Schon von weitem hört man sie singen und mit Stöcken an die Gitter trommeln. "Ich kenn ein Lied, das jeden nervt, und das geht so", johlen die beiden jungen Frauen in Endlosschleife. Nerven wollen sie vor allem die Polizisten und Sicherheitsleute, die den Zaun bewachen. Dort, wo seit Donnerstag die einzige Pforte zum Camp ist.
Der bisherige Zugang vom Weg aus wurde abgesperrt. Wer rein oder raus möchte, muss nun über Stock und Stein quer durch den Wald stapfen. "Der Eingang wurde nach Norden verlegt, um eine Zufahrt für Rettungsdienste zu ermöglichen", erklärt Fraport-Sprecher Klaus Busch. Das Areal, das derzeit auf Hochtouren für die neue Landebahn abgeholzt wird, müsse für Not- und Unfälle entsprechend gesichert sein. Zudem dürfe schließlich nicht jeder auf einer Baustelle herumspringen.
Ein Grund auch, weshalb seit gestern alle, die das Camp betreten wollen, kontrolliert werden. Die Polizei nimmt Personalien auf, filzt Taschen und Rücksäcke. Weiterer Grund dafür: 14 Aktivisten, die am Mittwoch Platzverweise kassierten, weil sie im Rodungsgebiet Holzfällmaschinen besetzt hatten, dürften sich nicht mehr im Camp aufhalten, so Polizeisprecher Jürgen Linker. Sonstige Besucher seien erlaubt, und auch die Bewohner dürften den Platz verlassen und wieder zurückkehren. Nur: Neue Aktivisten, die mit "mobilem Mobiliar" - sprich: mit Schlafsäcken und Isomatten - anrücken, werden abgewiesen.
"Zermürbungstaktik", nennt es einer der Waldbesetzer. "Fraport will, dass sich das Camp quasi von selbst auflöst." Sascha Friebe von der Interessengemeinschaft Ökoflughafen spricht von einer "Räumung auf Raten". Etwa 40 Camper wohnen derzeit in den Zelten und Hütten, darunter viele Kletterer.
Bei der Stadt Kelsterbach haben die Gegner des Flughafenausbaus einen Ausweichplatz beantragt, auf dem sie ihren Protest außerhalb des Rodungsgeländes der Fraport organisieren können. Nahe der Okrifteler Straße ist dafür eine Fläche vorgesehen. Diese will die Stadt für eine Mahnwache genehmigen, teilte Jochen Schaab aus dem Büro von Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) mit. Zelte und ein überdachter Stützpunkt seien denkbar, "aber nicht solche Auswüchse wie im alten Camp".

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