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Rüsselsheim: Fliegende Baumstämme bei Schotten-Spielen

Waschechte Opelaner und andere Hessen trainieren für die Schotten-Spiele in Rüsselsheim.

Baumstammwerfen  : die Königsdizplin der Schottenspiele.
Baumstammwerfen : die Königsdizplin der Schottenspiele.
Foto: Storch

Ein Mann steht in einem blau-gelb gemusterten Röckchen auf einer hügeligen Wiese. Er bückt sich. Dann hievt er ein Gewicht an einem eisernen Griff mit der rechten Hand hoch. Gute 20 Kilo wiegt es. Der Mann mit den langen schwarzen Haaren, die zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden sind, geht in die Knie. „Jetzt ist eine Situation, in der es schwierig wird“, sagt er, lacht, fackelt nicht lange – und rafft seinen Kilt. Gekonnt ist gekonnt: Er schwingt das Gewicht vor seinen Körper, durch die Beine – und wirft es über den Kopf rückwärts über eine Messlatte. In vier Metern Höhe liegt sie über ihm. Der Mann heißt Frank Buff – und ist ein hessischer Highlander.

Ben Dover & Isle Makeyahebby steht auf Buffs schwarzem T-Shirt. Das ist der Name seines Clans. Der besteht aus sieben Männern. Ihre Passion sind schottische Hochlandspiele. Momentan machen sich die starken Jungs für die Mainland Games in Rüsselsheim fit. In Oppenheim, auf einem Sportplatz oberhalb einer alten Burgruine, treffen sie sie sich. Weit und breit sind dort nur Weinhänge zu sehen, vereinzelt Wanderer – und die sieben Männer. Momentan heißt es für sie alle zwei Wochen samstags Steine-stoßen, Baumstammwerfen und Huckepacklauf üben.

Die Mainland Games

Am 4. und 5. September geht es bei den dritten Mainland Games inRüsselsheim erstmals um den deutschen Mannschafts-Meistertitel.
27 Männerteams und acht Frauenmannschaften treten am Samstag
gegeneinander an - in Disziplinen wie Baumstamm-Slalom. Den „Heavys“, den Einzelsportlern, gehört der Sonntag. Als Schmankerl für die Zuschauer gibt es außerdem ein Tauziehen der Mannschaften.
Ein schottischer Markt rahmt das sportliche Geschehen ein. Am Samstagabend spielen Scottish Folk Bands auf der Festivalbühne.
Karten kosten je Tag vier Euro. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Das Abendprogramm ist inklusive. Veranstaltungsort ist das Mainvorland vor den Opelvillen. Einen Vorverkauf gibt es nicht – die Karten sind direkt am Eingang des Geländes erhältlich. (prwei)
Weitere Infos im Internet unter www.mainlandgames.de


Die Highland Games sind keltischen Ursprungs. In Schottland dienten sie lange der Auswahl der stärksten und schnellsten Männer des Landes. Die Besten wurden dann als Krieger ausgebildet. Heute gibt es die Spiele auf der ganzen Welt. In Rüsselsheim wurden die Mainland Games erstmals im Jahre 2008 veranstaltet. Die Männer vom Clan hatten da noch keinen Schimmer, was schottische Spiele eigentlich sind. „Damals arbeiteten alle von uns bei Opel in Rüsselsheim. Wir haben ein Rundschreiben bekommen, dass noch Teams gesucht werden“, sagt Clanchef Axel Arnsberg. „Wir wussten nur: wir müssen uns einen Kilt besorgen.“

Also rüsteten sich die Männer mit karierten Röckchen, Shirts und passenden Strümpfen aus – und begannen zu trainieren. Danach ließ sie das Highland-Fieber nicht mehr los: Heute reisen die Sieben durch ganz Deutschland zu mehreren Wettbewerben pro Jahr.

Ein Platz unter den ersten fünf soll für die Jungs dabei schon raus springen. Um das zu schaffen, haben sie sich ihre Trainingsgeräte selbst gebaut. Denn zu kaufen gibt es die nicht. Axel Arnsberg zeigt auf einen Baumstamm, der vor ihm auf dem Boden liegt. „Das war einmal ein Telefonmast, den haben wir im Straßengraben gefunden.“ Perfekt für die Highlander – die Männer sägten den Stamm ab und umwickelten ihn mit Klebeband. „Damit er nicht so schnell platzt“, erklärt Axel Arnsberg, während er den Stamm mit beiden Händen umgreift. Denn der Baumstamm wird beim „Tossing the Cabre “ um die eigene Achse geworfen.

Arnsberg nimmt den Stamm an einem Ende hoch, balanciert ihn aus, so dass er gerade in die Luft ragt. Dann nimmt der Mann Anlauf – und wirft den Stamm mit dem anderen Ende senkrecht auf den Boden. Es geht nicht um die Weite, sondern um eine perfekte Drehung. „Er muss auf 12 Uhr Mittag genau längs vor mir liegen“. Das Baumstammwerfen ist die Königsdisziplin der Highlandgames. „Eine Technik, die man lernen muss. Wichtig ist, den Stamm zur rechten Zeit abzuwerfen“, sagt der Clanchef.

Schottische Wurzeln hat keiner der Männer. Sie kommen aus dem Rhein-Main Gebiet. Das ist auch in ihrem Namen versteckt. „I’ll make ya hebby“ – ihr Name wird mit hessischem Dialekt gelesen. Highländer, die glücklich machen also. Total harmlos? Nicht wirklich: Rustikal ist die Kombination mit dem ersten Teil ihres Namens, Ben Dover. Setzt man die Wörter anders zusammen kommt bend over (bück dich) raus.

Echte Kerle eben. Was tragen die in Hessen eigentlich unter ihrem Kilt? „Das fragen die Damen ständig“, sagt Clanmitglied Kim Mühl. Doch da müssen die starken Männer die Frauen enttäuschen – unten ohne geht keiner.

Autor:  Ramona Weise
Datum:  1 | 9 | 2010
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