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Elektroroller im Test - Tag 3: Tibetische Ruhe

Tag 3 des E-Roller-Tests? Und Tag 2? Den gibt's nicht, denn der verlief wie die Premiere. Also fotografiert Alex Kraus jetzt wieder. Und Stefan Behr schreibt.

Der von der Mainova ausgeliehene E-Roller für den Härtetest durch einen FR-Fotografen. Und jetzt durch einen verdienten FR-Schreiber.
Der von der Mainova ausgeliehene E-Roller für den Härtetest durch einen FR-Fotografen. Und jetzt durch einen verdienten FR-Schreiber.
Foto: FR/Arnold

So kann's gehen. Mit dem Fahrrad zur Arbeit, mit dem Elektroroller zurück. "Willst du mal?", hat Alex Kraus, der Fotograf, den alle als Wüterich fürchten, der aber offenbar doch ganz nett ist, mich gefragt. Natürlich will ich. "Du musst nur aufpassen: Man hört dich nicht. Und das Ding hat einen Höllenanzug. Und, ach ja, die Batterie müsste vielleicht irgendwann ein bisschen aufge…" Schon recht, geschenkt.

"Man hört dich nicht." Hören soll man mich ja auch gar nicht. Denn sofort nach Feierabend geht die Fahrt durch Frankfurts Wohngebiete. Einfach mal nach Herzenslust gucken, ohne sich abstrampeln zu müssen. In Wohngebieten sind die 45 Sachen, die der Roller nach Herstellerangaben machen soll, weit mehr als ausreichend.

Leise schnurrt der Roller durch die Gassen, ein Gefühl der Zufriedenheit überkommt mich, im Rausch des leisen Laufenlassens nehme ich einem Harley-Fahrer die Vorfahrt. "Die Verkehrsregeln gelten auch für Typen wie dich", brüllt der Kerl, ich aber entschuldige mich höflich und verweise mit Hinblick auf die Mittagsruhe darauf, dass das noch lange kein Grund sei, solch einen Radau zu schlagen, andere Menschen wollten ihre Ruhe haben. Der Rocker schenkt mir einen verachtenden Blick und knattert davon. Ich verzeihe ihm, denn heute bin ich die Ruhe selbst.

Fern vom Kavalierstum

"Das Ding hat einen Höllenanzug." Die Bemerkung, dass ein Elektromotor gewaltige Beschleunigung entwickele ist ungefähr so originell wie die Aussage, der Dalai Lama sei eigentlich ein feiner Kerl. Aber wahr ist sie natürlich trotzdem. Dennoch ist der Elektroroller auf breiten, gar mehrspurigen Straßen vielleicht kein Verkehrshindernis, aber ein Verkehrsärgernis. Man muss rechts fahren, Autos überholen viel zu dicht und viel zu langsam, und man selbst geniert sich, sich bei roten Ampeln an die Spitze der Schlange zu setzen. Denn so doll ist die Beschleunigung nun auch wieder nicht, dass man einen flotten Kavaliersstarter nicht doch behindern würde. Will man ja nicht. Man will seine Ruhe.

"Und, ach ja, die Batterie…" Kurz vor zehn noch Einkaufen im Supermarkt - zwei Tüten Milch, viel mehr passt nicht in den Rollerkoffer - dann ab nach Hause. Im Hof ist es butzedunkel, die Batteriearmatur zeigt Matthäi am Letzten. Nach einer halbstündigen vergeblichen Suche nach einer Steckdose reift der Entschluss, Neben der Milch auch noch Batterie, Ladegerät und Bedienungsanleitung in den dritten Altbau-Stock zu schleppen.

Haushaltsunfälle en masse

Überraschung Nummer Eins: Der Batterieausbau ist erstaunlich leicht und klappt auch im Dunklen prima. Überraschung Nummer Zwei: Die Batterie ist erstaunlich schwer, die angegebenen zwölf Kilo entpuppen sich als gefühlte 30, zusammen mit Milch und Ladegerät ist dieses Unterfangen nur Kraftsportlern ans Herz zu legen. Bei einem kleinen Betriebsunfall, bei dem eine geplatzte Tüte Milch eine Rolle spielt, fällt die Batterie auf meinen Fuß. Die Batterie bleibt heil. Das Gute an der Plackerei: Meine Oberarme sprengen jetzt jedes Hemd. Dem Kraus, dem Verbrecher, werd‘ ich Mores lehren. Und der Harley-Fahrer kann auch was erleben, wenn ich ihn erwische. Meine Ruhe ist hin.

Autor:  Stefan Behr
Datum:  18 | 9 | 2009
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