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Exil-Iraner in Frankfurt: Die Angst überwinden

Am Frankfurter Römer fürchten viele Exil-Iraner Repressionen. Sie haben Angst - Angst vor dem Geheimdienst, der auch in Deutschland tätig ist. Von Kristiane Schengbier

Die Angst ist präsent - aber die Exil-Iraner wollen trotzdem helfen. Und wenn alle Angst haben, gibt es keine Bewegung.
Die Angst ist präsent - aber die Exil-Iraner wollen trotzdem helfen. Und wenn alle Angst haben, gibt es keine Bewegung.
Foto: FR/Kraus

Er hat Angst. Seinen Namen will er deshalb lieber nicht sagen und sich auch auf dem Foto nicht zu erkennen geben. "Der Geheimdienst ist auch in Deutschland und macht zum Beispiel Bilder bei den Demonstrationen", erzählt der iranische Familienvater, der höchstens S.M. genannt werden möchte. Seit vier Jahren lebe er mit seiner Frau und den Kindern in Rodgau. "Wissen Sie, ich war mit 15 Jahren im Gefängnis." Was genau er dort erlebt hat, will oder kann er nicht erzählen. "Sechs Monate waren das. Das werde ich nie vergessen. Gewalt, das ganze Leben war Gewalt!"

Heute sei er Ingenieur und mindestens zehnmal im Jahr beruflich in seinem Heimatland, da befürchte er Schwierigkeiten bei der Einreise. Es sei ja schon immer schwierig mit den Töchtern rein zu kommen, die beide kein Kopftuch trügen. "Die meisten Frauen tragen nur ein Kopftuch, weil sie müssen."Trotzdem ist S.M. am Samstag unter den 1500 Protestwilligen, die sich gegen die Politik im Iran richten. Eine seiner Töchter hat ihm das Blatt mit dem Bild von Neda und dem Satz "Ich bin Neda" mitgegeben und ein paar Exemplare mehr, damit er sie verteilen kann. "Die Leute im Iran möchten Freiheit", sagt er. Dafür kämpfe er mit ihnen.

In den Sommerferien, die demnächst beginnen, werde er mit seinen elf und 14 Jahre alten Töchtern in den Iran fliegen und natürlich auch dort bei den Demonstrationen auf die Straße gehen. "Sie wollen mitdemonstrieren, und ich nehme sie gerne mit. Angst ist zwar da, aber wir müssen helfen, und wenn alle Angst haben, gibt es keine Bewegung", sagt er. Seine Angehörigen in der Heimat seien bei den Protesten auch dabei, vor allem seine Schwester und ihre beiden Söhne. "Gestern haben sie zum Beispiel grüne Luftballons fliegen lassen, um ihre Unzufriedenheit zu zeigen", erzählt S.M. "Manchmal schneiden sie auch grünes Papier in Streifen und schmeißen es dann auf die Straße."

Sie versuchten eben, verschiedene Mittel zu finden, um zu protestieren, auch wenn sie Angst hätten.Tahere, die in Frankfurt Medizin studiert, steht zur gleichen Zeit auf der anderen Seite des Römerbergs. Die 28-Jährige hat sich lange Gedanken darüber gemacht, was auf ihrem Plakat stehen soll. "Steinzeitmullahs gegen moderne Menschen" ist darauf zu lesen. Das sind deutliche Worte. "Ich ergreife keine Partei. Der ganze Hühnerhaufen muss bekehrt und in die Mülltonne gebracht werden!" Religion und Politik trennen und den Menschen die freie Wahl ihrer Religion lassen das ist es, was Tahere erreichen will. "Das können doch keine echten Iraner sein, die ihr eigenes Volk so anrichten? Sie schütten den Menschen dort kochendes Wasser ins Gesicht. Da muss man doch vorher extremst Drogen genommen haben", sagt sie.

Sie sei jedenfalls froh darüber, in Deutschland frei protestieren zu können und dass die Kundgebung so schnell organisiert werden konnte. "Ich werde weitermachen. Wir haben nichts zu verlieren", sagt Tahere.

Autor:  Kristiane Schengbier
Datum:  28 | 6 | 2009
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