Das erste, woran Horst Klose denkt, wenn er den Namen Bernhard Grzimek hört: "An 20 meiner schönsten Jahre im Zoo." Klose war dort 43 Jahre lang Tierpfleger, von seinem ersten Lehrjahr 1953 bis zur Pensionierung 1996. Davon knapp 40 Jahre im früheren Menschenaffenhaus, wo er bald Reviertierpfleger wurde. Und Grzimek?
"Ein toller Mann und Mensch", sagt der 70-jährige Frankfurter. Nicht nur kühler Geschäftsmann sei Grzimek gewesen, sondern "richtig menschlich". 1966 kam Schimpanse Jimmy vom Zirkus in den Zoo. "Der war in der Manege nicht mehr zuverlässig." Klose konnte Jimmy nicht mit nach Hause nehmen, "also musste er direkt in meine Gruppe, da war dann ziemliche Unruhe". Deshalb wollte er auch auf die übliche Dressur verzichten. Weil aber eine Besuchergruppe aus Hannover an jenem Tag so sehr darum bat, versuchte er es doch. "Jimmy hat völlig durchgedreht und mich total in die Mangel genommen. Ein halbes Jahr lang lag ich im Krankenhaus." Und Grzimek? "Der ist während meiner Operation die ganze Zeit bei mir geblieben. Drei Stunden hat das gedauert." Der Chefarzt sei fast durchgedreht, "hatte ihn aber nicht rausbekommen". Klose schmunzelt. Oder die Sache mit dem Wasser. "Im Zoo wurde damals für alles reines Trinkwasser verwendet, für die Robben und so. Das gab enorm hohe Wasserrechnungen." Und Grzimek? Hatte eine Idee: "Für jede Wasserverschwendung, ein tropfender Hahn oder anderes, musste man drei Mark zahlen." Eines Tages rief Grzimek nach Klose, Gorillaweibchen Makulla hatte dem Zoodirektor die Brille geklaut. Klose musste helfen, "die hörte ja nicht auf ihn, nur weil er Direktor war".
Klose lächelt - man mochte sich. "Als ich dann zu Makulla kam, hatte sie die Brille schon total zerlegt." Weil dabei auch Glas zu Bruch ging, musste er das Gehege mit Wasser ausspritzen. "Ich habe von Grzimek drei Mark verlangt". Erst habe der Zoodirektor gestutzt - "dann hat er bezahlt".
Manchmal unangenehm
Weil die Tiere, wie gesagt, nicht auf Grzimek hörten, nur weil er der Chef war, waren bei den Fernsehsendungen zu "Ein Platz für Tiere" oft die jeweiligen Pfleger dabei. "Ich auch, mit der Betzi zum Beispiel." Die Gorilladame, die mit Grzimek jetzt auf der Sondermarke zu sehen ist.
Klose und Grzimek waren sozusagen Nachbarn. "Er wohnte damals im Gesellschaftshaus und ich hatte auf dem Gelände meine Dienstwohnung." Zwar tauschte man weder Kaffee noch Bohrmaschine aus. "Aber wenn er meine Frau und mich in der Gartenwirtschaft am Zoo sah, hat er auch mal ein Bier mitgetrunken." Grzimek spielt auch heute noch eine Rolle im Leben von Horst Klose. "Die ganzen Jahre mit so einem guten Mann haben einen auch geprägt." Aber unangenehm, das konnte der Grzimek auch werden. "Wenn die Maler zum Beispiel einen Zaun gestrichen hatten, kam er und sagte: ,sieht gut aus', dann nahm er einen Spiegel und guckte unten drunter." Klose feixt.
Dass er selbst mal mit Tieren arbeiten würde, sei von Anfang an klar gewesen. "Ich hatte von meiner Mutter auch keinen Widerstand zu erwarten, ihr war das schon klar,weil ich schon immer alle möglichen Viecher nach Hause geschleppt habe." Klose wuchs an der Bertramswiese auf. "Dort gab es früher zwei landwirtschaftliche Betriebe, wo ich auch oft war." Aber Nutztiere? "Nichts für mich, man päppelt sie auf und dann?"
Und Grzimek? Wie fände er den Frankfurter Zoo heute? "Gut, ich sage mal, es sind ja früher ganz andere Zeiten gewesen. Aber im Großen und Ganzen , doch,der Zoo würde ihm gefallen." ave

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