Nordhessen ist ziemlich blau. Auf der Windressourcenkarte, die Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) am Montag vorlegte, sind so Gegenden mit geringen Windgeschwindigkeiten markiert. Rotoren zur Stromerzeugung lohnen sich in Waldeck-Frankenberg, südlich von Kassel und weiten Teilen des Schwalm-Eder-Kreises kaum: Es sind Tallagen im Windschatten, im Lee, wie Segler und Topografen sagen.
Potenzial sieht Puttrich vor allem auf den Gipfeln des Odenwaldes und im Rheingau-Taunus-Kreis. Hier gibt es noch recht wenige Windräder, aber viele „windhöffige“ Gebiete, wie die Experten jene auf der Karte orangefarbenen bis roten Zonen nennen, in denen es mit sechs Metern pro Sekunde und mehr bläst. Die Mittelgebirge sind blau und rot gebändert: Hänge im Luv, der vorherrschenden Windrichtung zugewandt, sind rot, die Rückseite der Bergzüge liegt im Lee und ist blau.
Die Studien zu regenerativen Energien in Hessen sind öffentlich, man muss nur ein bisschen suchen. Das soll sich aber ändern: Alle Studien sollen auf der Website des Umweltministeriums, hmuelv.hessen.de, gebündelt werden.
Wasserkraft: Die Studie findet man bisher, wenn man auf hmuelv.hessen.de nach „Wasserkraftnutzung“ sucht.
Geothermie: Für Erdwärme ist das Landesamt für Umwelt und Geologie zuständig: Auf hlug.de steht im Menü links unter „Geologie“ die Geothermie.
Biomasse: Das Gutachten hat eine eigene Website, biomasse-hessen.de
Windkraft: Das neue Gutachten soll bald auf hmuelv.hessen.de stehen
Puttrich ist zuversichtlich, dass es möglich ist, bis 2050 auf rund zwei Prozent der Landesfläche Windkraftanlagen zu bauen. Dieses Ziel hatte der Hessische Energiegipfel beschlossen. Rund 1500 zusätzliche Windräder sind laut Puttrich dafür nötig.
Die Karte und das ausführliche Gutachten dazu hat der TÜV Süd für 60000 Euro im Auftrag des Ministeriums erstellt hat. Die Basis lieferten Windmessungen des Deutschen Wetterdienstes und von bestehenden Windanlagen. Gemessen wurde für Rotoren-Höhen von 80, 100 und 140 Metern.
Alles viel zu spät?
Aus dem Gutachten sollen Kommunen, Regionalversammlungen und Anlagenbetreiber erkennen können, wo sich Windräder lohnen. Dafür sind aber weitere Faktoren wichtig: Natur- und Vogelschutz etwa oder Mindestabstände zu Straßen und Bebauung. Dafür lägen noch keine Kriterien vor, monieren die Grünen. Ob sich eine Anlage lohnt, hängt zudem davon ab, wie gut sie zu erreichen und wie weit entfernt das Stromnetz ist.
In Hessen gibt es bereits Studien zu Erdwärme, Biomasse und Wasserkraft. Ein Solarkataster als Pilotprojekt für 33 Kommunen soll im Frühjahr 2012 fertig sein. Alles viel zu spät, kritisiert die SPD: „Schon Jahre nach Beginn der Diskussion“, sagt der Abgeordnete Timon Gremmels ironisch, lege Puttrich Karten vor, „die bereits der Energiegipfel für seine Beratungen benötigt hätte.“
Die Ministerin betonte am Montag, sie finde wichtig, die Kommunen als Betreiber von Energieanlagen im Boot zu haben. Die geplante Reform der Gemeindeordnung setzt dem aber enge Grenzen, weil die FDP und ihr Wirtschaftsministerium die Konkurrenz für kommerzielle Energieerzeuger beschränken wollen. Viele CDU-Kommunalpolitiker haben dafür wenig Verständnis. Sogar Umweltstaatssekretär Mark Weinmeister (CDU) lästerte am Wochenende bei einer CDU-Veranstaltung laut Zeitungsberichten, „wenn alle Ministerien so denken und handeln würden wie das Umweltministerium, wäre Vieles einfacher“.

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