Kann ja Jeder: -heim, -bach, -hausen. Aber dieser Stadtteil hat es lieber etwas ausgefallener und endet mit -mes. Davor hat er ein Bona gesetzt und fällt so namentlich ja nun wirklich aus dem Frankfurter Rahmen. Bonames? Wieso denn das?
Nun, das lässt sich gar nicht genau beantworten, auch wenn es viele Antworten gibt. Zum Beispiel: Die Römer waren´s. Altertümliche Funde beweisen zumindest, dass sie dort eine Niederlassung oder einen Rastpunkt hatten, etwa als Verbindungsstraße zum Römerkastell Saalburg - eine "bona mansio", eine "gute Station oder Ort oder Herberge", wie Lothar Schlicht vom Stadtarchiv 1974 schrieb. Nicht ganz soweit zurück führt diese dem Mittelalter zugewendete Antwort: Der Pfarrer war´s. "Bona missa" kann mit "gute Messe" übersetzt werden, was nach Schlicht darauf schließen lässt, dass in der Bonameser Krutzenkirche ein guter Pfarrer predigte. Gehen wir mal vom "guten Ort" aus und sehen uns in Vergangenheit und Gegenwart ein bisschen um. Dabei helfen Gabriele Kreth und ihre Freundinnen.
In Bonames leben auf einer Fläche von 3,35 Quadratkilometern 6414 Menschen.
Der nördliche Stadtteil ist mit der U-Bahnlinie 2 und den Bussen 24, 27 bis 29 und dem Nachtbus 4 erreichbar. Der Anschluss an das Frankfurter Straßenbahnnetz erfolgte 1911, die letzte Straßenbahn verkehrte bis zur Umstellung auf den U-Bahn-Betrieb 1978. Die heutige S-Bahnhaltestelle "Frankfurter Berg" hieß bis 1986 "Bonames". Die U-Bahnstation im Ortskern heißt "Bonames-Mitte". Während heute die U-Bahnfahrt von Frankfurt nach Bonames 20 Minuten dauert, so reisten die Familien Mouson und Metzler zwei Stunden per Kutsche in ihre dortigen Sommerresidenzen.
Die einzige Schule im Stadtteil ist die August-Jaspert-Schule. Sie wurde 1955 als Volksschule eröffnet und ist heute nach dem Gründer des Landschulheims Wegscheide und Frankfurter Rektor August Jaspert benannt; seit Eröffnung der Otto-Hahn-Schule 1969 im Nachbarstadtteil Nieder-Eschbach als reine Grundschule.
Der Heimat- und Geschichtsverein hat 80 Mitglieder. Er trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Haus Nidda, Harheimer Weg, Raum 3 .
Das Heimatmusem ist an jedem dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Die Eingemeindung feiert der Stadtteil am 21. und 22. August bei "Bonames hebt ab" auf dem Alten Flugplatz. (ave)
Die drei Damen sind Teil des Bonameser Heimat- und Geschichtsvereins, gegründet Anno 1983 - kurz nachdem Lothar Schlicht einen Lichtbildvortrag in Bonames über den Stadtteil gehalten hatte. Alsbald brachten Bonameser Familien Urkunden, Bilder, Gerätschaften und vieles mehr - und ein Bonameser Heimatmuseum entstand. "Zeitzeugen für die Eingemeindung gibt es nicht mehr, das sagen wir Ihnen gleich", sagt gleich zur Begrüßung die 71-jährige Annemarie Freymann, Schriftführerin des Vereins. "Wir haben da auch wenig gefunden. Die Eingemeindung wurde halt damals so verfügt." Stimmt.
Untergebracht ist das Heimatmuseum Bonames seit dem Umzug aus der alten Schule im Haus Nidda am Harheimer Weg. Dort steht im Eingangsbereich Gabriele Kreth vor dem "Bonameser Untertor, ca. 1413" - aus Styropor - und nickt bestätigend Richtung Schriftführerin. "Das Tor haben mal welche zu einer Kerb gemacht und uns dann überlassen", sagt die 61-Jährige. In Bonames geboren und aufgewachsen ist Gabriele Kreth schon zur Gründung des Vereins, mit Anfang 30, eingetreten. "Weil mich Geschichte immer schon interessiert hat. Mein Großvater war auch schon hier im Turnverein." So ist die Beschäftigung mit der Geschichte eines Ortes auch immer ein Besuch bei der eigenen Kindheit oder den dinglichen wie schriftlichen Funden über die Zeit noch weit davor.
Das Tor aus Styropor ist nur eines von rund 900 Exponaten, darunter auch eine Schulbank von 1950 aus der August-Jaspert-Schule, Schmiedewerkzeuge der Familie Westerfeld, die acht Generationen lang in Bonames das Eisen schmiedete - bis Philip Westerfeld 1968 das Schmiedefeuer löschen musste. Es gibt auch eine Puddelpumpe, eine Jauchepumpe, geschenkt von Georg Enz. Im Jahre 1542 verfügte Bonames über 1349 Morgen Kulturland, 91 Prozent davon waren Äcker. Im 16. Jahrhundert gab es rund 40 landwirtschaftliche Betriebe; 1969 sah der Viehbestand wie folgt aus: 3 Pferde, 76 Rindviehcher, 51 Schweine, 531 Hühner, 19 Bienenstöcke. Landwirtschaft, aber auch Weinbau wurde in Bonames betrieben. 62 Weingärten gab es zu dieser Zeit.
Gabriele Kreth zeigt ein weiteres Exponat des Heimatvereins, ein Schild zur Leutholdstraße: Anastasius Leuthold gründete 1539 die Bonameser Papiermühle. "Und wir hatten eine Lederfabrik und Ziegeleien", sagt die 80-jährige Elfriede Krüger, die dritte im Bunde und frühere Vereinsvorsitzende. "Alles weg", sagt Gabriele Kreth. "Ganz schlimm war´s ja 1546", sagt Annemarie Freymann. Krüger: "Der Schmalkaldische Krieg." Bonames wurde bis auf die ebenfalls vorhandenen drei Mühlen abgebrannt. "Es gibt also kein Haus mehr, das älter ist", weiß Elfriede Krüger. Kein Haus zwar, aber eine Ahnung - und zwar für ein noch viel älteres Gemäuer.
Etwa im 12. Jahrhundert muss in Bonames eine Burg entstanden sein, sie befand sich am Rande des alten Ortskerns in der Niederung des Kalbach und seiner Mündung in die Nidda. 1993 zeugten Grabungsfunde von der inzwischen größtenteils überbauten Niederungsburg.
Und die Eingemeindung? Da gab es keine Raufhändel, soweit bekannt ist. Im Vertrag vom 1. April 1910 verspricht die Stadt Frankfurt innerhalb eines Jahres eine Flußbadeanstalt unterhalb der Niddabrücke zu errichten. Versprochen, getan, inzwischen aber Geschichte - wiederzufinden auf Fotografien im Bonameser Heimatmuseum.

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