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Einlasskontrolle für Schwimmbad: Eintritt per Fingerabdruck

Ein High-Tech-Automat erregt Aufsehen: Datenschützer kritisieren das "Fingerabdruck Freibad", weil das Gerät den Zugang zum Schwimmbad in Bad Orb kontrolliert. Die Bürgermeisterin reagiert gelassen. Nun soll das Innenministerium einschreiten.

Quellwasser aus dem Spessart speist das Naturerlebnisbad. „Schwimmen wie im klaren Bergsee“, verspricht der Kurort Bad Orb Besuchern, die für das von sanft-bewaldeten Hügeln umgebene und Holzstegen eingerahmte chemiefreie Becken teils weite Anfahrten auf sich nehmen.

        

Biometrisch werden die Stammkunden erkannt.
Biometrisch werden die Stammkunden erkannt.
Foto: Hoyer

Doch am Eingang ist von Ursprünglichkeit nichts zu spüren. Im Gegenteil: dort setzt die Stadt auf High-Tech, die prompt den Hessischen Datenschutzbeauftragten auf den Plan gerufen hat. „Unzulässig und unzivilisiert“ nennt Michael Ronellenfitsch die Zugangskontrolle, die den Einlass von Dauerkarten-Inhabern per Fingerabdruck steuert.

Der Kassenautomat auf „Bioprint“-Basis, wie der Hersteller das Erfassungs-System etikettiert, ist der zweite Anlauf der Stadt, das Schwimmbad wirtschaftlicher zu betreiben.

Was passiert mit unseren Daten?

Bespitzelte Beschäftigte, Datenklau im Internet, Elena, Swift, Steuersünder-Datei - wie gläsern sind wir eigentlich? Mehr im Spezial zum Datenschutz.

2004 wurde eine Anlage bestellt, die es mit Münzen- und Magnetstreifen zu füttern galt. Personaleinsatz an der Kasse vermochte der störanfällige, nun ausrangierte Automat nicht komplett zu ersetzen. Zudem zeigte sich, das einige der rund 1200 Saisonkarten missbräuchlich weitergereicht wurden und der Stadt so tausende Euro durch die Lappen gingen. Weil eine alternative Dauerkarte mit Passbild gleichfalls eine permanente Besetzung der Kasse erfordert, hat sich der Magistrat im März von einer neuen Systemlösung der österreichischen Firma Gantner überzeugen lassen, die auf fünfjähriger Leasingbasis 40.000 Euro kostet.

In Deutschland ist das Schwimmbad in Orb die erste öffentliche Einrichtung, so Firmensprecher Hans Fallschessel. Ferner seien einige Anlage in Fitnessclubs installiert worden, darunter in Frankfurt.

Vor Monatsfrist erhielt die Datenschutzstelle in Wiesbaden Kenntnis vom „Fingerabdruck-Freibad“ und warnte sogleich, dass es für die Erhebung derart sensibler Daten keine Rechtsgrundlage gebe, wie etwa bei hoheitlichen Dokumenten wie Pässen- und Personalausweis, so Pressesprecherin Ulrike Müller. So habe man die Stadt bereits am 27. April aufgefordert, davon Abstand zu nehmen.

Deplatziert und alles andere als sicher

Das Fingerabdrucksystem sei alles andere als sicher und relativ leicht zu fälschen, mahnt Datenschützer Ronellenfitsch. In einer Freizeiteinrichtung mit öffentlichen Auftrag sei das System deplatziert. Und der Grüne Kreistagsabgeordnete Daniel Mack verweist auf die Überprüfung eines solchen Systems in Lebensmittelfilialen, bei dem der Fingerprint sich als vergleichsweise leicht kopierbar erwiesen habe.

Laut Orbs parteiloser Bürgermeisterin Helga Uhl haben die Datenschutzeinwände die Stadt veranlasst, das System auf Freiwilligkeit umzustellen. Alternativ könnten herkömmliche Dauerkarten gekauft werden, deren Besitz durch Klingeln Zutritt verschafft, wenn die Kasse verwaist ist. Dann öffne der Schwimmbadmeister. Ein Angebot, das Ulrike Müller für fragwürdig und nicht gleichwertig erachtet.

Nur bei Abgabe biometrischer Daten geht es umstandslos ins Naturerlebnis-Bad.
Nur bei Abgabe biometrischer Daten geht es umstandslos ins Naturerlebnis-Bad.
Foto: Renate Hoyer

Rathauschefin Uhl und Anlagenbetreiber sehen die biometrische Datenerhebung gelassen. Die Daten würden ausschließlich auf die Karte kopiert und nicht bei der Stadtverwaltung gespeichert.

Von einer „unglücklichen Lösung“ spricht auch Main-Kinzig-Landrat Erich Pipa (SPD). Er habe von dem Fingerabdruck-Automat erst jetzt erfahren. Das Rechtsamt werde das nun kritisch prüfen.

Die Grüne Landtagsfraktion hat am Donnerstag die Kommunalaufsicht im Innenministerium aufgefordert, sich einzuschalten. Es könne nicht sein, „dass die Orber Bürgermeisterin die ablehnende Stellungnahme des Datenschutzbeauftragten schlicht und einfach ignoriert“, kritisiert Ellen Enslin.

Immer wieder werde plädiert, dass Bürger mit ihren biometrischen Daten besonders sensibel umgehen sollen. Enslin: „In diesem Fall sollen sogar Kindern und Jugendlichen Fingerabdrücke genommen werden.“ Nancy Faeser (SPD) rügt das Verfahren als „klare Verletzung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung“. Ein Freibad sei doch kein Hochsicherheitstrakt.

Autor:  Jörg Andersson
Datum:  26 | 5 | 2011
Kommentare:  2
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