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04. April 2013

Flughafen Kassel-Calden: Kassels Flughafen holpert zum Start

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Flughafen Kassel-Calden: Letzte Arbeiten vor der Eröffnung.  Foto: dpa

Heute geht der Flughafen Kassel-Calden in Betrieb. Ist das ein Grund zum Feiern oder eher ein Grund, sich über die 271 Millionen Euro zu ärgern, die dort versenkt worden sind?

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Große Mühe gibt man sich nicht am Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe, um den Weg zum neuen Regional-Airport zu weisen. Jedenfalls am Tag vor der Eröffnung noch nicht. Zwar hat die Nahverkehrsgesellschaft neue Fahrpläne für den Bus 130 gedruckt: „Jetzt direkt zum neuen Flughafen Kassel-Calden“. Aber kein Symbol weist auf den passenden Bussteig hin – und wer ihn trotzdem findet, kann am Mittwochmorgen lange nach Angaben zum Halt am Flughafen suchen: Im Schaukasten hängt noch der Fahrplan, der bis Ostern galt.

Allerdings hält sich die Zahl der Fluggäste, die so etwas ärgern könnte, noch sehr in Grenzen. Vor der Eröffnung am heutigen Donnerstag kämpft der neue Airport mit Spott, über abgesagte Flüge. Am 5. April sollte ein Flieger von Kassel nach Antalya starten. Doch nur sechs Leute hatten die Verbindung gebucht, heißt es. Sie werden nun per Taxi nach Paderborn gefahren, starten also ausgerechnet vom nur 80 km entfernten Konkurrenz-Regionalflughafen.

„Natürlich bin ich nicht glücklich darüber, dass das so einen Medienhype gefunden hat“, sagt Anna Maria Muller, Geschäftsführerin des Kasseler Flughafens. Als sie von den Streichungen erfuhr, sei ihr das Echo klar gewesen. Dem Anbieter Involatus aber nicht. Der habe Flüge zusammengelegt, wie das eben passiere, wenn sich die Maschinen am Rande der Ostersaison nicht füllen. Im April habe es noch weitere Flüge getroffen. Ab Mai sei das Unternehmen, wie sie höre, sehr zufrieden mit Buchungen ab Calden.

Airport in Zahlen

Gesamtfläche: 220 Hektar

Terminal-Fläche: 8250 Quadratmeter

Abflug-Gates: 3

Check-in-Schalter: 10

Neue Start- und Landebahn: 2500 Meter lang und 45 Meter breit

Beschäftigte: rund 750

Passagiere: 640.000 sind für das Jahr 2020 geplant

6 Millionen Kubikmeter Erde wurden bewegt, um die hügelige Fläche einzuebnen

Aber die gestrichenen April-Flüge sind nicht das einzige Unruhe-Thema. Die Fluggesellschaft XL, die für die Rewe-Touristik von Calden aus fliegen wollte, ist pleite. Am 1. März wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Antalya-Flüge für Rewe liefen nun mit der Fluggesellschaft Tailwind, sagt Muller. Für Ziele wie Mallorca, Teneriffa oder Fuerteventura ist die Rubrik „Airline“ im Abflugplan des Kasseler Flughafens am Mittwoch noch leer. „Unsere Kunden werden morgen wissen, welche Fluggesellschaft fliegt“, zitiert die Lokalzeitung den Chef der Flugbeförderung bei Rewe.

Anders als beim Großprojekt Berliner Flughafen, scheint es aber in Calden immerhin keine bautechnischen Probleme zu geben. Einzig am Stundenplan der Eröffnungsfeier wurde noch ein bisschen gefeilt – der Termin steht. Heute um 16 Uhr soll der allererste Ferienflug nach Antalya starten. Zum Festakt zuvor werden der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wirtschafts- und Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) erwartet. Letzterer will mit dem Flugzeug anreisen. Die Germania-Airline fliegt zur Eröffnung von Frankfurt nach Calden.

        

Im Januar durften Testpassagiere schon einmal einchecken.
Im Januar durften Testpassagiere schon einmal einchecken.
 Foto: Zucchi/dpa

Schäfer ist auch Aufsichtsratschef der Flughafen GmbH Kassel und als solcher für Fragen nach den Kosten des umstrittenen Projektes zuständig. Die endgültigen Baukosten würden „nicht über 271 Millionen Euro hinausgehen“, meldet sein Ministerium. Im August 2011, bei Bekanntgabe der zweiten massiven Kostensteigerung, hatte Schäfer allerdings eigentlich mit knapp 249 Millionen Euro kalkuliert. Weitere 22 Millionen Euro wurden nur als „Puffer“ eingeplant. Die genaue Abrechnung stehe noch aus, sagt sein Pressesprecher jetzt. Man werde aber näher an 271 als an 249 Millionen Euro liegen.

Weiter öffentliches Geld nötig

Auch fertiggestellt und im Betrieb wird der Flughafen weiter öffentliches Geld schlucken. Mit welchen Verlusten in den nächsten Jahren zu rechnen sei, werde gerade kalkuliert, so das Finanzministerium. Für 2020 werde eine schwarze Null angepeilt – von Gewinnen ist nicht die Rede.

Kritiker des Airports fragen schon lang, wie viel Geld noch in das „Millionengrab“ Calden geschüttet werden soll. Geschäftsführerin Muller prophezeit dem kleinen Flughafen eine lange Zukunft: „Das erste Sommerflugprogramm ist noch nicht einmal ein Wimpernschlag in der langen Historie dieses Flughafens“, sagt sie am Mittwoch. Deshalb sei sie ganz gelassen. „Man muss erstmal anfangen.“

        

Am Tag vor der Eröffnung wird auch nochmal geputzt.
Am Tag vor der Eröffnung wird auch nochmal geputzt.
 Foto: Zucchi/dpa

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