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Firma & Familie: Kinder wichtiger als Karriere

In vielen Firmen sind Bedingungen für Mütter und Väter nicht rosig. Die Umfrage der Frankfurter Rundschau belegt, dass Kinder vor Karriere gehen. Von Peter Hanack

Von wegen heile Welt: Am Arbeitsplatz kann ein Konflikt entstehen, wenn Job und Familie nicht gut zusammenpassen.
Von wegen heile Welt: Am Arbeitsplatz kann ein Konflikt entstehen, wenn Job und Familie nicht gut zusammenpassen.
Foto: Christoph Boeckheler

Heimarbeitstage, flexibles Zeitmanagement, Kinderbetreuung: Familienfreundlichkeit ist modern und wichtig. Jedenfalls in der Selbstdarstellung von Unternehmen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in Branchen wie der Informationstechnik oder in Firmen mit einem hohen Bedarf an Akademiker(inne)n zu einem harten Attraktionsfaktor im Gerangel um die besten Fachkräfte geworden. Die Wirklichkeit für viele Arbeitnehmer sieht jenseits von Betriebskindergärten und Home-Office-Tagen weniger rosig aus.

Die Umfrage der Frankfurter Rundschau zusammen mit den hessischen Unternehmerverbänden (VhU), der IGS Organisationsberatung, der Wirtschaftszeitung Aktiv und der Hessenstiftung belegt: Beruf und Familienleben unter einen Hut zu bringen ist noch immer ein hartes Stück Arbeit.

Die Umfrage

Ist es einfacher geworden, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen? Oder schwieriger? Die FR hat gemeinsam mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), der IGS Organisationsberatung Köln, der Wirtschaftszeitung Aktiv sowie der Hessenstiftung bei den Arbeitnehmern nachgefragt.

An der Online-Umfrage haben sich vom 8. November bis zum 28. Februar knapp 900 Menschen beteiligt.

"Betriebskindergärten, Hochglanzbroschüren... Aber Karriere machen nur die, die rund um die Uhr flexibel einsetzbar sind", schreibt etwa ein Teilnehmer der Umfrage. Ein anderer beklagt: "Familienfreundlichkeit wird in unserem Unternehmen nur als reine PR genommen, doch verinnerlicht ist sie weder in der Geschäftsleitung noch in der Personalabteilung."

Die Einzelbeobachtungen mögen nicht für alle Betriebe gelten, doch beschreiben sie einen typischen Zustand. Für die Arbeitnehmer heißt dies oft: Wollen sie Familie leben, müssen sie im Beruf Nachteile hinnehmen. So haben fast zwei Drittel der Befragten schon einmal zugunsten einer besseren Vereinbarkeit auf einen Karriereschritt oder andere berufliche Erfolge verzichtet.

Die Bremser sind oft die unmittelbaren Vorgesetzten. Sei es, weil sie in ihrer Abteilung möglichst wenig zusätzlichen Organisationsaufwand wünschen, sei es, weil sie ohnehin das Gefühl haben, dass die Geschäftsführung an einer tatsächlichen Umsetzung der eigenen Richtlinien zur Familienfreundlichkeit nur wenig interessiert ist.

Dabei wird Familie für Arbeitnehmer immer wichtiger. 96 Prozent sagen, dass Familienfreundlichkeit für sie von Bedeutung ist. Fast 80 Prozent empfinden es als schwierig, Arbeit und die familiären Wünsche und Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Viel Hilfe durch Personalabteilungen, Betriebs- oder Personalräte haben sie dabei nicht zu erwarten. Dort scheint das Thema noch nicht wirklich angekommen zu sein.

Ermutigende Beispiele

Natürlich gibt es ermutigende Beispiele. So hat die Frankfurter Rundschau in der journalistischen Begleitung der Umfrage Unternehmen vorgestellt, in denen Selbstdarstellung und Firmenkultur Hand in Hand gehen.

So können sich etwa junge Mütter bei der Firma Aschenbrenner in Marburg einen Ausbildungsplatz teilen, tragen die Mitarbeiter der Druckwerkstatt Kollektiv in Darmstadt die Mühen von Kollegen bei der Kindererziehung mit, zahlen Unternehmen wie Stada in Dortelweil einen Zuschuss für den Kindergarten oder engagiert Inosoft in Marburg eigens eine Tagesmutter, die auf dem Firmengelände den Nachwuchs der Mitarbeiter betreut.

So lange dies aber eher die Ausnahme denn die Regel ist, gilt: "Eine Politikerin hat einmal gesagt: Es gibt keine Vereinbarkeit von Familie und Beruf, es gibt nur Addition." So kommentiert eine Teilnehmerin der Umfrage die Situation - und hofft, "dass die Veränderungen in den nächsten Jahren so weit gedeihen, dass meiner Tochter die Zerreißprobe einmal erspart bleibt, der ich mich täglich aussetzen muss".

Autor:  PETER HANACK
Datum:  28 | 3 | 2009
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