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15. März 2016

Drohbriefe: Morddrohungen gegen Bürgermeister

 Von 
Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (Mitte), hier in einer Flüchtlingsunterkunft, ist bekannt für sein Engagement.  Foto: Monika Müller

Lokalpolitiker in Neu-Isenburg und Dreieich erhalten fast wortgleiche Drohbriefe. Darin werden sie aufgefordert, sich nicht weiter für Muslime einzusetzen - ansonsten würden Menschen sterben, schreiben die Täter.

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Drohbriefe sind heute selten geworden – inzwischen reist der Hass in der Regel auf elektronischem Weg per E-Mail oder wird gleich für alle einsehbar gepostet. In Neu-Isenburg kamen die jüngsten Morddrohungen jetzt doch auf dem Postweg ins Rathaus. „Ich muss aber sagen, dass anonyme Drohbriefe an mich doch fast immer per Post kommen“, sagt der Neu-Isenburger Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Viele hat er allerdings noch nicht erhalten.

Es ist diesmal ein Brief, der in seiner Bösartigkeit keinen Zweifel an den Absichten des Absenders lässt. Auch Hunkels Dreieicher Kollege Dieter Zimmer (SPD) hat bereits am Donnerstag vergangener Woche ein fast wortgleiches Schreiben erhalten. „Das war das erste Mal, dass ich so etwas bekam“, sagt Zimmer. „Ich musste das zweimal lesen, weil ich es nicht glauben konnte. Das bleibt nicht in der Kleidung stecken.“

„Achtung“, heißt es in Hunkels Fassung, „dies ist eine Warnung an die CDU, SPD, die Grünen und die Linken im Stadtparlament. Hört auf damit, euch so stark für Muslime in Neu-Isenburg einzusetzen. Wir sind bewaffnet und bereit.“ Der anonyme Absender droht schließlich zuerst mit der Erschießung von Muslimen und danach von Kommunalpolitikern. „Wir sind Christen und verteidigen unser Land“, heißt es zynisch.

Die Stadt habe die Polizei und den Staatsschutz eingeschaltet, berichtet Hunkel. „Der Staatsschutz sieht keine akute Bedrohung.“ Er habe einer Veröffentlichung des anonymen Briefs auf der Facebook -Seite der Initiative „Refugees welcome Neu-Isenburg“ am Montag zugestimmt, „weil man das nicht verheimlichen sollte“. Er fühle sich aber nicht verunsichert.

Im Kreis Offenbach haben bisher nur Hunkel und Zimmer die Drohung erhalten. Dass der Briefschreiber aus Neu-Isenburg stammt, daran kann es durchaus Zweifel geben. Zum einen fehlt in der Aufzählung die FDP, und zum anderen sitzen die Linken erst in der künftigen Stadtverordnetenversammlung. Dennoch war hier der Kommunalwahlkampf von ungewöhnlich aggressiven Untertönen begleitet, die im ganzen Kreis ihresgleichen suchten. Das bestätigen viele Lokalpolitiker, gleich welcher Couleur.

Das lag diesmal keineswegs am Umgang untereinander, sondern an den Attacken, die sich unter anderem gegen Wahlplakate oder auch die Autos von Stadtverordneten richtete. So musste die CDU mehrere tausend Euro für neue Stellwände aufwenden, weil Unbekannte auf ihre Plakate Parolen wie „Volksverräter“ geschmiert hatten. Auch SPD, Grüne und FDP beklagten die Zerstörung ihrer Wahlwerbung. Der AfD wurden in einer Nacht rund 200 Plakate gestohlen.

Auch wabern immer wieder Gerüchte durch die Stadt, in der im vergangenen September eine Erstaufnahmestelle des Landes Hessen für bis zu tausend Flüchtlinge eingerichtet wurde. Hunkel, der sich sehr für Flüchtlinge einsetzt, geht dem auch höchstpersönlich nach (siehe Kasten). „Ich will nichts kleinreden“, sagt er. „Aber mit all den Geschichten werden Menschen, die man nicht will, in eine Ecke gestellt, einschließlich derer, die verantwortungsvoll und im christlichen Geist handeln“, sagt er.

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