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Erdbeben auf Haiti: Auf Abruf

Auch in Frankfurt wartet ein Team aus Ärzten und Rettungsassistenten auf den Einsatz im karibischen Katastrophengebiet. Rund um die Uhr. Von Alicia Lindhoff

Christoph Reimertz und Uwe Schweigkofler (hinten) sind in Rufbereitschaft, um im Auftrag des Auswärtigen Amtes auf Haiti Erdbebenopfer zu retten.
Christoph Reimertz und Uwe Schweigkofler (hinten) sind in Rufbereitschaft, um im Auftrag des Auswärtigen Amtes auf Haiti Erdbebenopfer zu retten.
Foto: FR/Kraus

Der Anruf vom Auswärtigen Amt kam am Mittwoch, nur einen Tag nach der Erdbebenkatastrophe auf Haiti. "Haltet euch bereit", hieß es.

Seitdem hat Christoph Reimertz eine gepackte Tasche im Auto, denn es kann jetzt jederzeit losgehen, die Reise ins Katastrophengebiet. Der Frankfurter Arzt und sein Kollege Uwe Schweigkofler leiten das Kriseninterventionsteam (KIT) Deutschland-Mitte. Die Gruppe aus Ärzten, Rettungsassistenten und Seelsorgern brach nach dem Tsunami im Dezember 2004 im Auftrag des Auswärtigen Amtes zu ihrem ersten Einsatz nach Phuket auf.

Kriseninterventionsteam (KIT)

Das KIT Deutschland-Mitte setzt sich maßgeblich aus Ärzten der BG-Unfallklinik und speziell ausgebildeten Rettungsassistenten der Berufsfeuerwehr zusammen.

Seine Aufträge erhält das KIT vom Auswärtigen Amt, das in Beratung mit dem Krisenstab der Bundesregierung über die Koordination der Einsätze entscheidet.

Schwerpunkte der Arbeit sind eine schnelle medizinische Versorgung und Unterstützung der Botschaften bei der Rückführung deutscher Bürger.

Das KIT war 2004 nach dem Tsunami in Thailand im Einsatz und 2006 während des Libanonkrieges in Damaskus, wo tausende Flüchtlinge ankamen. Wer einen deutschen Pass hatte, wurde nach Deutschland gebracht. (pral)

"Wir stehen nicht in Konkurrenz zu den etablierten Hilfsorganisationen", betont Schweigkofler. "Unsere Hauptaufgabe ist die schnelle medizinische Versorgung und vor allem die Rückführung deutscher Bürger." Er gibt zu, dass das seltsam klingt und "in der Realität sagen wir natürlich nicht ´Du bist kein Deutscher, dich lassen wir liegen´, aber die großen Rettungsaktionen können wir mit unserem Team gar nicht leisten."

Die Stärke des KIT liegt in seiner Schnelligkeit. Schweigkofler deutet auf das Handy in seiner Brusttasche: "Wenn jetzt der entscheidende Anruf käme, stünden wir innerhalb einer Stunde am Flughafen bereit."

Samt Ausrüstung: "Wir arbeiten eng mit der Berufsfeuerwehr zusammen. Dort stehen gepackte Container, so haben wir jederzeit alles Nötige für einen zwei Wochen langen Aufenthalt dabei." Was "Alles Nötige" bedeutet, variiert je nach Einsatz. "Das beginnt bei der Verpflegung für die Mitarbeiter und geht soweit, das wir eine komplette Intensivstation in einem Linienflieger unterbringen könnten", erläutert Christoph Reimertz.

Zweimal klingelt das Handy

In der Datenbank des Kriseninterventionsteams sind 14 Ärzte der BG-Unfallklinik gemeldet, dazu einige aus anderen Frankfurter Krankenhäusern und rund 25 Rettungssanitäter der Berufsfeuerwehr. Seit sechs Jahren stehen sie alle rund um die Uhr zum Einsatz bereit. Wie aber gefällt so eine Mutter oder ein Papa in permanenter Bereitschaft der Familie?

"Begeistert waren sie nicht, als ich kurz nach dem Tsunami meinte, dass ich dann über Silvester wahrscheinlich in Thailand wäre. So ein Einsatz ist ja auch nicht ungefährlich", gibt Schweigkofler zu bedenken.

"Viele stellen sich das vielleicht wie ein Abenteuer vor", pflichtet ihm sein Kollege bei "aber das ist kein Actionausflug. Das ist harte Arbeit - nicht nur körperlich." Durch ihren Beruf in der Unfallchirurgie sind die beiden Männer einiges gewöhnt. "Der Tote hat seinen Schrecken verloren", nennt Schweigkofler das. Aber leicht ist es nicht: "Das Schlimmste in Thailand waren die persönlichen Schicksale. So viel Leid - das geht einem schon nahe, das steckt man nicht einfach weg."

Während des Gesprächs klingelt zweimal Schweigkoflers Handy. Doch immer geht es um etwas anderes. Dann, während er fotografiert wirde, passiert es doch noch: Das Auswärtige Amt ist in der Leitung. Vorerst werden die Frankfurter nicht nach Haiti geschickt - dazu sei die Sicherheitslage zu instabil.

Autor:  Alicia Lindhoff
Datum:  15 | 1 | 2010
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