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Filz und Klüngel: Kein Job für den Parteifreund

Für Offenbachs Oberbürgermeister Schneider geht bei der Stellenbesetzung in den Stadtwerken Kompetenz vor Parteibuch. Seine SPD ist aufgebracht, ist doch für sie - und die CDU - das Zuschieben von Posten Usus. Von Peter Hanack

Wenn ein Chefsessel zu vergeben ist, rechnen sich oftmals verdiente Parteigänger besonders gute Chancen  aus.
Wenn ein Chefsessel zu vergeben ist, rechnen sich oftmals verdiente Parteigänger besonders gute Chancen aus.
Foto: Fickert/FR

Das ist doch ganz normal", sagt Horst Schneider, sitzt demonstrativ entspannt am Konferenztisch in seinem Büro im Offenbacher Rathaus und tut so, als könne er die ganze Aufregung nicht verstehen. Schneider, Oberbürgermeister in Offenbach, braucht einen neuen Geschäftsführer für die stadteigene Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) - "und den suchen wir natürlich danach aus, ob er für die Aufgabe qualifiziert ist."

Was so selbstverständlich klingt und was Schneider für normal hält, sorgt in seiner Partei, der SPD, für gehörigen Unmut. Für die Suche nach einem Chef der Stadtwerke-Holding, einem Nachfolger des auf eigenen Wunsch ausscheidenden, erfolgreichen Joachim Böger (60), hat Schneider eine Personalberatung hinzugezogen. Die hat ein Anforderungsprofil erstellt, in dem viel von betriebswirtschaftlicher Kompetenz, Projektmanagement und Personalführung steht.

Entspannter OB - Offenbachs Horst Schneider.
Entspannter OB - Offenbachs Horst Schneider.
Foto: Müller/FR

30 Personen hätten die Fachleute als mögliche Kandidaten ausgeguckt, vier davon seien in die engere Wahl gezogen worden, berichtet Schneider. Nicht in diesem Kreis vertreten war Stephan Wildhirt, Offenbacher SPD-Chef und noch bis Anfang 2010 Direktor des Planungsverbands Ballungsraum Frankfurt Rhein-Main. Für den 55-Jährigen käme die Anstellung als Geschäftsführer in seiner Heimatstadt gerade zur rechten Zeit.

Die Nicht-Berücksichtigung des Vollblut-Politikers und Offenbacher Eigengewächses Wildhirt war für einen Gutteil der Genossen der Casus Belli. Ein Fraktionsmitglied hat dem OB gar per E-Mail ein Drohschreiben geschickt, in dem dieser aufgefordert wird, Wildhirt "durchzusetzen". Das Schreiben wurde der Presse zugespielt.

Er habe, sagt Horst Schneider, durchaus Verständnis für die Nöte seiner Partei. Da ist zum einen der Bedeutungsverlust, wie ihn die SPD bei den jüngsten Wahlen im Bund und in Hessen hat erleiden müssen. Da ist zum anderen das Gefühl, dass der Politik die Kontrolle entgleitet über das, was in der Stadt zu geschehen habe. Verständnis hat Schneider, wenn da der Wunsch mächtig wird, jemanden mit Stallgeruch an der Spitze eines kommunalen Unternehmens zu sehen.

Für Schneider bleiben dies nachrangige Argumente. "Es geht um Sachkenntnis, Führungskompetenz, nicht um politische Zuverlässigkeit", sagt er. Dafür sei die Aufgabe an der Spitze der SOH viel zu komplex. Unter dem Dach der Holding sind so unterschiedliche Aufgaben versammelt wie die Entwicklung des Hafengebiets, die Müllabfuhr, der öffentliche Nahverkehr, der Stadthallen-Betrieb bis hin zum Beteiligungs-Management in der Energieversorgung.

Rund 700 Mitarbeiter in diversen Gesellschaften gehören mittelbar zur SOH. "Diese Geschäftsführung", so Schneider, "ist eine Aufgabe, die politisch legitimiert wird. Aber sie ist keine politische Aufgabe." Und, das folgt daraus, nicht zwingend die Aufgabe für einen Politiker.

Am 4. November nun soll der Magistrat über die Besetzung entscheiden. Die Personalberatung hat empfohlen, der SOH eine Doppelspitze zu geben. Vorgesehen sind dafür der kaufmännische SOH-Leiter Dieter Lindauer und der Geschäftsführer des städtischen Dienstleistungsbetriebs ESO, Peter Walther. Beide sind parteilos.

Schneider würde diese Lösung begrüßen. "Wir", sagt er, " müssen jetzt erstmal sehen, wie die SPD aus der ganzen Angelegenheit halbwegs gesichtswahrend herauskommt."

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie Parteipolitiker an der Spitze kommunaler Gesellschaften Karriere machen.

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Autor:  Peter Hanack
Datum:  9 | 10 | 2009
Seiten:  1 2 3 4
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