Die steile steinige Straße führt hinauf zum Hof Häusel, oberhalb von Eppstein im Taunus. Im Mittelalter befand sich hier ein Richtplatz. Heute gibt es zwischen Feldern und Wald mehrere Bauernhöfe und das Missionshaus von WEC International (Weltweiter Einsatz für Christus). Hier sollen zwei der jüngst im Jemen getöteten Frauen auf ihre Missionsreise vorbereitetet worden sein sollen.
So erreichte die evangelikale Organisation bundesweite Berühmtheit. Missionsleiter Thomas Weinheimer will dies weder bestätigen noch dementieren. Man habe sich entschlossen, nichts über die Entführten verlauten zu lassen, sagte er der Frankfurter Rundschau. Räumt aber ein: "Wir kennen die Mitarbeiter, auch die getöteten, und sind mit ihnen verbunden." Jeden Tag bete man für sie.
Auch einen Monat nach ihrer Entführung im Jemen ist das Schicksal einer fünfköpfigen Familie aus Sachsen und eines britischen Ingenieurs unklar. Es werde weiter nach den Verschleppten gesucht, meldete vor kurzem die Nachrichtenagentur dpa. "WEC will das Evangelium von Jesus Christus den Völkern bringen, die es bisher noch nicht gehört haben", steht auf der Homepage der Organisation. Dafür riskieren die Mitarbeiter ihr Leben. "Wir machen das aus Glauben und tiefem Engagement", ergänzt Weinheimer.
Missionierung in 72 Ländern
Das weltweit aktive Missionswerk hat seinen Sitz in Eppstein im Taunus, von wo aus 15 dort lebende Mitarbeiter die Arbeit im Inland und den Einsatz deutscher Missionare im Ausland koordinieren. Derzeit ist die christlich fundamental ausgerichtete Organisation mit 1700 Mitarbeitern in 72 Ländern aktiv: In Kanada, den Niederlanden, Brasilien, Australien und Neuseeland betreibt sie Bibelschulen, so genannte "Missionary Training Colleges".
Nicht in alle Länder könne man offiziell als Missionar einreisen, sagt Weinheimer. Deshalb gebe es den "Bereich Creative Access Nations", bei dem "kreativer Zugang" in diese Länder gesucht würde; als Facharbeiter zum Beispiel oder medizinische Kraft. Wo diese verdeckte Missionsarbeit läuft, kann man nur mutmaßen. WEC behält darüber Stillschweigen - zum Schutz der Mitarbeiter, so Weinheimer.
Auch im Jemen war die Organisation "nicht direkt" aktiv. Die Entführten waren laut Weinheimer über eine Partnerschaft mit dem holländischen Hilfswerk Worldwide Services im Einsatz. Trotz des Risikos der Auslandseinsätze werden in Eppstein jährlich zwischen sechs und 14 neue missionarische Christen geschult. "Wir tun alles um unsere Mitarbeiter vorzubereiten", versicherte Weinheimer.
Dabei würden Fragen zur Lebensweise vor Ort, interkultureller Kommunikation, aber auch zum Krisenmanagement beantwortet. Szenarien, auf die man sich einstellt, sind Bürgerkrieg, Vergewaltigung oder Geiselnahmen. Weinheimer erlebte nach eigenen Angaben persönlich eine Evakuierung in einem Bürgerkriegsgebiet in Westafrika mit.
Am wichtigsten sei: Ruhe bewahren und Vertrauen auf Gott setzen. Im Falle einer Entführung werde empfohlen das Gespräch zu den Entführern zu suchen, um eine Freilassung zu erwirken. Grundsätzlich zahle WEC kein Lösegeld. "Wir sind keine aggressiven Missionare", betonte Weinheimer. Im Vordergrund stünden praktische Hilfen wie medizinische Versorgung, Bau von Schulen oder die Übersetzung der Bibel.
Möglich würde dies alleine durch Spender. Im Jahr kämen 2,5 Millionen Euro zusammen, die an die Projekte vor Ort weitergeleitet würden. Geld von den Landeskirchen, die die Missionstätigkeiten kritisch sehen, gibt es nicht. "Wir unterstützen und fördern sie nicht und würden selbst auch keine Missionare losschicken", sagt Detlev Knoche, Leiter des Zentrums Ökumene der Evangelischen Kirche Hessen Nassau. Er hoffe, dass sich die getöteten Frauen des Risikos bewusst gewesen seien.
Trotz der Entführungen hält WEC an seiner Missionsarbeit fest. Die Ereignisse in Jemen würden diskutiert, "jedoch, ohne unsere Grundsätze in Frage zu stellen", sagt Weinheimer.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.