Von Südafrika bis Angola vermarktet Misona Mbaluku bevorzugt hessische Produkte. Deutschen Maschinen und Werkzeugen eilt ein guter Ruf voraus, sind aber in weiten Teilen Afrikas nur schwer zu kriegen. Deutsche Klein- und Familienunternehmen hingegen beschränken sich häufig auf den heimischen Markt, besitzen selten das Wissen und die Möglichkeiten, ihre Produkte in weitestgehend unerschlossenen Märkten zu verkaufen.
Mbaluku wurde im Kongo geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre an der Goethe-Uni Frankfurt. Er ist in beiden Welten zu Hause. Mbaluku erkannte eine Nische und machte sie zu seiner Geschäftsidee. Im Mai 2008 gründete er mit zwei Partnern die Africalliane GmbH. "Ohne Unibator wäre mein Geschäft noch nicht so weit gediehen", sagt er heute.
Unibator ist die Existenzgründungsinitiative der Frankfurter Uni. Sie wurde vor sieben Jahren von Bernd Skiera, Professor für Betriebswirtschaftslehre, ins Leben gerufen. Seitdem unterstützt die Initiative Jungunternehmer mit Ideen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit.
Studenten, Doktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule bewerben sich mit einem Konzept ihrer Geschäftsidee. Ist ein gutes Geschäftsmodell erkennbar und findet sich ein Professor als Mentor des Gründungsteams, steht der Aufnahme ins Unibator-Programm nichts mehr im Weg.
Die Uni stellt den Unibator- Teams die notwendige Infrastruktur zur Verfügung: Räume, PCs, Telefon- und Internetanschlüsse. Vor allem aber der fachliche Austausch und der Netzwerkgedanke bilden den Kern der Unterstützungsleistung. Mit Hilfe von Unibator kam Mbaluku zu den notwendigen Kontakten für Africalliance, lernte erste Geschäftspartner kennen und konnte Unterstützung von erfahrenen Unternehmern in Anspruch nehmen. Die Managementberatung Accenture mit Sitz in Kronberg etwa stellte mehrere Berater zur Verfügung, um die Teams des Unibator in den verschiedenen Phasen ihrer Gründung zu unterstützen.
Schreibtisch und Räume spielten dabei nur eine Nebenrolle - wenn auch eine willkommene, denn Gewerbefläche sei teuer im Rhein-Main-Gebiet, erklärt Mbaluku. Zwar erwirtschaftete Africalliance im ersten Jahr einen kleinen Gewinn. Leben können die drei Gründer davon aber noch nicht. Und dennoch denken sie bereits an eine Erweiterung der Aktivitäten.
Die Jungunternehmer unterhalten zwei Vertretungen in Afrika, beschäftigen fünf Mitarbeiter im Kongo und vier in Angola auf Provisionsbasis. Ein langfristiges Bauprojekt mit einer deutschen Firma in Afrika zeichnet sich ab. Kommt es zur Vertragsunterzeichnung, denkt Mbaluku daran, feste Mitarbeiter vor Ort einzustellen, um den direkten Kontakt zu den Entscheidern zu sichern.
Wo Africalliance noch am Anfang steht, hat sich die Bonpago GmbH bereits bewährt. Donovan Pfaff suchte 2005 mit seiner Geschäftsidee die Unterstützung des Unibator. Damals promovierte er an der Uni Frankfurt und hatte bereits erste Erfahrungen mit einem eigenen Unternehmen gemacht. Er hatte 2001 eine Firma gegründet, die sich aufs Internet spezialisierte. Als die Blase am Neuen Markt kurz darauf platzte, ließ er seine Firma vorübergehend ruhen. Mit Hilfe des Unibator bekam sie neuen Fahrtwind. Der Mentor der Hochschule engagierte sich persönlich und wurde Teilhaber bei Bonpago.
Heute ist die Gesellschaft spezialisiert auf Suchmaschinenmarketing und elektronischen Rechnungsaustausch. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Pfaff einen Jahresumsatz von etwa einer halben Million Euro. "Nach zehn Jahren kann ich gut davon leben", sagt der Gründer. Eine Handvoll Arbeitsplätze hat er außerdem geschaffen.
Weder Pfaff noch Mbaluku benötigten bei der Unternehmensgründung finanzielle Unterstützung. Doch gerade die Finanzierung sei in den ersten Jahren häufig ein großes Problem für Existenzgründer, sagt Ana-Marija Ozimec, Betreuerin beim Unibator. Sie macht daher die Teams auf das Gründungsstipendium Exist aufmerksam.
Das Bundesministerium für Bildung und Technologie versucht damit, innovative Geschäftsideen zu unterstützen und den Lebensunterhalt der Gründer für maximal ein Jahr zu sichern. Das Stipendium wird von der Hochschule beantragt, die auch die Fördermittel für die Unibator-Teams verwaltet. "Gründer sind pfiffig", sagt Ozimec. "Sie finden weitere Möglichkeiten, um sich Kapital für ihre Unternehmung zu sichern." Hilfe bekommen Gründer etwa von der Bürgschaftsbank oder den Business Angels.
Sieben Firmen pro Jahr schaffen den Schritt aus dem Unibator auf den hart umkämpften Markt. Zurzeit arbeitet die Hochschule an einer Nachhaltigkeitsstudie, um den Erfolg der Unternehmungen nach der Unterstützungsphase zu ermitteln.
Auch andere Hochschulen im Rhein-Main Gebiet bieten Unterstützung für Existenzgründer an - etwa die Fachhochschule Frankfurt, die Hochschule für Gestaltung in Offenbach sowie die Fachhochschule in Wiesbaden.

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