Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

06. März 2014

EEG: Windkraft geht die Puste aus

 Von 
Furcht vor der Flaute: Rotor in Hessen.

Die von Sigmar Gabriel geplante Reform des EEG könnte den Ausbau der Windkraft in Hessen deutlich bremsen, fürchten Unternehmer. Bereits geplanten Projekten droht das Aus.

Drucken per Mail

An vielen Orten Hessens tobt der Kampf um die Windkraft. Zwischen Taunuskämmen, Vogelsberghängen und Wetterauer Äckern streiten die einen für neue Windräder, von denen sie sich Einnahmen oder einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz erhoffen. Die anderen bekämpfen diese, weil sie Lärm und eine Verschandelung der Landschaft fürchten.

Dieser Kampf könnte hinfällig werden. Denn würde das Gesetz für Erneuerbare Energien so geändert, wie es der Entwurf von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorsieht, dann käme der Ausbau der Windkraft in Hessen weitgehend zum Erliegen oder würde doch zumindest stark abgebremst. So jedenfalls die Einschätzung von Jochen Ahn, Mitbegründer und Vorstand der ABO Wind AG, einem Windanlagenbauer und Projektentwickler mit Sitz in Wiesbaden. „Wir kämpfen hier in Hessen mit den Windkraftstandorten ohnehin schon an der unteren Grenze der Wirtschaftlichkeit“, sagte er.

Projekte gestoppt

Wenn die Förderung des Windstroms wie beabsichtigt gesenkt werde, würden viele geplante Projekte nicht mehr umgesetzt, mahnte Ahn. Aktuell seien bereits Anlagen mit einer Leistung von rund 50 Megawatt betroffen, beispielsweise in Bernrode bei Schlitz (Osthessen) oder ein Windpark bei Bad Hersfeld.
Am Donnerstag waren die beiden Wirtschaftsstaatssekretäre Uwe Hüser (Rheinland-Pfalz, Grüne) und Mathias Samson (Hessen, ebenfalls Grüne) bei ABO Wind zu Gast, wo sie gemeinsam Veränderungen an Gabriels Entwurf einforderten. „Unsere Ziele zum Klimaschutz wären unter den neuen Bedingungen nur sehr schwer zu erreichen“, sagte Samson. So wolle die hessische Landesregierung bis zum Ende der Legislaturperiode den Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung des Landes von 13 auf 25 Prozent steigern, bis 2050 sollen sogar 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Windkraft spielt dabei eine zentrale Rolle.

Auch Samsons rheinland-pfälzischer Amtskollege Hüser beklagte, Gabriels Entwurf könne Windkraft in Mittelgebirgslagen wirtschaftlich unrentabel machen.
Es sind vor allem drei Punkte, die auf Kritik stoßen. Im Gesetzentwurf ist der 22. Januar als Stichtag genannt. Nur Anlagen, die bis dahin genehmigt wurden und 2014 ans Netz gehen, sollen die bisherige, höhere Förderung erhalten. Die Forderung der Kritiker: In bisheriger Höhe gefördert werden sollen auch Anlagen, für die bis 22. Januar alle Genehmigungsunterlagen vorgelegen haben. „Sonst verstößt das gegen den Vertrauensschutz und würde Investoren künftig abschrecken“, sagte Ahn.

Zweitens müssten Anlagen an windschwächeren Gegenden wie Hessen stärker gefördert werden als beispielsweise solche an der Nordseeküste. „Sonst kann man hier an vielen Standorten keinen Windstrom mehr rentabel erzeugen“, sagte Samson. Drittens – so forderte es der Energiewissenschaftler Joachim Nitsch aus Stuttgart – müsse die Deckelung von 2500 Megawatt für neue Anlagen auf mindestens 3500 angehoben werden, um genügend Windkraft für die Energiewende erzeugen zu können.

Apell an Bundesregierung

Bis nächsten Mittwoch haben die Länder noch Zeit, ihre Anmerkungen zur Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetz, das am 1. August in Kraft treten soll, an das Bundeswirtschaftsministerium zu senden. Hessen und Rheinland-Pfalz wollen dies in enger Absprache mit Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein tun. „Ich bin optimistisch, dass unsere guten Argumente gehört werden“, so Samson. Die Frist für die Förderung von Anlagen müsse möglichst noch im März geändert werden. „Sonst läuft uns die Zeit davon und Investoren springen ab“, sagte Samson.

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) betonte bei der Eröffnung der Messe Bau-Expo in Gießen am Donnerstag die Bedeutung der Energiewende für das regionale Handwerk und den Wirtschaftsstandort Hessen.

Ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz sei neben der Erzeugung erneuerbarer Energien die Energieeffizienz. So hätten viele Gebäude einen ungenügenden Wärmeschutz, 80 Prozent der Heizungen seien nicht auf dem Stand der Technik. Ziel sei es, den Verbrauch an Öl oder Erdgas fürs Heizen zu halbieren. Das Land werde bis zum Jahr 2017 dafür 160 Millionen Euro in seine eigenen Gebäude investieren.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Von Hanau über Offenbach bis Wiesbaden, von Friedberg über den Taunus bis nach Darmstadt: Die Frankfurter Rundschau berichtet mit ihren Redaktionen vor Ort aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.

Twitter

Anzeige

Altenhilfe der FR
Altenhilfe

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

ANZEIGE
- Partner