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Filmtage: Heimatgefühl

Ankommen oder auch nicht: Um Neuanfänge in der Fremde kreisen viele regionale Beiträge der Lichter-Filmtage. Von Volker Mazassek

Feine Aussichten im ersten Stock: Wer im Turmpalast nicht gerade auf die Leinwand schaut, trifft hier während der Lichter-Filmtage garantiert auf nette Menschen.
Feine Aussichten im ersten Stock: Wer im Turmpalast nicht gerade auf die Leinwand schaut, trifft hier während der Lichter-Filmtage garantiert auf nette Menschen.
Foto: Veranstalter

Am Wochenende gab´s im Ersten Stock ein Konzert mit Radio Utopia plus DJ-Set. Der Raum im ersten Geschoss des Frankfurter Turmpalasts war gut gefüllt wie meistens in den vergangenen Monaten, wenn die Macher zu Film-Vorträgen und Partys einluden. "Der Raum hat uns sehr beflügelt", sagt Gregor Schubert. Weshalb der Leiter der Lichter-Filmtage überzeugt ist, dass "wir ein wunderbares Festival" haben werden.

Der Erste Stock wird vom 18. bis 21. März das Festivalzentrum sein. Er bietet nicht nur eine schöne Bar mit Blick auf den Eschenheimer Turm, sondern liegt praktischerweise nur ein paar Schritte von den Kinosälen im Turmpalast entfernt, wo an vier Tagen Kurz- und Langfilme aus der Region sowie aus Partnerstädten und -regionen Frankfurts und Hessens laufen werden.

Die Filmtage sind kein Premieren-Festival, aber immerhin weist das Programm mit Klaus Sterns Dokumentarfilm "Andreas Baader. Das Leben eines Staatsfeindes" eine Weltpremiere aus. Neben Stern, von dem auch die wunderbare Nordhessen-Posse "Henners Traum" läuft, sind elf weitere Regisseure im Wettbewerb vertreten, zumeist mit Filmen, die ihre Kinoauswertung schon hinter sich haben. Dazu zählen die Dokumentationen "Herrenkinder", die sich mit teilweise prominenten Absolventen der nationalsozialistischen Bildungsanstalten befasst, und "Mazel Tov", ein Porträt jüdischer Emigranten aus Osteuropa, die in der jüdischen Gemeinde Frankfurt eine neue Heimat fanden oder auch nicht. Der bekannteste Wettbewerbsfilm ist "13 Semester", eine Komödie über das studentische Leben, die zu großen Teilen in Darmstadt gedreht wurde. Zur Eröffnung des Festivals läuft "Shahada" von Burhan Qurbani, der die Nöte dreier Muslime in Berlin in Szene setzt, die mit ihrem Glauben in Konflikte kommen. "Shahada" lief im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale, wo er auf ein verhaltenes Echo stieß. Im Kurzfilm-Programm ist Michel Klöfkorn, früherer Gewinner des Deutschen Kurzfilmpreises, mit seiner Collage "n.n." vertreten. In der neuen Musikvideo-Reihe läuft etwa Shantels "Citizen Of Planet Paprika". Die hessische Partnerregion Emilia Romagna in Italien steuert fünf Filme bei. Frankfurts Partnerstädte Lyon, Budapest und Toronto sind mit Filmen dabei. Für den besten Kurz- und Langfilm im Wettbewerb vergibt eine dreiköpfige Jury zwei Preise, die mit je 4000 Euro dotiert sind.

Im Rahmenprogramm zeigen Videokünstler in der Stephanstraße 1-3, dem Festivalzentrum des Vorjahres, ihre Arbeiten. Und weil die Filmtage, wie die beiden ersten Auflagen zeigten, ein sehr geselliges Ereignis sind, wird neben dem Ersten Stock ein Party-Forum gleich hinter dem Turmpalast geschaffen - in einem leer stehenden Restaurant, das mit seinem verbliebenen Thai-Interieur sehr szenetauglich ist. So fügt sich für den Festival-Erfolg alles bestens zusammen - jedenfalls in diesem Jahr. Ob und wie es weitergeht, ist hingegen ungewiss. Der Turmpalast schließt demnächst. Die Festival-Macher müssen sich einen neuen Ort suchen. Ob sich ebenso günstige wie zentrale Räume finden, bleibt abzuwarten. Das Geld ist ohnehin knapp. Ohne einen Hauptsponsor, heißt es, hätten die Filmtage wohl keine Zukunft. Insofern sind die vier ambitionierten Festival-Tage auch ein Schaulaufen für mögliche Geldgeber.

Lichter-Filmtage, 18. bis 21.3., Turm-Palast, Frankfurt, Große Eschenheimer Straße 20, Programm und Karten www.filmtage-frankfurt.de

Autor:  Volker Mazassek
Datum:  16 | 3 | 2010
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