kalaydo.de Anzeigen

Evangelikale in Eppstein: Beten für die toten Missionarinnen

Die Entführung der beiden Angehörigen des Eppsteiner Missionswerks im Jemen endete tragisch. Die Evangelikale Organisation nutzt dennoch jede Chance, um auch in gefährlichen Ländern zu missionieren. Von Claudia Horkheimer

Vom Hofgut aus geht’s zum Missonieren in die ganze Welt.
Vom Hofgut aus geht’s zum Missonieren in die ganze Welt.
Foto: Müller

Die steile steinige Straße führt hinauf zum Hof Häusel, oberhalb von Eppstein im Taunus. Im Mittelalter befand sich hier ein Richtplatz. Heute gibt es zwischen Feldern und Wald mehrere Bauernhöfe und das Missionshaus von WEC International (Weltweiter Einsatz für Christus). Hier sollen zwei der jüngst im Jemen getöteten Frauen auf ihre Missionsreise vorbereitetet worden sein sollen.

So erreichte die evangelikale Organisation bundesweite Berühmtheit. Missionsleiter Thomas Weinheimer will dies weder bestätigen noch dementieren. Man habe sich entschlossen, nichts über die Entführten verlauten zu lassen, sagte er der Frankfurter Rundschau. Räumt aber ein: "Wir kennen die Mitarbeiter, auch die getöteten, und sind mit ihnen verbunden." Jeden Tag bete man für sie.

Auch einen Monat nach ihrer Entführung im Jemen ist das Schicksal einer fünfköpfigen Familie aus Sachsen und eines britischen Ingenieurs unklar. Es werde weiter nach den Verschleppten gesucht, meldete vor kurzem die Nachrichtenagentur dpa. "WEC will das Evangelium von Jesus Christus den Völkern bringen, die es bisher noch nicht gehört haben", steht auf der Homepage der Organisation. Dafür riskieren die Mitarbeiter ihr Leben. "Wir machen das aus Glauben und tiefem Engagement", ergänzt Weinheimer.

Missionierung in 72 Ländern

Das weltweit aktive Missionswerk hat seinen Sitz in Eppstein im Taunus, von wo aus 15 dort lebende Mitarbeiter die Arbeit im Inland und den Einsatz deutscher Missionare im Ausland koordinieren. Derzeit ist die christlich fundamental ausgerichtete Organisation mit 1700 Mitarbeitern in 72 Ländern aktiv: In Kanada, den Niederlanden, Brasilien, Australien und Neuseeland betreibt sie Bibelschulen, so genannte "Missionary Training Colleges".

Nicht in alle Länder könne man offiziell als Missionar einreisen, sagt Weinheimer. Deshalb gebe es den "Bereich Creative Access Nations", bei dem "kreativer Zugang" in diese Länder gesucht würde; als Facharbeiter zum Beispiel oder medizinische Kraft. Wo diese verdeckte Missionsarbeit läuft, kann man nur mutmaßen. WEC behält darüber Stillschweigen - zum Schutz der Mitarbeiter, so Weinheimer.

Auch im Jemen war die Organisation "nicht direkt" aktiv. Die Entführten waren laut Weinheimer über eine Partnerschaft mit dem holländischen Hilfswerk Worldwide Services im Einsatz. Trotz des Risikos der Auslandseinsätze werden in Eppstein jährlich zwischen sechs und 14 neue missionarische Christen geschult. "Wir tun alles um unsere Mitarbeiter vorzubereiten", versicherte Weinheimer.

Dabei würden Fragen zur Lebensweise vor Ort, interkultureller Kommunikation, aber auch zum Krisenmanagement beantwortet. Szenarien, auf die man sich einstellt, sind Bürgerkrieg, Vergewaltigung oder Geiselnahmen. Weinheimer erlebte nach eigenen Angaben persönlich eine Evakuierung in einem Bürgerkriegsgebiet in Westafrika mit.

Am wichtigsten sei: Ruhe bewahren und Vertrauen auf Gott setzen. Im Falle einer Entführung werde empfohlen das Gespräch zu den Entführern zu suchen, um eine Freilassung zu erwirken. Grundsätzlich zahle WEC kein Lösegeld. "Wir sind keine aggressiven Missionare", betonte Weinheimer. Im Vordergrund stünden praktische Hilfen wie medizinische Versorgung, Bau von Schulen oder die Übersetzung der Bibel.

Möglich würde dies alleine durch Spender. Im Jahr kämen 2,5 Millionen Euro zusammen, die an die Projekte vor Ort weitergeleitet würden. Geld von den Landeskirchen, die die Missionstätigkeiten kritisch sehen, gibt es nicht. "Wir unterstützen und fördern sie nicht und würden selbst auch keine Missionare losschicken", sagt Detlev Knoche, Leiter des Zentrums Ökumene der Evangelischen Kirche Hessen Nassau. Er hoffe, dass sich die getöteten Frauen des Risikos bewusst gewesen seien.

Trotz der Entführungen hält WEC an seiner Missionsarbeit fest. Die Ereignisse in Jemen würden diskutiert, "jedoch, ohne unsere Grundsätze in Frage zu stellen", sagt Weinheimer.

Autor:  Claudia Horkheimer
Datum:  20 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 100 Staus mit einer Gesamtlänge von 507km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".