Der seit Wochen wegen des Verdachts der Untreue in den Schlagzeilen stehende Präsident der Wiesbadener European Business School (EBS), Christopher Jahns, lässt mit sofortiger Wirkung seine Ämter an der Spitze der privaten Elite-Hochschule ruhen. Der EBS-Aufsichtsrat nahm am Donnerstagnachmittag Jahns Angebot an, sich bis zum Ende der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn vom Posten des Hochschulleiters und geschäftsführenden Vorstandschefs zurückzuziehen. Er wolle Schaden von der EBS, der privaten Elite-Universität in Gründung, abwenden und „die Gegensätze innerhalb der Hochschule beruhigen“, so Jahns.
Bis auf weiteres wird Georg Nikolaus Garlichs Sprecher der Geschäftsführung der EBS. Der Aufsichtsrat, heißt es in einer Mitteilung, gehe unverändert davon aus, dass die Untreue-Vorwürfe gegen Jahns sich als unbegründet erweisen. Zudem halte er nach wie vor an der EBS-Doppelspitze Jahns und Rolf Cremer fest.
Aufsichtsrat und Geschäftsführung erstatten zudem Anzeige gegen Unbekannt wegen Herausgabe von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Mit der Veröffentlichung von Interna hatten Angehörige der EBS gedroht. Professoren der Hochschule hatten Jahns und dem Aufsichtsrat ein Ultimatum gestellt. Hintergrund waren Äußerungen des Präsidenten in der lokalen Presse. Dort hatte Jahns versucht, einen aktuellen Bericht des Magazins Der Spiegel zu relativieren: Von den neun ordentlichen Professoren, die im Februar in einem Brief Jahns Rücktritt gefordert hatten, seien fünf zurückgerudert, darunter sein Amtsvorgänger Ulrich Hommel, behauptete Jahns.
Das aber entspricht nicht der Wahrheit: Hommel fordert weiterhin Jahns Rücktritt, wie er der FR bestätigte. Dasselbe soll für die anderen acht Lehrstuhlinhaber und einen Prorektor gelten. Damit stünde ein Drittel der 27 ordentlichen Professoren nicht mehr hinter ihrem Präsidenten.
Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft ermittelt seit Wochen gegen Jahns wegen des Verdachts der Untreue und der intransparenten Verquickung seiner Schweizer Beratungsfirmen mit der Hochschule. Ein Sprecher bestätigte, dass der EBS-Kanzler seit Tagen vom Landeskriminalamt als Zeuge verhört werde. Das Verfahren sei „sehr komplex“.
Die Vorwürfe geben allmählich auch den Sponsoren der Hochschule zu denken. „Wir sorgen uns um die EBS und bedauern das“, sagt Ulrich Ott, Sprecher der ING DiBa Deutschland, die im Stiftungsvorstand der EBS sitzt. Aber: „Wir warten die weitere Entwicklung ab.“ Das will auch die Aareal Bank, die an der EBS einen Stiftungslehrstuhl eingerichtet hat. Man habe sich zu hoher Transparenz und verantwortlichem Handeln verpflichtet und erwarte das auch von ihrem Partner, so Aareal-Sprecher Christian Feldbruegge.
Die Ermittlungen verfolgen ebenso Deutsche Bank, Lufthansa, Fraport, R+V Versicherung und auch BMW. Das sind nur einige der vielen Unternehmen, die im Stiftungsvorstand der EBS sitzen. Offiziell wollen die Unternehmen keine Stellung beziehen. Doch man betont, dass die Hochschule gefördert werde und nicht die Person Jahns. ( sab/alu)

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