Integrativen Drogenhilfe sucht Alltagshelfer für Abhängige - also Kumpel, die ein Jahr lang einmal wöchentlich einige Stunden ihrer Freizeit mit einem Drogenabhängigen verbringen. Von Marie-Sophie Adeoso

Projektpatin Steffi Jones sucht nach Buddys.
Projektpatin Steffi Jones sucht nach Buddys.
Foto: Arnold

Martin Euler interessiert sich für vieles. "Mal ins Archäologie-Museum gehen, wäre schön", sagt der 28-Jährige. Gemeinsam kochen oder spazieren gehen, das wünsche er sich. Aber ihm fehlen die Freunde für seine Hobbys. 1997 fing Euler an, Heroin zu spritzen. Heute wohnt er in einer betreuten Wohneinrichtung und hat durch die langen Jahre der Drogensucht den Kontakt zu Familie und Freunden verloren. In der Drogenszene gebe es keine Freundschaften: "Wenn man Stoff hat, ist man interessant; wenn nicht, dann nicht", erzählt er.

Damit Menschen wie Martin Euler wieder in das soziale Leben zurückfinden, sucht die Integrative Drogenhilfe (IDH) nach Ehrenamtlichen für ihr neues Projekt "BuddyCare". Buddys, also Kumpel, verbringen ein Jahr lang einmal wöchentlich einige Stunden ihrer Freizeit mit einem Drogenabhängigen.

Buddycare

Freunde für Drogenabhängige zu finden, ist das Ziel des Integrationsprojekts "BuddyCare". Mitmachen können alle Menschen ab 18 Jahren, die ein Jahr lang einige Stunden pro Woche Zeit haben und Interesse für ihnen fremde Lebenssituationen mitbringen.

Die Integrative Drogenhilfe bereitet die Buddys auf ihre Aufgabe vor und bietet bei Bedarf professionelle Hilfe.

Interessierte können sich an die Projektkoordinatorin Sandra Köhler wenden: Tel. 069/272985530

Große bunte Puzzleteile werden zum Projektauftakt am Mittwoch an der Hauptwache von Kindern und Passanten bemalt. Als Zweierpaare ineinander gesteckt symbolisieren sie die Menschen, die auf Vermittlung der IDH als Buddys zueinanderfinden.

Eine der ersten, die sich als Buddy gemeldet hat, ist Stephanie Menz. Die 29-jährige Bankkauffrau wird ab Oktober mit einem ihr noch unbekannten Menschen die Stadt erkunden. "Ich finde es spannend, einen Einblick in eine Welt zu erhalten, abseits von dem, was wir als normal empfinden", erklärt sie ihre Motivation. Als Buddy könne sie Engagement mit eigenen Interessen verbinden und zeitlich flexibel helfen.

Dass Menz keine Erfahrung mit Drogenabhängigen hat, ist kein Manko, sondern Prinzip von BuddyCare. "Unser professionelles Drogensystem leistet zwar viel, aber Profis verbringen nicht ihre Freizeit mit den Menschen", erklärt die Gesundheitsdezernentin und BuddyCare-Schirmherrin Manuela Rottmann. Sie hofft, dass viele Menschen wie Stephanie Menz als Buddys die Schwelle "in eine andere Welt" übertreten. Projekt-Patin Steffi Jones pflichtet ihr bei.

"Es ist wichtig, den Menschen zu zeigen, dass wir sie nicht fallen lassen", sagt die ehemalige Fußballnationalspielerin, die selbst einen drogensüchtigen Bruder hat. "Wir alle haben unsere Hochs und Tiefs."

Das Konzept von BuddyCare wurde aus den Niederlanden übernommen, wo bereits seit rund 20 Jahren Drogenabhängige und HIV-positive Menschen von Laien betreut werden. "Früher war das eine Sterbebegleitung für Schwerkranke, heute begleiten die Buddys Menschen zurück ins Leben", erzählt Barbara Hattmannsdorfer, die "BuddyZorg" in Amsterdam koordiniert. "Die Buddys geben den Menschen ihre Würde zurück und das gute Gefühl, dass jemand an sie denkt."

Autor:  Marie-Sophie Adeoso
Datum:  13 | 8 | 2009
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