In der Turnhalle der Karl-Gärtner-Schule im beschaulichen Wiesbadener Stadtteil Delkenheim steht die Luft. Draußen ist es schwülwarm, drinnen drängen sich erwartungsfrohe Eltern um 55 verzagt dreinblickende Erstklässler. Ein paar Meter vor dem Basketballkorb, etwa da, wo sonst die Freiwürfe geworfen werden, sitzt der hessische Ministerpräsident und zieht ein Taschentuch aus der Hosentasche, um sich den Schweiß abzutupfen.
Roland Koch ist der Ehrengast zur Einschulung, wie Schulleiterin Nora Zerenner mit Stolz in der Stimme ankündigt. Es ist kurz nach zehn, als er sich aus seinem Stuhl erhebt, zum Mikrofon greift und vor den großen Augen der Schulanfänger zur Rede ansetzt. In diesem Moment stehen auch in 19 weiteren hessischen Schulen Regierungsmitglieder in Turnhalllen und Aulas, um den Schülern einen guten Start ins Schuljahr zu wünschen. Ein Ritual, das Roland Koch vor zehn Jahren eingeführt hat, damit seine Mitarbeiter "selber lernen, wie es in den Schulen aussieht."
Nach Delkenheim ist Koch an diesem Morgen selbst gefahren. Doch wer einen sanftmütigen Landesvater erwartet, wird enttäuscht. Nach ein paar wohlmeinenden Sätzen an die Erstklässler macht Koch schnell den Unterschied zwischen Kindergarten und Schule deutlich. "Ihr müsst euch hier anstrengen", ruft er ihnen zu. "Und wenn ihr euch Mühe gebt, macht Schule auch Spaß."
Eine erste Rechenaufgabe hat Koch gleich mitgebracht. Eine, die seine Regierung gut dastehen lässt. Und die geht so: Wenn in jeder der 1000 hessischen Grundschulen ein neuer Lehrer eingestellt wird, der im Jahr 40.000 Euro kostet, was gibt die Landesregierung dann alleine für kleinere erste Klassen aus? Unter der Antwort, 40 Millionen Euro, können sich die Kleinen sichtlich wenig vorstellen.
Vielleicht ist das auch besser so, denn so ganz korrekt war das Rechenbeispiel, das eher für Eltern und andere Zuhörer gedacht war, nicht. Nicht jede Grundschule kann sich wie die Karl-Gärtner-Schule über Neuzugänge freuen. Die 1000 zusätzlichen Kräfte zum Schuljahresstart verteilen sich auf alle Schulformen.
Nach einem Lob für die "guten Schulen" Hessens und einer Mahnung an die Eltern, dafür zu sorgen, dass die Lehrer morgens nicht noch "Dompteur spielen" müssen, nimmt Koch wieder Platz. Schaut sich mit ernster Miene die Aufführungen der Kinder an. Hört sich das Gedicht von den fünf Hühnern und auch das von den drei Schweinchen an. Und ringt sich am Ende sogar die Andeutung eines Lächelns ab.

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