kalaydo.de Anzeigen

Existenzgründer: Vom Campus auf den freien Markt

Das Frankfurter Programm Unibator fördert Absolventen auf ihrem steinigen Weg in die Selbstständigkeit. Von Christina Bischoff

Das Frankfurter Programm Unibator fördert Absolventen auf ihrem steinigen Weg in die Selbstständigkeit.
Das Frankfurter Programm Unibator fördert Absolventen auf ihrem steinigen Weg in die Selbstständigkeit.
Foto: dpa

Von Südafrika bis Angola vermarktet Misona Mbaluku bevorzugt hessische Produkte. Deutschen Maschinen und Werkzeugen eilt ein guter Ruf voraus, sind aber in weiten Teilen Afrikas nur schwer zu kriegen. Deutsche Klein- und Familienunternehmen hingegen beschränken sich häufig auf den heimischen Markt, besitzen selten das Wissen und die Möglichkeiten, ihre Produkte in weitestgehend unerschlossenen Märkten zu verkaufen.

Mbaluku wurde im Kongo geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre an der Goethe-Uni Frankfurt. Er ist in beiden Welten zu Hause. Mbaluku erkannte eine Nische und machte sie zu seiner Geschäftsidee. Im Mai 2008 gründete er mit zwei Partnern die Africalliane GmbH. "Ohne Unibator wäre mein Geschäft noch nicht so weit gediehen", sagt er heute.

Unibator ist die Existenzgründungsinitiative der Frankfurter Uni. Sie wurde vor sieben Jahren von Bernd Skiera, Professor für Betriebswirtschaftslehre, ins Leben gerufen. Seitdem unterstützt die Initiative Jungunternehmer mit Ideen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit.

Studenten, Doktoranden oder wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule bewerben sich mit einem Konzept ihrer Geschäftsidee. Ist ein gutes Geschäftsmodell erkennbar und findet sich ein Professor als Mentor des Gründungsteams, steht der Aufnahme ins Unibator-Programm nichts mehr im Weg.

Die Uni stellt den Unibator- Teams die notwendige Infrastruktur zur Verfügung: Räume, PCs, Telefon- und Internetanschlüsse. Vor allem aber der fachliche Austausch und der Netzwerkgedanke bilden den Kern der Unterstützungsleistung. Mit Hilfe von Unibator kam Mbaluku zu den notwendigen Kontakten für Africalliance, lernte erste Geschäftspartner kennen und konnte Unterstützung von erfahrenen Unternehmern in Anspruch nehmen. Die Managementberatung Accenture mit Sitz in Kronberg etwa stellte mehrere Berater zur Verfügung, um die Teams des Unibator in den verschiedenen Phasen ihrer Gründung zu unterstützen.

Schreibtisch und Räume spielten dabei nur eine Nebenrolle - wenn auch eine willkommene, denn Gewerbefläche sei teuer im Rhein-Main-Gebiet, erklärt Mbaluku. Zwar erwirtschaftete Africalliance im ersten Jahr einen kleinen Gewinn. Leben können die drei Gründer davon aber noch nicht. Und dennoch denken sie bereits an eine Erweiterung der Aktivitäten.

Die Jungunternehmer unterhalten zwei Vertretungen in Afrika, beschäftigen fünf Mitarbeiter im Kongo und vier in Angola auf Provisionsbasis. Ein langfristiges Bauprojekt mit einer deutschen Firma in Afrika zeichnet sich ab. Kommt es zur Vertragsunterzeichnung, denkt Mbaluku daran, feste Mitarbeiter vor Ort einzustellen, um den direkten Kontakt zu den Entscheidern zu sichern.

Wo Africalliance noch am Anfang steht, hat sich die Bonpago GmbH bereits bewährt. Donovan Pfaff suchte 2005 mit seiner Geschäftsidee die Unterstützung des Unibator. Damals promovierte er an der Uni Frankfurt und hatte bereits erste Erfahrungen mit einem eigenen Unternehmen gemacht. Er hatte 2001 eine Firma gegründet, die sich aufs Internet spezialisierte. Als die Blase am Neuen Markt kurz darauf platzte, ließ er seine Firma vorübergehend ruhen. Mit Hilfe des Unibator bekam sie neuen Fahrtwind. Der Mentor der Hochschule engagierte sich persönlich und wurde Teilhaber bei Bonpago.

Heute ist die Gesellschaft spezialisiert auf Suchmaschinenmarketing und elektronischen Rechnungsaustausch. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Pfaff einen Jahresumsatz von etwa einer halben Million Euro. "Nach zehn Jahren kann ich gut davon leben", sagt der Gründer. Eine Handvoll Arbeitsplätze hat er außerdem geschaffen.

Weder Pfaff noch Mbaluku benötigten bei der Unternehmensgründung finanzielle Unterstützung. Doch gerade die Finanzierung sei in den ersten Jahren häufig ein großes Problem für Existenzgründer, sagt Ana-Marija Ozimec, Betreuerin beim Unibator. Sie macht daher die Teams auf das Gründungsstipendium Exist aufmerksam.

Das Bundesministerium für Bildung und Technologie versucht damit, innovative Geschäftsideen zu unterstützen und den Lebensunterhalt der Gründer für maximal ein Jahr zu sichern. Das Stipendium wird von der Hochschule beantragt, die auch die Fördermittel für die Unibator-Teams verwaltet. "Gründer sind pfiffig", sagt Ozimec. "Sie finden weitere Möglichkeiten, um sich Kapital für ihre Unternehmung zu sichern." Hilfe bekommen Gründer etwa von der Bürgschaftsbank oder den Business Angels.

Sieben Firmen pro Jahr schaffen den Schritt aus dem Unibator auf den hart umkämpften Markt. Zurzeit arbeitet die Hochschule an einer Nachhaltigkeitsstudie, um den Erfolg der Unternehmungen nach der Unterstützungsphase zu ermitteln.

Auch andere Hochschulen im Rhein-Main Gebiet bieten Unterstützung für Existenzgründer an - etwa die Fachhochschule Frankfurt, die Hochschule für Gestaltung in Offenbach sowie die Fachhochschule in Wiesbaden.

Autor:  Christina Bischoff
Datum:  4 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 13 Staus mit einer Gesamtlänge von 55km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".