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Eingemeindung 1910 - eine Serie: Von Rittern und Bauern in Preungesheim

Schon im Jahr 772 findet sich die erste schriftliche Erwähnung, in einer Schenkungsurkunde an das rheinische Kloster Lorsch. Damit ist Preungesheim wahrscheinlich 22 Jahre älter als Frankfurt.

Für zünftige Gelage taugt der Weinkeller aus der Zeit des Deutschen Ordens in Frankfurt-Preungesheim.
Für zünftige Gelage taugt der Weinkeller aus der Zeit des Deutschen Ordens in Frankfurt-Preungesheim.
Foto: FR/Kraus

Dass es am 1. April 1910 auch "Preungesheim" war, das eingemeindet wurde, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Name der ehemaligen Landgemeinde entwickelte sich im Zuge ihrer langen Geschichte: Von Bruningesheym, über Brunisheim und Breungesheim, hieß es schließlich ab dem 19. Jahrhundert Preungesheim.

Schon im Jahr 772 findet sich die erste schriftliche Erwähnung, in einer Schenkungsurkunde an das rheinische Kloster Lorsch. Der Gedanke liegt nahe, dass sich zuvor dort während der fränkischen Landnahme im sechsten Jahrhundert ein gewisser Bruno niedergelassen hatte und dem entstehenden Ort seinen Namen verlieh. Damit ist Preungesheim wahrscheinlich 22 Jahre älter als Frankfurt, dessen erste schriftliche Erwähnung auf eine Synode aus dem Jahr 794 datiert ist. Es siedelten aber schon viel früher Menschen dort: In den 30er Jahren fanden Bauarbeiter in der Homburger Landstraße Tierknochen und Scherben aus der Jungsteinzeit.

Änderung im Stadtteil

Bauern und Winzer sind im ländlich geprägten Preungesheim von anno 1919 noch in der Mehrzahl. Der Ort hat zu der Zeit 2600 Einwohner, die auf 366 Hektar leben. Ab 1911 verbindet die Straßenbahn den Stadtteil mit Frankfurt.

Traurige Berühmtheit erlangt die 1887 errichtete Strafanstalt: Nahe der Homburger Landstraße werden in der NS-Zeit Regimegegener hingerichtet. Kurz vor Kriegsende sogar bis zu 12 pro Tag.

In den 50ern und 60ern enstehen die Walter-Kolb und Karl-Kirchner-Siedlung. 1960 hat Preungesheim über 7000 Einwohner. 2013 soll die Siedlung Frankfurter Bogen fertig sein, wo 5000 neue Bewohner Platz finden.

Der Stadtteil Frankfurt-Preungesheim im Detail.
Der Stadtteil Frankfurt-Preungesheim im Detail.
Foto: FR-Grafik/Galanty

Sieht man von verstaubten Funden der vorchristlichen Zeit ab, ist Preungesheim für Liebhaber des Mittelalters eine wahre Fundgrube: Auf den ersten Blick sieht der Spaziergänger heute wenig aus jener Zeit, was es auch nicht in anderen Stadtteilen gäbe - Fachwerk und alte Pflastersteine.

Unter den Einwohnern dominierten Bauern und Winzer - bis in das 11. Jahrhundert soll der Weinbau hier zurückreichen. Wer aber einen genaueren Blick auf das alte Pfarrhaus neben der evangelischen Kreuzkirche wirft, dem wird ein kunstvolles Wappen über dem Eingang auffallen. Es zeugt von der Präsenz des Deutschen Ordens, der seinen Anfang im 12. Jahrhundert als Spitalbruderschaft im Heiligen Land nahm und später als Ritterorden in ganz Europa Landbesitz hatte - sogar einen eigenen Staat im Baltikum. 1275 erwarb der Orden die Anfang des Jahrhunderts erbaute Kreuzkirche.

Zusammen mit der Deutschordenskirche in Sachsenhausen war sie regionaler Stützpunkt für die mächtigen Ritter. In den nächsten Jahren könnte in der Kreuzkirche ein neues Museum oder sogar ein Heimatverein entstehen, der auch dieses Kapitel Preungesheimer Geschichte zeigen wird.

Am 1. April jährt sich die Eingemeindung nach Frankfurt zum 100. Mal. In einem Zug hatte sich Frankfurt an jenem Tag elf Ortschaften des preußischen Landkreises Frankfurt einverleibt.

Zuvor drohte noch die bauliche Einengung Frankfurts. Die Landgemeinden hatten genügend preisgünstige Fläche zu bieten, Preungesheim rund 366 Hektar - und Frankfurt konnte ihnen allerlei Versprechungen machen, von denen einige schließlich in den separat abgeschlossenen Eingemeindungsverträgen festgeschrieben wurden.

Preungesheim profitierte von dem Beitritt zur expandierenden, später sogar Groß-Frankfurt genannten Stadt am Main. Der Stadtteil wurde an die Gas- und Wasserversorgung angeschlossen. Frankfurt verpflichtete sich, mehrere Straßen, wie den heutigen Marbachweg, damals noch Diebsgrund genannt, instandzusetzen.

Und da die neuen Frankfurter auch schnell und bequem in die Innenstadt wollten, wurde der Stadtteil schon ein Jahr nach der Eingemeindung an das Straßenbahnnetz angeschlossen. Freie Fahrt für die Entwicklung des neuen Stadtteils. Die besagte Linie mit der Nummer 13 wurde jedoch mit der Verlängerung der U-Bahn Linie 5 bis zur heutigen Endhaltestelle Preungesheim obsolet und 1978 stillgelegt.

Autor:  Dusan Backonja
Datum:  31 | 3 | 2010
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