Eine einsame Ausbaugegnerin hatte es unter die geladenen Gäste geschafft. Allein unter Hunderten skandierte sie „Fluchhafen“ und „Millionengrab Kassel-Calden“, als am Donnerstag die Festansprachen zum offiziellen ersten Spatenstich für den nordhessischen Regionalflughafen beginnen sollten. Tapfer blies sie in ihre Trillerpfeife, bis Sicherheitsleute sie vom Baustellengelände schleppten – zu den anderen Demonstranten, die den Festakt von draußen mit Buhrufen und Pfiffen begleiteten.
Zwölf Jahre lang wurde um den Ausbau des Verkehrslandeplatzes Calden zum Kasseler Regionalflughafen erbittert gestritten. Mit Argumenten, mit Klagen, zuletzt gar mit einer Beschwerde bei der Europäischen Kommission versuchten die Gegner, das Prestigeprojekt der Landesregierung zu stoppen. Doch jetzt sind in Calden die Bagger angerückt, das Terrain für die neue 2500 Meter lange Start- und Landebahn wurde bereits vorbereitet. Und mit dem feierlichen ersten Spatenstich hat all das nun auch seine offiziellen Weihen.
1999: Erste Planungen für die Erweiterung des Verkehrslandeplatzes Calden bei Kassel zum Regionalflughafen.
2007: Nach jahrelangem Streit ergeht der Planfeststellungsbeschluss.
2009: Das Bundesverwaltungsgericht weist alle Klagen von Ausbaugegnern letztinstanzlich ab.
März 2010: Das Land räumt eine Kostenexplosion um fast 50 Prozent auf 225 Millionen Euro ein.
Dezember 2010: Die EU-Kommission erlaubt die erhöhten öffentlichen Investitionen und damit den Baustart.
März 2011: Offizieller erster Spatenstich.
April 2013: Geplante Eröffnung. jft
„Der Region Flügel verleihen“ war das Motto der Zeremonie. „Die Region bekommt Flügel“ hatten auch die Gegner auf ihre Plakate geschrieben – aber einen Pleitegeier dazugemalt. Das Für und Wider des Flughafenausbaus, das jahrelang diskutiert wurde, ließ sich an diesem Tag noch einmal in gedrängter Form erleben. Von Aufschwung, von Arbeitsplätzen und der „Boomregion“ Nordhessen war in Reden und Presseverlautbarungen die Rede. Die CDU sprach von einem „Startplatz in die Zukunft“, die FDP sah ein „neues Zeitalter für Nordhessen“ heraufziehen.
„Dieser Flughafen wird einen erheblichen Erfolg haben“, sagte der hessische Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Thomas Schäfer (CDU), in Calden. Und darum seien die 187 Millionen Euro, die allein das Land in das Vorhaben steckt, gut angelegt.
Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) pries den Flughafen als wichtigen Standortfaktor für die „immer internationaler werdenden Unternehmen“ der Region. „Die müssen in die Welt kommen können, auf allen möglichen Wegen.“ Was er nicht sagte: Für Geschäftsflüge taugt auch der bisherige kleine Flughafen. Und welche Airlines in der Zukunft Linienflüge nach Kassel-Calden anbieten werden, steht noch in den Sternen. Bislang hat keine Gesellschaft Interesse angemeldet.
Für die Flughafengegner stand deshalb so fest wie eh und je: Das Projekt ist Unsinn. „Kein Unternehmen schafft Arbeitsplätze, nur weil ein ungenutzter Flugplatz durch einen größeren ungenutzten Flughafen ersetzt wird“, erklärte der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Grünen nannten den Ausbau eine „unverantwortliche Vernichtung von Steuergeldern“. Und die Linksfraktion erklärte, es sei „aberwitzig“, wenn die Landesregierung einerseits für die Schuldenbremse werbe und andererseits dreistellige Millionenbeträge für ein „überflüssiges Großprojekt“ verbuddele.

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