kalaydo.de Anzeigen
15. November 2008

Familie Kazan dankt ihren Helfern: Unglaublich glücklich

 Von JÖRG ANDERSSON

21 Monaten nach ihrer Abschiebung sind die sechs Kinder der Kazans mit Mutter Saliha zurück in Gründau. Glückliches Ende einer beispielhaften Unterstützungsaktion? Von Jörg Andersson

Drucken per Mail

Berivan (15), die ein knallgrünesgrünes Kapuzenshirt und weiße Turnschuhe trägt, greift sich das Mikro und lächelt. "Voll schön" sei es, die Freunde wieder zu sehen. "Und wieder Hausaufgaben machen zu dürfen", fügt sie unter dem Gelächter ihrer drei Schwestern und zwei Brüder an.

21 Monaten nach ihrer Abschiebung sind die sechs Kinder der Kazans mit Mutter Saliha zurück in Gründau. Glückliches Ende einer beispielhaften Unterstützungsaktion ? Noch steht nicht endgültig fest, ob die Familie, die 2007 bei Nacht-und-Nebel in die Türkei abgeschoben wurde, in Deutschland bleiben darf.

Beim Verwaltungsgerichtshof Kassel ist ein Widerspruch des Hessischen Innenministeriums anhängig. Doch nachdem das Verwaltungsgericht Frankfurt den mit Ausnahme des 16-Jährigen Izzetin durchweg im Main-Kinzig-Kreis geborenen Kindern das Recht auf eigenständige Persönlichkeitsentfaltung zugestanden hat, mag sich der Helferkreis nicht mehr vorstellen, dass die Kazans noch einmal das Land verlassen müssen. Die Initiatoren bedanken sich gestern Nachmittag nicht nur bei hohen Kirchenvertretern sondern auch bei Volker Bouffier (CDU) für seine Hilfe. Der Innenminister hatte sich nach einer Landtagspetition nicht länger gegen die Rückkehr gesperrt.

Die Familie wurde für den straffälligen Vater in Sippenhaft genommen, notierte der Flüchtlingsrat und nannte sie ein Musterbeispiel für die Bleiberechtslösung. Alle Kinder sprechen ausschließlich Deutsch. Ihr Zeugnis attestierte Gülistan zuletzt vier "Einser" und fünfmal die Note zwei. Seit Montag geht sie in die Siebte Klasse. "Klappt schon", sagt sie.

Die Türkei und Istanbul, wo die Kazans in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung zermürbend und unter Hausarrestbedingungen auf ihre Rückkehr hofften, ist ihnen fremd. Nur ein Stück Papier weist sie als Kurden aus.

Der Helferkreis, der die Familie nun im Nachbarort Niedergründau einquartiert hat, kümmert sich um die Kazans und trägt sämtliche Kosten. Sie sollen dem Staat nicht zur Last fallen, lautet eine der Zugeständnisse im hartnäckigen Kampf. Lange sperrte sich auch der Main-Kinzig-Kreis gegen eine Rückkehr, ehe Landrat Erich Pipa (SPD) sich auf die Seite der engagierten Bürger schlug.

"Was sind 16 800 Euro Abschiebekosten für sieben Menschen", fragt Gemeindepfarrerin Edda Deuber. Inge Seipel, Ex-Klassenlehrerin dreier Kazan-Kinder, berichtet vom freudigen Empfang durch viele Mitschüler. Schließlich sei der Familie ein "Unrecht wiederfahren, das man niemandem erklären aber auch nicht tolerieren konnte."

"Vernunft und Humanismus haben sich gegen Rechtsnormen durchgesetzt", bilanziert Schriftsteller Peter Völker. Daran habe sie nicht gezweifelt, fügt Sylvia Dahlheimer hinzu und blickt Berivan an, der sie in der Zeit der vielen Vertröstungen immer wieder Mut gemacht hat.

Jetzt kommentieren

Anzeige
Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Radfahren in Frankfurt
Radserie Stadtrad

Radfahren in Frankfurt: Wir machen die Bestandsaufnahme. Wo sind die Gefahrenstellen? Was muss besser werden? Auch Ihre Erfahrungen sind gefragt. Dazu gibt's Tipps für die Fahrradreparatur.

Zur Serie: Stadtrad - Radfahren in Frankfurt

Twitter
Fotostrecke
Costa Concordia

Frankfurt und Offenbach leuchten - im Rahmen der Luminale gab es 182 beeindruckende Lichtkunst-Projekte zu sehen. Ein Anziehungspunkt in Frankfurt war die neue Osthafenbrücke (Bild). Wir zeigen die schönsten Motive in einer Fotostrecke.

Online-Kataloge
Anzeige
Spezial
Einkaufen in luxuriösem Ambiente: Blick ins Skyline Plaza, dem neuen Konsumtempel im Europaviertel.

MyZeil, Skyline Plaza, Loop 5, Main-Taunus-Zentrum, Hessencenter - immer mehr Konsumtempel konkurrieren mit der Zeil und anderen klassischen Einkaufsstraßen um Kunden.

Sprengung des AfE-Turms

Der AfE-Turm am Frankfurter Campus Bockenheim ist Geschichte. Fotos, Videos und Berichte über den großen Knall - und ein Blick auf das, was danach kommt.

Sprengung des AfE-Turms

Videos: Der AfE-Turm fällt - in Zeitlupe

Fotostrecke: Der Trümmerhaufen als Ausflugsziel

Fotostrecke: So fiel der AfE-Turm

Fotostrecke: Das bleibt vom Uni-Turm übrig

Fotostrecke: Ein letzter Rundgang im AfE-Turm

Rückblick: Spektakuläre Sprengungen in Frankfurt

Ausblick: Kulturcampus Bockenheim

Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

Die Zeitung
ANZEIGE
- Partner