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17. Oktober 2009

Forschung in Frankfurt: Warum Tanzen glücklich macht

 Von Marie-Sophie Adeoso
Cynthia Quiroga tanzt selbst den Tango. Meist wirbelt sie mit Tanzpartner Karaca Kocer über das Parkett.  Foto: Fr/Arnold

Tango ist getanzter Sex, sagt man. Es stimmt, sagt die Psychologin Cynthia Quiroga Murcia, die an der Goethe-Uni den Tango untersucht. Aber nicht immer. Von Marie-Sophie Adeoso

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Ergebnisse von Cynthia Quiroga Murcias Forschung sind in der Zeitschrift "Music and Medicine" publiziert worden.

Man hat es ja immer gewusst: Tango ist getanzter Sex. Der enge Körperkontakt, die anzüglichen Schrittfolgen, die leidenschaftliche Musik. Soweit das Klischee. Doch tatsächlich birgt es einen wahren Kern. Die Psychologin Cynthia Quiroga Murcia hat an der Goethe-Uni herausgefunden, dass sich Tango tanzen auf den Hormonspiegel auswirkt. Die Musik wirkt entspannend, das Stresshormon Cortisol senkt sich. Und als Reaktion auf Bewegung und Partnerkontakt schüttet der Körper das Sexualhormon Testosteron aus.

Allein auf einen sexualisierten Tanz möchte Quiroga Murcia den Tango dennoch nicht reduziert wissen. "In einer kolumbischen Zeitung stand über meine Untersuchung, dass der Tango die Sexualität verbessert", erzählt die Forscherin. Als sei Tanzen ein Potenzmittel, das aber belege ihre Studie überhaupt nicht. Auch Vermutungen, dass sich der Tango als Form der Beziehungstherapie eigne, steht sie skeptisch gegenüber. Sie will mit ihrem Projekt vor allem erklären, "warum das Tanzen glücklich macht".

"Mich hat die biologische Erklärung interessiert", sagt sie. Denn das sei noch kaum erforscht. Merkwürdig findet die 28-jährige Kolumbianerin das. Merkwürdig auch, welch geringe Rolle das Tanzen im Allgemeinen und der Tango im Speziellen in Deutschland spielen. Warum die Deutschen tanzen (wenn sie tanzen), stellte sie als Leitfrage ihrer Doktorarbeit voran, die sie derzeit an der Goethe-Uni schreibt.

Biologische Erklärungen

Im ersten Schritt untersuchte sie die Hormonveränderungen von Tangotänzern. In den Milongas Frankfurts, auf den Tango-Tanzflächen, sprach die Forscherin ihre Probanden an. Elf Paare erklärten sich bereit, an fünf Terminen vor Quiroga Murcia zu tanzen. Vor dem Tanzen mussten sie Speichel lassen. Und nach dem letzten Tango nahm Quiroga Murcia eine weitere Probe. Zu jedem Termin änderte sie die Bedingungen, ließ mal ohne, mal mit Musik tanzen, um die Wirkung von Tanz und Musik getrennt untersuchen zu können.

"Die Speichelprobe ist eine neue biochemische Methode". Viele Hormone ließen sich nach wie vor nur über Blutproben abnehmen. So Glückshormone, wie Endorphine, die sie gerne untersucht hätte. Nur, wessen Körper zeigt sich schon hormonell entspannt, wenn er eine Spritze gesetzt bekommt? Dass die Testsituation einen Einfluss auf die Ergebnisse haben kann, sah sie schon an den Cortisol-Werten zweier Frauen, die ohne vertrauten Tanzpartner zum Experiment kamen: Der Tanz mit fremden Männern erhöhte ihre Stresshormone.

Dabei sei das Besondere am Tango doch, dass man "total mit dem Partner verbunden sei", sagt die Forscherin, die selbst passionierte Tänzerin ist. Ihre Armen mimen vor ihrem Körper einen fiktiven Tanzpartner, dem sie die Hände auf den Rücken legt; wiegen sich hin und her, als sei der Kaffeetisch eine Milonga, auf der sie sich selbstvergessen im Tanze dreht. "Tango hat einen besonders hohen Körperkontakt, viele Improvisationen, man ist ganz im Moment." Strahlend berichtet Quiroga Murcia von ihren Forschungen, als erzähle sie von einer durchtanzten Nacht.

Wie andere es empfinden, überprüft sie aktuell im zweiten Schritt ihrer Doktorarbeit, die sie im kommenden Jahr abschließen will. In einer Online-Umfrage befragte sie über 400 Personen, warum sie tanzen und welchen Nutzen sie darin sehen. Egal ob beim Tango oder beim Wiener Walzer. Fertig ausgewertet sind die Bögen noch nicht. Aber Hinweise, dass die Befragten die Vorteile des Tanzens sowohl auf emotionaler, als auch auf körperlicher und sozialer Ebene sehen, kann sie schon jetzt nennen. Der Tango sei eine Tätigkeit, der die Gesundheit fördert, ist sie überzeugt: "Es sollte mehr getanzt werden!"

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