Gestern haben die UN 2009 zum Jahr des Gorillas ernannt. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt engagiert sich seit 30 Jahren im ostkongolesischen Virunga-Nationalpark für die Berggorillas. Wie ist die Situation dort?
Katastrophal. Unsere aktuelle Projektarbeit bestand darin, unseren Standort zu evakuieren und alles außer Landes zu schaffen. Das haben wir auch so gerade noch geschafft. Alle Fahrzeuge sind draußen, Computer, Solaranlagen. Die Ranger mussten ja auch fliehen, mit ihren Familien insgesamt etwa 1000 Leute. Wir haben sie zunächst näher zu den UN-Truppen gebracht, inzwischen sind sie in den allgemeinen Flüchtlingscamps untergebracht.
Christof Schenck ist Geschäftsführer der ZGF, die sich im Kriegsgebiet Ostkongo engagiert.
Wie stehen Sie mit Projektleiter Robert Muir in Kontakt?
Unterschiedlich, je nach dem, wo er ist. Meist mailen wir. Im Moment ist er in Kinshasa und prüft, wie wir die ICCN, die kongolesische Naturschutzbehörde, unterstützen können.
Im Nationalpark lebt mit 300 etwa die Hälfte der überhaupt noch existierenden Berggorillas. Wie sind sie durch die Auseinandersetzungen gefährdet?
Niemand hat zurzeit Zugang zu ihrem Gebiet, das ist der direkte Bereich von Rebellenführer Nkunda. Er behauptet zwar, er schützt sie, wir sehen trotzdem ein hohes Risiko. Weil die Rebellen möglicherweise Wildtiere zur Nahrung mit Schlingen fangen, in die auch die Gorillas geraten können. Und weil illegal Holzkohle aus den Bäumen des Parks gemacht wird, ein lukratives Geschäft, das den Lebensraum der Tiere zusätzlich zerstört. Für sie besteht auch immer ein hohes Infektionsrisiko, wenn ihnen kranke Menschen zu nahe kommen, Rebellen oder die Bevölkerung.
Gekämpft wird um Bodenschätze, etwa um das Erz Coltan, aus dem Tantal gewonnen wird, ein Metall in Handys
Ja, die Katastrophe im Kongo ist uns wesentlich näher, als wir denken.
Wenn sich die Situation stabilisiert, wie geht die ZGF-Arbeit dann weiter?
Wir müssen verhandeln und deutlich machen, wie wichtig die Gorillas und der Nationalpark auch als langfristige Einnahmequelle für die Bevölkerung sind. Zurzeit kaufen wir Ausrüstung, Zelte, Kommunikationsgeräte, bereiten Ranger-Trainings vor. Damit wir sofort wieder loslegen können, wenn die Sicherheitslage besser ist.
Interview: Lia Venn

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