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Eingemeindung 1910 - eine Serie (VII): Vom Frontkämpfer Sundheimer

Als Deutschland 1648 verwüstet war, halfen jüdische Handwerker und Kaufleute dem späteren Frankfurter Stadtteil Heddernheim zu neuer Blüte. Unrecht widerfuhr ihnen trotzdem. Von Nicole Koller

Ausstellung beim Heddernheimer Bürgerverein: Dokumente jüdischer Verfolgung.
Ausstellung beim Heddernheimer Bürgerverein: Dokumente jüdischer Verfolgung.
Foto: FR/Boeckheler

Im Namen des Führers und Reichskanzlers" steht in großen Buchstaben auf einem der Dokumente im Schaukasten des Heddernheimer Heimatmuseums. Daneben liegen einige Judensterne sowie das Stammbuch und die Geburtsurkunden der jüdischen Familie Sundheimer. Im Namen des Führers und Reichskanzlers wurde Leopold Sundheimer 1935 mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet.

Ein paar Jahre später sei Sundheimer abtransportiert worden, erzählt Dieter Luwe, Vorsitzender des Heddernheimer Bürgervereins. Luwe deutet auf ein Schwarzweiß-Foto über dem Schaukasten. Männer, Frauen und Kinder auf einer Treppe: jüdische Bewohner Heddernheims, die vor dem Transport ins Konzentrationslager noch einmal für ein Foto posieren mussten. Die Fotografie daneben zeigt das ehemalige Schul- und Lehrhaus der jüdischen Gemeinde Heddernheims.

Einer, der zusammen mit dem Bürgerverein die Historie erforscht und auch das Beschämende nicht verschweigt: Dieter Luwe.
Einer, der zusammen mit dem Bürgerverein die Historie erforscht und auch das Beschämende nicht verschweigt: Dieter Luwe.
Foto: FR/Boeckheler

Das kleine Gebäude befand sich in der Langgasse, direkt neben der Synagoge, die 1760 erbaut worden war. Seit der Eingemeindung 1910 heißt die Gasse "Alt-Heddernheim". Ein Gedenkstein erinnert heute an das jüdische Gotteshaus, das im November 1938 verwüstet und 1943 abgerissen wurde. Niedergebrannt habe man die Synagoge nur deshalb nicht, weil dies dann den gesamten eng bebauten Dorfkern in Mitleidenschaft gezogen hätte, erklärt Luwe.

In Heddernheim angesiedelte Juden sind seit dem frühen 18. Jahrhundert nachgewiesen. Die jüdischen Siedler damals seien hauptsächlich Kaufleute oder Handwerker gewesen. Weil sie am Wiederaufbau des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Heddernheims geholfen haben, seien sie willkommen gewesen, erzählt Luwe. Jahrzehntelang sei die jüdische Gemeinde Heddernheims sogar die größte im gesamten Herzogtum Nassau gewesen.

1716 lebten 34 jüdische Familien im Ort, 1804 war die Zahl bereits auf bald 80 Familien angewachsen. 1840 lebten 354 "Schutzjuden" in Heddernheim, was rund ein Viertel der Bevölkerung ausmachte. Schutzjuden nannte man sie, da sie nur gegen einen jährlich bezahlten Schutzbrief eine Aufenthaltsgenehmigung für die Gemeinde erhielten. Und das, obwohl die jüdischen Einwohner Heddernheims größtenteils sehr arm waren.

Gleichberechtigung erst 1866

Eingeschränkt sei die jüdische Gemeinde auch durch die so genannten Judenordnungen gewesen. So mussten sie für jede Eheschließung eine Genehmigung beim entsprechenden Amt einholen. Außerdem durften Juden an Sonntagen und christlichen Feiertagen nicht außer Haus arbeiten. Eine Regelung, die im Gegenzug am jüdischen Sabbat nicht galt, sagt Luwe.

Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preussen 1866 änderte sich die Lage. Ein Gesetz des Norddeutschen Bundes sicherte Juden die Gleichberechtigung; einige Beschränkungen blieben aber bestehen. Ob dies auch in Heddernheim so war, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall schrumpfte die jüdische Gemeinde ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Das aufstrebende Frankfurt zog Viele an. 1911, ein Jahr der Eingemeindung, lebten nur noch 63 Juden in Heddernheim, gerade mal ein Prozent der Einwohner.

Autor:  Nicole Koller
Datum:  6 | 3 | 2010
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