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Feuerwehr und Rechtsextreme: Braune Brandschützer

Seit zwei Wochen können rechtsextreme Vorfälle bei den freiwilligen Feuerwehren gemeldet werden. Die NPD hetzt dagegen. Von Joachim F. Tornau und Carsten Meyer

Feuermelder gibt es schon lange - der Braunmelder ist neu.
Feuermelder gibt es schon lange - der "Braunmelder" ist neu.
Foto: dpa

Die NPD, wie es so ihre Art ist, spuckte tiefbraune Galle. Von "Gesinnungs-Blockwarten" schwadronierte die rechtsextreme Partei, von "volkstreuen" Feuerwehrleuten, die nun wohl einer "Sonderbehandlung" zugeführt werden sollten. Neonazis als die Juden von heute sozusagen: Mit dem Wort "Sonderbehandlung" tarnten die Nationalsozialisten den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden.

Was die NPD zu ihrer wütenden Hetze anspornte, ist der "Braunmelder" der hessischen Jugendfeuerwehr. Seit zwei Wochen können rechtsextreme Vorfälle bei den freiwilligen Feuerwehren im Lande über ein Online-Formular dem Verband mitgeteilt werden. Noch, sagt Projektleiter Michael Kittel, seien allerdings keine Meldungen eingegangen. "Wir haben", meint der stellvertretende Landesjugendfeuerwehrwart, "in diesem Bereich kein Feuer, das brennt."

Feuerwehr und Rechtsextremismus

Mehr als 2600 freiwillige Feuerwehren gibt es in hessischen Städten und Gemeinden. Rund 120000 Aktive werden gezählt - mehr als ein Viertel davon bei den Jugendfeuerwehren.

Für Neonazis sind Feuerwehren nicht nur interessant, weil Uniformen, Kameradschaft und die Unterordnung unter einen Wehrführer gut in ihr rechtes Weltbild einpassen lassen. Es kann auch strategisch sein: Ihr Engagement für den Brandschutz verschafft Rechtsextremen Anerkennung im Ort und damit die Chance zur Werbung für die braune Sache - zumal Jugendfeuerwehren in vielen Dörfern das einzige Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche sind.

Das Modellprojekt "Jugendfeuerwehren strukturfit für Demokratie" soll Brandschutznachwuchs darum gegen Beeinflussung durch rechtsextreme Mitglieder wappnen. Es startete Ende 2008 in Hessen und fünf weiteren

Bundesländern. Dazu gehören auch virtuelle "Braunmelder" im Internet. jft

Mehr Infos finden sich im Internet : http://rexlotsen.feuerwehr-hessen.de

Ein Blick in den nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis - eine der Schwerpunktregionen rechtsextremer Aktivitäten in Hessen - lässt diese Einschätzung allerdings fraglich erscheinen. "Es gibt hier Feuerwehren, die wären aus Personalmangel nicht mehr einsatzfähig, wenn sie alle Rechten ausschließen würden", sagt Kirsten Neumann vom Mobilen Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus (MBT) in Hessen. "Das haben uns Wehrführer so berichtet."

In der Tat: Recherchen der Frankfurter Rundschau belegen, dass sich bei den freiwilligen Brandschützern auch junge Männer aus dem Umfeld der berüchtigten Neonazi-Kameradschaft "Freie Kräfte Schwalm-Eder" (FKSE) finden. Und an mehreren Orten haben Rechte sogar Führungsposten inne.

So fungiert in Gilserberg-Schönau mit Stefan D. ein Mann als Wehrführer und erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr, der im Internet eine recht fragwürdige Gesinnung offenbart: In sozialen Netzwerken schloss sich der 28-Jährige nicht nur weltkriegsverherrlichenden Gruppen wie "Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten" oder "Nach England? Nur in der Messerschmitt!" an, sondern forderte mit Gleichgesinnten auch "Freiheit für Luni!!!". Gemeint war Michael Regener, genannt "Lunikoff", verurteilter Sänger der als kriminelle Vereinigung eingestuften Neonazi-Band "Landser". In Binsförth bei Melsungen gehört Manuel S. als Gerätewart zum Vorstand der Feuerwehr. Im Internet präsentiert sich der kahlgeschorene Mann mit einem T-Shirt des verbotenen rechtsextremen Skinhead-Netzwerks Blood & Honour und bekennt sich offen zur Hooligan-Gewalt.

Und in Mühlhausen, einem Ortsteil der Kreisstadt Homberg/Efze, sitzt seit Jahren ein Mann dem Feuerwehrverein vor, dessen rechtsextreme politische Haltung eigentlich nicht verborgen geblieben sein kann: Hans-Jörg J. kandidierte bei der Kommunalwahl 2006 für das "Bürgerbündnis Pro Schwalm-Eder", für das sich Aktivisten von NPD und "Republikanern" mit militanten Neonazis zusammengefunden hatten. Außerdem engagierte sich der 48-Jährige jahrelang als Funktionär bei der rechtsextremen "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen" (heute: Ostdeutschland), die mit dem alljährlichen "Trauermarsch" für die Opfer der alliierten Bombenangriffe in Dresden den größten Neonazi-Aufmarsch in Europa organisiert. Bis das Magazin "defacto" des Hessischen Rundfunks am vergangenen Wochenende auf die braunen Brandbekämpfer im Schwalm-Eder-Kreis hinwies, wollte von alledem niemand bei der Feuerwehr etwas bemerkt haben. Über mögliche Konsequenzen jedenfalls wird erst jetzt nachgedacht.

Nach Pfingsten, kündigt Kreisbrandinspektor Werner Bähr an, beginnen Gespräche mit Bürgermeistern und Feuerwehrführungen der betroffenen Kommunen - die rechten Funktionsträger eingeschlossen. "Dann werden wir sehen, ob ein weiteres Vorgehen nötig ist." Das könne der Rauswurf sein, müsse es aber nicht.

Wie ein Umgang mit Rechtsextremen in den eigenen Reihen grundsätzlich aussehen kann, erklärt Vize-Landesjugendfeuerwehrwart Kittel: "Unser erstes Ziel ist, den Feuerwehrmann aus dem braunen Sumpf herauszuziehen, eine Läuterung zu erreichen."

Und wenn das nicht gelinge? Dann dürften auch Neonazis durchaus weiter Flammen löschen - vorausgesetzt, sie würden die Feuerwehr nicht als Raum zum Agitieren nutzen. Aber, betont Kittel: "Es ist nicht duldbar, dass solche Personen eine Führungsposition wahrnehmen."

Autor:  Joachim F. Tornau und Carsten Meyer
Datum:  22 | 5 | 2010
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