Natürlich will Thomas Schäfer das. „Wenn der Herr Minister mal ein Auto fahren möchte, dass 750 PS hat – ich hol den Schlüssel“ , hat ihm Fred Haschler angeboten. Haschler ist Bauingenieur und Projektleiter auf der Baustelle für den neuen Flughafen Kassel-Calden. Das Auto mit den 750 PS ist ein „Dumper“ ein großer starker Laster, der voll beladen 60 Tonnen wiegt. 50 dieser langschnauzigen Maschinen gibt es auf der Baustelle – und eine fährt nun der hessische Finanzminister.
Was so ein Gerät wohl an Benzin verbraucht? Später, beim Pressegespräch, wird Schäfer verkünden, dass die Baukosten für den Flughafen noch einmal höher kalkuliert werden müssen. Baupreissteigerungen von jährlich 2,5 Prozent nennt sein Ministerium als Gründe – und „eine massive Erhöhung der Energiepreise“. Hätte man früher loslegen können, hätte man noch die Krisen-Preise der Baubranche nutzen können, lässt der Minister anklingen. Das lange EU-Genehmigungsverfahren für das Projekt habe „ein Jahr gekostet“ .
Der Regionalflughafen Kassel-Calden hat eine 1500 Meter lange Piste, die für Geschäfts- und Sportflugzeuge ausreicht. Für größere Maschinen – etwa Charterflugzeuge von Reiseanbietern – ist die Start- und Landebahn jedoch zu kurz. Diese Flieger landen entweder auf dem etwa 100 Kilometer entfernten Airport Paderborn-Lippstadt, in Frankfurt oder Hannover. Etwa 46000 Passagiere zählte der Flugplatz nach eigenen Angaben im Jahr 2010.
Eine rund 2500 Meter lange Landebahn und neue Gebäude lassen die Gesellschafter – Land, Stadt, Landkreis und Gemeinde – bauen. Nach dem Neubau wird 2020 mit 640000 Passagieren pro Jahr geplant. Die Befürworter erhoffen sich vom Ausbau einen Aufschwung für die Region, Kritiker bezweifeln die Wirtschaftlichkeit des größeren Flughafens.
Doch jetzt rollt der „Dumper“ mit Schäfer zügig auf der Baustellenstraße. Seit März wird in Calden gebaggert, gefräst, gewalzt und abtransportiert. Auf 220 Hektar zeigt sich noch braunes Erdreich, wo im April 2013 der Flughafen eröffnet werden soll. Im Oktober soll der Hochbau beginnen.
Jetzt mischen riesige Bodenfräsen Kalk mit Erdreich. Eine Stampffußwalze hilft, das Gemisch zu verdichten. Noch etliche weitere Arbeitsschritte sind nötig, bis eine 50-Zentimeter-Lage als fertig gilt und die nächste darüber gelegt werden kann. 32 Schichten, insgesamt rund 16 Meter tief, sollen es werden, sagt Haschler. Der Boden muss tragfähig werden für den Flughafenbetrieb. Um präzise zu arbeiten, sind die Großmaschinen mit GPS-Navigation ausgestattet.
Wie tragfähig und wie präzise die Planung für den Flughafen ist, ist über den Sommer noch einmal gehörig in Frage gestellt worden. Das Finanzministerium hatte ein Bieterverfahren eingeleitet, bei dem private Investoren Interesse bekunden sollten, als strategische Partner beim Flughafen einzusteigen. Schriftlich soll niemand auf das Angebot eingegangen sein. Es gebe jedoch Interessenten und Kontakte, betont der Minister beim Pressetermin nach der Baustellenbesichtigung. Das förmliche Verfahren sei gestartet worden, weil man „kaum mehr als eine Tasse Kaffee“ mit einem Bewerber trinken dürfe, ohne dass Wettbewerbskonflikte drohten.
Ulrich Spengler, der Industrie-und Handelskammer-Mann unter den drei Geschäftsführern der Flughafen GmbH Kassel, berichtet über Gespräche mit Fluglinien und Reiseanbietern, die den neuen Airport nutzen könnten. Niemand werde unterschreiben, solange der nicht fertig sei, teilt er freimütig mit – und: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir 2013 nicht nur einen Flughafen, sondern auch Flugverkehr haben werden.“
Um 10.30 Uhr ist der Pressetermin vorbei. Die Sonne scheint, und am Infopoint, einem Container mit Blick auf die Großbaustelle, haben sich erste Besucher eingefunden. Ein jüngerer Mann aus Calden ist darunter. Er komme öfter vorbei, sagt er: „Mich interessiert die Technik.“ Was denkt er über 23 Millionen Euro Mehrkosten für den Flughafen? Wenn es sich rentiert, wäre es okay, meint er. Aber er fragt sich, wer von hier fliegen wird – wo Paderborn doch so nah ist. Für Fracht regionaler Firmen sei es vielleicht interessant. Zwei weitere Gäste aber wollen den neuen Airport sicher nutzen. Sie kämen aus Berlin und wollten Calden gerne anfliegen: „Wir sind Ultraleichtflieger“.

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