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Fantasy Filmfest: Frisches Blut

Manchmal braucht das Böse eben doch eine Begründung: Die Beiträge des Fantasy Filmfests spinnen Ur-Motive des Horror Movies weiter. Von Volker Mazassek

Ohne Zombies geht es nicht: Die Horror-Komödie Wasting away  des Regisseurs Matthew  Kohnen.
Ohne Zombies geht es nicht: Die Horror-Komödie "Wasting away" des Regisseurs Matthew Kohnen.
Foto: Veranstalter

Für den Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests gilt vermutlich die Devise: keine Experimente. Die Freunde des Genres erwarten da einfach die Grundzutaten. Frisches Blut liefert "Carriers" allemal. Allerdings ist die Geschichte der x-te Aufguss allzu bekannter Motive des Genres. Eine Seuche bricht aus, Menschen werden zu Monstern, eine kleine Gruppe versucht sich an die sichere Küste zu retten. Das ist ja aller Ehren wert, doch was da alles passiert, kann man im Schlaf herbeten.

Die Veranstalter bleiben mit "Carriers", der als Weltpremiere das Festival ziert, am Anfang auf der sicheren Seite. Doch das Gesamtprogramm ist vielfältig und anregend. Natürlich wird die Slasher-Fraktion bedient mit Filmen über kannibalistische Babys ("Grace"), Zombies ("Wasting away") und Teenie-Gemetzel ("In drei Tagen bist du tot 2"). Doch viele Filme haben nur bedingt mit dem Genre zu tun, ironisieren es, oder überschreiten dessen Grenzen. Christopher Denhams "Home Movie" etwa nimmt sich einen Gemeinplatz des Horrorfilms vor, nämlich dass das Böse keine Begründung braucht. Oft gibt es aber gute Gründe für Wutausbrüche, wie man in diesem Film nach und nach begreift, der im Stil eines Amateurvideos gedreht wurde. Denn die fürsorglich erscheinenden Eltern werden recht radikal, als ihre Kinder sich verweigern. Die Kleinen warten nur darauf, die Herrschaft über die Kamera zu erlangen und die "Jack-und-Emily-Show" zu starten. Die Eltern haben sozusagen sprechende Berufe. Sie ist Kinderpsychologin, er Pfarrer. Und damit sind Instanzen benannt, die auf psychologische, moralische und medizinische Weise heftig intervenieren, wenn Kinder nicht so spuren. Da kann man schon mal böse werden. Und so ist "Home Movie" auch ein intelligenter Beitrag zum Thema Erziehung.

Gegenüber dieser Low-Budget-Produktion ist Wilson Yips IP Man mit Donnie Yen in der Hauptrolle am anderen Ende der Skala angesiedelt, jedenfalls was die exquisite Ausstattung angeht. Die Hauptfigur ist inspiriert von einem legendären chinesischen Kampfsportler, der das Wing Chun erfand. Im Film wird er zum Helden im chinesisch-japanischen Krieg von 1937 bis 1945. Es ist unstrittig, dass die Japaner die Aggressoren waren. Allerdings sind Gut und Böse hier allzu sauber geschieden und der Kampf des chinesischen Helden gerät stark unter Ideologieverdacht. Mit Fantasy hat "IP Man" im Übrigen außer den rasanten Kampfszenen nichts zu tun.

Ein Biopic ist auch "Bronson" des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn. Sein Film ist allerdings künstlerisch ambitionierter. Er nähert sich Michael Gordon Peterson, den die englische Presse den gewalttätigsten Strafgefangenen Englands nennt. Peterson sitzt seit 34 Jahren im Knast. Kaum vorstellbare 30 Jahre verbrachte er in Einzelhaft, weil er immer wieder gewalttätig wurde und Geiseln nahm. In Anlehnung an den Gangster-Darsteller Charles Bronson nannte er sich irgendwann Charlie Bronson.

Regisseur Refn inszeniert eine Sinfonie der Gewalt, in der Bronson der Dirigent ist. Tom Hardy in der Hauptrolle erinnert an den nihilistischen Joker in Tim Burtons "Batman" und auch sonst sind Inspirationsquellen erkennbar, etwa Kubricks "Clockwerk Orange" und Milos Formans "Einer flog übers Kuckucksnest". Peterson/Bronson bleibt im Film ein Rätsel, was auch gut so ist. Denn Erklärungen zu seinem Charakter und Verhalten wären reine Spekulation.

Durchs Programm zu stöbern lohnt sich auf alle Fälle. Die südkoreanische Produktion "Hansel und Gretel" macht ebenso neugierig wie die englischen "Lesbian Vampire Killers". Und es gibt ja noch weitere 70 Filme.

Fantasy Filmfest, 26.8. bis 2.9., Metropolis, Frankfurt, Eschenheimer Anlage 40,Cinemagnum, Frankfurt, Zeil 112, Programm unter www.fantasyfilmfest.com

Autor:  Volker Mazassek
Datum:  25 | 8 | 2009
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