Innovative Mitarbeiter nennt der Elektronik-Dienstleister Katek aus Rosenheim auf seiner Webseite an erster Stelle unter den Erfolgsfaktoren. Katek produziert Bauteile für verschiedene Branchen und stellt sich selbst als modern, kreativ und mit kompromisslos hoher Qualität dar. Ob auch die Mitarbeiterführung diese positiven Zuschreibungen verdient, darüber dürften viele in Wetzlar ihre eigene Meinung haben.
Die Situation im Werk der dortigen Katek-Tochter ESW ist derartig eskaliert, dass sich Geschäftsführung und Gewerkschaft IG Metall (IGM) vor Gericht auseinandersetzen. Jetzt hat Ferdinand Hareter von der IGM per einstweiliger Verfügung vom Arbeitsgericht Wetzlar das Recht erstritten, den Betrieb wieder zu betreten. ESW hatte Hareter am 17. Dezember 2009 schriftlich ein Hausverbot erteilt.
Seit November 2008 firmiert der Reparatur- und Servicebereich von Continental Automotive Wetzlar als ESW.
Die ESW-Mutter Katek aus Grassau in Oberbayern hat dort zwei Werke und produziert beispielsweise Antennen und andere elektronische Bauteile für Audi, BMW, Daimler, Opel, Porsche und VW. Aber auch Messgeräte, digitale TV-Empfänger, WLAN-Module oder Netzgeräte gehören zum Programm.
Anton Kathrein ist Geschäftsführer von Katek. Die Firma gehört zu seiner Kathrein-Gruppe, die sich vor allem als Antennen-Hersteller einen Namen gemacht hat. Nach eigenen Angaben ist Kathrein der älteste und größte Hersteller von Antennensystemtechnik. (ust)
Im zweiten Halbjahr 2008 hatte Katek die Elektronik Service Wetzlar (ESW) gegründet und den Reparatur- und Servicebereich von Continental Automotive im Werk Wetzlar übernommen. Ein Jahr nach dem Betriebsübergang bekamen die rund 110 Mitarbeiter Änderungsverträge vorgelegt, die sie zum größten Teil auch unterschrieben haben. Das wird bei Katek als Beweis für die Zustimmung der Mitarbeiter zur neuen Führung gewertet.
Die Verträge sehen vor, dass ESW künftig nicht mehr dem Tarif der Metall- und Elektroindustrie Hessen unterliegt. Die Arbeitszeit wird um fünf Stunden je Woche ohne Lohnausgleich erhöht, Regelungen für Pausen, Arbeitszeiten sowie Schichtarbeit an die von Katek angepasst. Deren Bedingungen werden dabei im ESW-Vertrag überhaupt nicht benannt. Ebenso wird der Lohn an den von Katek gekoppelt. Laut IG Metall bewirken alle Änderungen zusammen eine Entgeltkürzung um 25 Prozent.
Aushang der Geschäftsleitung
Warum unterschreibt ein Großteil der Belegschaft Bedingungen, die sie nicht einmal genau kennen? Für Hareter ist die Sache klar: Er gibt die Schuld einer Mitteilung der Geschäftsleitung, die in Wetzlar ausgehängt wurde. Darin steht wörtlich: "Sollte die Zustimmung zu den geänderten Vertragsbedingungen nicht bis spätestens 15. Januar 2010 vorhanden sein, sehen wir uns gezwungen, den Betrieb schrittweise nach Bayern zu verlagern."
Das kann man als klare und deutliche Ansage verstehen, oder als Drohung. Für Hareter ist es Erpressung. Er hat auf einer Betriebsversammlung kurz vor Weihnachten die Belegschaft dazu aufgerufen, nicht zu unterschreiben - und bekam danach von ESW-Geschäftsführer Hubertus Richter das Hausverbot. Hareter habe die Geschäftsführung "in unsachlicher und beleidigender Art angegriffen", so Richter. "Unverständlicherweise wurden Hass- und Hetztiraden von Teilen der Belegschaft durch Beifall auch noch unterstützt", so Richter weiter in seinem Aushang. Weder ESW, noch Katek wollten auf Anfrage der FR zum Konflikt Stellung nehmen und ihre Vorwürfe gegen Ferdinand Hareter präzisieren.
Schutz wird ausgehebelt
Wie leicht sich Schutzvereinbarungen aushebeln lassen, lässt sich am ehemaligen Continental-Standort zeigen. Denn in einer Betriebsvereinbarung zur Überleitung auf ESW wurde vereinbart, dass der Reparaturservice in Wetzlar mindestens fünf Jahre aufrechterhalten wird. Anderthalb Jahre später lässt sich Pia Bott, Mitglied der ESW-Geschäftsleitung, in einer Zeitung mit dem Satz zitieren, dass diese Zusicherung "nichts mit der Anzahl der Beschäftigten oder der Ausgestaltung einzelner Arbeitsprozesse" zu tun habe.
Auf der Betriebsversammlung kurz vor Weihnachten informierte die Geschäftsleitung auch über die aktuelle Entwicklung. Der Umsatz sei im ersten Geschäftsjahr von 14 auf 19 Millionen Euro gestiegen - ein Plus von mehr als einem Drittel. Trotz Krise und Tarifbindung. ESW scheint also auch unter den alten Arbeitsbedingungen recht gut im Wettbewerb positioniert gewesen zu sein.

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