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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

19. November 2011

Fluglärm: Die Flughafen-Erklärer

 Von Felix Helbig
Schon die Kinder wissen, was sie vom Fraport-Infomobil halten.  Foto: Andreas Arnold

Wo sich kein Politiker mehr hintraut, werben die Mitarbeiter des Fraport-Mobils für den Ausbau des Flughafens. Manchmal ernten sie nur gleichgültige Blicke, aber wenn es hart auf hart kommt, landen schonmal Pferdeäpfel im Mobil.

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Alexandra Walker steht unten vor dem Fraport-Infomobil, sie ist als betroffene Bürgerin aus Niederrad gekommen, aber was solle sie groß mit denen reden, sagt sie. Die Infos seien ja längst ausgetauscht. Und sie habe auch nicht viele Forderungen. Außer eben dieser eine: Dass die Landebahn wieder stillgelegt wird.

Wolfgang Spangenberg steht oben im Fraport-Infomobil, er ist beim Flughafenbetreiber zuständig für die politische Kommunikation, und der Bedarf für Informationen sei da, sagt er. Das sehe man ja am Andrang. Aber zwischendurch verdrückt er sich dann doch. Auf die Bank hinter dem Info-Mobil. Damit er mal eine rauchen kann.

Das Fraport-Infomobil, ein ziemlich großer Lastwagen mit ausgefahrenem Pavillon, hat am Samstag Station in Sachsenhausen gemacht. Für Spangenberg ist es die ungefähr zweihundertste Station in den vergangenen zehn Jahren, für Walker die erste, sie ist aber auch erst seit einigen Wochen dabei.

Wenn die Fenster zittern, demonstriert auch der Rechtsanwalt

Seit die Flugzeuge auf dem Weg zur neuen Nordwestbahn so dicht über ihr Haus fliegen, dass man das Fahrwerk sehen kann. Was weniger das Problem ist, als der Lärm. Alexandra Walker ist mit etwa 200 Demonstranten gekommen, mit Transparenten und Trillerpfeifen. Wolfgang Spangenberg mit gerade einmal zwölf Kollegen, einer Computersimulation und ein paar Broschüren. Zu sagen haben sie sich nicht viel.

Es sind vor allem die Frankfurter aus den besseren Gegenden, die gekommen sind, vom Lerchesberg, vom Sachsenhäuser Berg. Rechtsanwälte, Ärzte, Unternehmensberater, die noch nie in ihrem Leben gegen irgendetwas demonstriert haben, bis vor wenigen Wochen plötzlich Flugzeuge ihre Fensterscheiben erzittern ließen. Jetzt stehen sie vor dem Südbahnhof am Infomobil und blockieren irgendwann einfach die Straßenbahngleise, bis die Polizei kommt, sie dann aber gewähren lässt. "Natürlich sind wir jetzt erst aufgewacht", sagt Alexandra Walker. "Es ist eben etwas anderes, von irgendwelche Dezibel-Angaben in der Zeitung zu lesen, als es zu erleben, alle zwei Minuten." Draußen vor dem Infomobil steht eine Frau mit einem Schild: Fraport tötet.

Drinnen im Infomobil widmen sich die Fraport-Leute jenen, die dann doch noch Bedarf haben. Ob ihr Haus am Briandring nun in der Tag-Schutzzone liegt oder in der Nacht-Schutzzone. Wie das ist mit dem Schallschutz. Ob die Flugrouten wirklich eingehalten werden. Fraport ist für all das gar nicht zuständig. Die Mitarbeiter verweisen deshalb ständig auf das Regierungspräsidium in Darmstadt, das Anträge entgegennimmt. Und auf die Flugsicherung, bei der man sich über Flieger beschweren könne, die von den Routen abweichen. Dazu verteilen sie Broschüren, auch solche eines Luftfilter-Herstellers, in denen Geräte beworben werden zur "permanenten und kontrollierten Zufuhr frischer und gefilterter Außenluft", sie sich "hervorragend in Projekten einsetzen lassen, bei denen eine Dämmung der Außengeräusche erforderlich ist". Projekte wie Sachsenhausen und Niederrad also. Früher hat man dort für Frischluft die Fenster aufgemacht.

Einmal haben sie Pferdeäpfel in das Mobil gekippt

Nicht vor Ort sind jene, die wirklich was zu sagen hätten. Die Politik macht sich seit Wochen so klein wie sie nur kann, wenn es um den Flughafen geht. Kein Minister, kein Stadtrat ist am Südbahnhof. Kein Roland Koch, der ja inzwischen auch nicht mehr als Ministerpräsident sondern als Bauunternehmer am Flughafen unterwegs ist.

Die Mitarbeiter seien geschult worden, sagt Spangenberg, damit sie das alles aushalten. In Flörsheim haben Bürger vor einigen Tagen eimerweise Pferdeäpfel im Infomobil ausgekippt. Ein Fraport-Mitarbeiter wurde als Kinderschänder beschimpft. In Sachsenhausen ist nur von Verlogenheit die Rede und von Profitgier.

Es sei noch nicht zu spät, sagt Alexandra Walker, die Gerichte müssten erst noch entscheiden. "Frankfurt hat sich in 1200 Jahren von niemandem einnehmen lassen. Und jetzt übernimmt Fraport die Stadt. Das lassen wir nicht zu."

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