kalaydo.de Anzeigen

Feministische Archiv Uni Marburg: Männerfreie Zone

Das Feministische Archiv der Uni Marburg dürfen bis heute nur Frauen betreten. Während der Asbest-Sanierung des Asta-Trakts wurden sogar händeringend nach weiblichen Handwerkerinnen gesucht wurde. Von Gesa Coordes

Uni Marburg: Wer zieht  als Chef oder Chefin ein?
Uni Marburg: Wer zieht als Chef oder Chefin ein?
Foto: FR/Rolf K. Wegst

Noch ist es das letzte feministische Archiv Deutschlands, das keinen Mann über die Schwelle lässt. Aber vielleicht fällt das Tabu bald auch an der Marburger Philipps-Universität. Zumindest ein bisschen. Aktuell debattieren die Mitarbeiterinnen kontrovers darüber, ob es zumindest eine Öffnungszeit geben soll, während derer auch Männer im Feministischen Archiv stöbern dürfen. Im Sommersemester ist eine Podiumsdiskussion zum Thema geplant. Danach wird entschieden.

20 Jahre lang wurde das Gebot strikt eingehalten. So strikt, das selbst während der Asbest-Sanierung des Asta-Trakts der Philipps-Universität händeringend nach weiblichen Handwerkerinnen gesucht wurde. "So lange die Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist, so lange haben auch Frauenräume ihre Berechtigung", erklärt Mitarbeiterin Eva Georg. Noch sind die Mitarbeiterinnen zwiespältig. Die Konfliktlinien: Nach wie vor sind Frauen innerhalb der Universität benachteiligt. Trotz der vielen Studentinnen gebe es nur wenige Professorinnen, sagt Eva Georg.

"Wichtiger Freiraum"

"In einem Frauenraum kann man sich von dem emanzipieren, was einem draußen immer wieder entgegenschlägt." Auf der anderen Seite komme es - unabhängig vom Geschlecht - auch darauf an, warum jemand ins Archiv komme. "Es gibt ja auch Männer, die an einer feministischen Auseinandersetzung interessiert sind", sagt Soziologiestudentin Laura Fix. Bislang ist ihr Schnauzermischling Homer das einzige männliche Wesen, das über die Schwelle tapsen darf.

Alle anderen etwa 30 Frauenarchive bundesweit haben sich nach und nach für Männer geöffnet, erzählt die Politikwissenschaftlerin Viviane Vidot. Vermutlich aber auch, weil viele von Bund, Land oder Kommunen gefördert werden, sagt sie. Das Feministische Archiv Marburgs wird jedoch ehrenamtlich von Studentinnen geleitet. Bücher finanziert der Asta über einen festen Etat. Doch da das Archiv als autonomes Referat gilt, agieren die Mitarbeiterinnen unabhängig.

Im Dezember 1989 wurde die Einrichtung gegründet. Das Ziel: einen Freiraum für Frauen zu schaffen, um sich frauenspezifisches Wissen anzueignen und eigene politische Vorstellungen, Utopien und Aktionen zu entwickeln. Heute zählt das Archiv mehr als 7000 Bücher sowie mehr als 40 Frauen- und Lesbenzeitschriften, etwa für Juristinnen, Historikerinnen und Religionswissenschaftlerinnen. Gesammelt werden Examens- und Hausarbeiten, Flugblätter, Broschüren, Tagungsbände und Plakate.

Die "Emma" wurde abbestellt

Die Bücher sind nach Themengebieten sortiert, die von "Herstory" über "Recht und Unrecht" bis zu Sexualität reichen. "Es gibt hier viele Bücher und vergriffene Literatur, die man sonst nicht bekommt", sagt Mitarbeiterin Eva Georg. Seit 2009 können Frauen auch in der Datenbank namens "Marlene" recherchieren. Dazu gibt es Lesekreise, Vorträge, Themenabende, Filme und Tagungen.

Aktuell sorgen fünf Studentinnen dafür, dass das Archiv regelmäßig geöffnet wird, dass neue Bücher bestellt, in den Katalog aufgenommen und verwaltet werden. Jede Studentinnengeneration hat ihre Spuren hinterlassen, sagen die Mitarbeiterinnen. So wird man die aktuellen Ausgaben der Zeitschrift "Emma" heute vergeblich suchen. Sie wurde schon 2004 abbestellt. Emma sei zu etabliert und vertrete manchmal einen Feminismus, der rassistisch sei, erklärt Eva Georg.

Stattdessen gibt es nun Zeitschriften aus dem Pop-Feminismus. Es gibt eine Kooperation mit dem städtischen Gleichberechtigungsreferat. Frauenbeauftragte Christa Winter unterstützt das Archiv: "Es stellt Bücher zur Verfügung, die in anderen Bibliotheken selten zu haben sind." Zudem würden dort wichtige feministische Diskussionen - etwa über alternative Ökonomie - geführt.

Autor:  Gesa Coordes
Datum:  16 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Der Flörsheimer Zug ist einer der größten der Region.
Fastnacht im Main-Taunus-Kreis 
        

Als Tänzerin muss Julia Koch gelenkig sein.
Fastnacht in Bad Soden 
        

Thorsten Schweinhardt liebt es, Leute zu überraschen.
Fastnacht in Hattersheim 

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag

Staumelder

Staumelder 19 Staus mit einer Gesamtlänge von 60km
Zu den Staumeldungen
Meistgeklickt
Die Szene, die zum umstrittenen Strafstoß führte.
Eintracht gegen Düsseldorf 
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Sascha Rösler, Agent Provocateur
Sascha Rösler 
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.