Den meisten, ja, den allermeisten Bundesbürgern ist mithin bekannt, dass sie in einem Staat leben, der auf den - vielleicht wenig romantischen, aber verwaltungssprachlich eindeutigen - Namen "Bundesrepublik Deutschland" hört. Ist national so geregelt und international anerkannt. Andere Deutschländer gibt es nicht. Oder?
Der 58-Jährige, der am Frankfurter Flughafen am Mittwoch auftauchte, sah das ganz anders. Er legte einen Fantasiepass des "Deutschen Reichs" bei der Ausreisekontrolle vor. Und dann habe der Deutsche auch noch die libanesische Hauptstadt Beirut als Ziel angegeben, teilte die Bundespolizei mit.
Das lässt den mit den abseitigen Aspekten der bundesrepublikanischen Geschichte Vertrauten, stutzen, schlucken und aufmerken: Mitte der 70er Jahre, als im Libanon der Bürgerkrieg wütete und Terrororganisationen sich dort als Platzhirsche aufführen konnten, zog es so manchen systemisch unzufriedenen Bundesbürger dorthin. Welche aus dem linken terroristischen Lager, aber auch welche aus dem rechten - alle wollten im Nahen Osten den revolutionären bewaffneten Kampf üben. Wenige der Rechtsradikalen überlebten dieses Abenteuer.
"Reichskanzler" angerufen
Ob nun besagter 58-Jähriger in diese Ecke zu schieben ist, bleibt zu diesem Zeitpunkt unbekannt. Auf jeden fall ließen ihn die Grenzbeamten nicht reisen. Das wiederum ließ der Mann nicht auf sich sitzen. Und rief seinen "Reichskanzler der Exilregierung" an. Kurz darauf erhielt die Bundespolizei per Fax eine "Verbalnote" an die "Provisorische Übergangsverwaltung des Alliierten Konstruktes 'BRD'". Kümmerte den Bundesgrenzschutz aber auch nicht weiter.
Der Mann, der auch einen echten, aber abgelaufenen deutschen Reisepass mit hatte, bekam eine Anzeige wegen Urkundenfälschung, der Fantasiepass wurde beschlagnahmt. Das nächste Kapitel in dieser Systemgeschichte der Bundesrepublik werden die Gerichte schreiben. (dpa/rut)

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