kalaydo.de Anzeigen

FR-Altenhilfe: Von wegen Ruhe-Stand

Für viele alte Menschen ist der Lebensabend kein goldener Oktober. Oft reicht die Rente nicht zum Leben. Die FR-Altenhilfe sammelt Spenden für die Bedürftigen.

„So ’ne Wohnung wächst ja.“ Seit über 30 Jahren lebt  Klaus Duffner (71) in diesem Haus. Ein Umzug wäre eine Katastrophe.
„So ’ne Wohnung wächst ja.“ Seit über 30 Jahren lebt Klaus Duffner (71) in diesem Haus. Ein Umzug wäre eine Katastrophe.
Foto: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Das hat sich Klaus Duffner nie träumen lassen, dass er einmal in die Situation kommt, beim Sozialrathaus Grundsicherung beantragen zu müssen. „Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet“, erzählt der 71-Jährige. Der dann doch, als wolle er die „Situation“ nicht wahrhaben, ergänzt: „Ich bin ja nicht arm in dem Sinne.“ Wer sich in der Wohnung umschaut, sieht, dass sie voller Erinnerungen und Erfahrungen steckt. Viele Bücher stehen im Regal, von Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ bis zu Loriots „Großer Ratgeber“. Fotografien, Zeichnungen, Bilder, Figuren – selbst gefertigte aus Gips, andere aus dem fernen Afrika: „Meine große Sehnsucht.“ Früher hatte er keine Zeit für eine Reise, jetzt fehlt ihm das Geld.

1083,02 Euro Rente bekommt Duffner, der in der Frankfurter Schillerstraße in einem exklusiven Möbelgeschäft gearbeitet und vielen prominenten Kunden die Wohnung eingerichtet hat. Als der Inhaber das Geschäft aus Altersgründen aufgab, „war ich 57“. Beim Arbeitsamt machte man ihm keine Illusionen. „Vermittelbar sind Sie nicht. Aber Sie kriegen von uns drei Jahre Arbeitslosengeld. Dann können Sie in Rente gehen“, habe man ihm beschieden.

Die Wut im Bauch brennt

Rente mit 60: Das bedeutet weniger Geld, „schmerzliche Abstriche“, wie Duffner sagt, dem die Wut im Bauch brennt: „Finanzhaie, Geschäftemacher und Abzocker ohne Moral und schlechtes Gewissen“ würden sich in der Finanzkrise die Taschen füllen, und die alten Menschen müssten zusehen, wie sie zurechtkommen. Er kenne welche, denen es noch schlechter gehe als ihm. „Die gehen zur Tafel. Ich kann da nicht hingehen. Ich will denen ja nichts wegnehmen.“

FR-Altenhilfe

Seit 1949 hat die FR-Altenhilfe über 28 Millionen Euro gesammelt. Der Verein „Not gemeinsam lindern“ ging 1978 aus der Altenhilfe hervor. Der Verein unterstützt bedürftige Mitbürger, die älter als 65 Jahre sind.
Direkte Beihilfen zu Weihnachten und zu Ostern von jeweils 250 Euro erhalten über 1800 Personen. In Notfällen werden zusätzliche Beträge ausgezahlt - etwa um eine kaputte Waschmaschine zu ersetzen. Besonders beliebt sind der jährliche Schiffsausflug und die Weihnachtsfeier.
Die Red Hot Hottentots unterstützen die FR-Altenhilfe seit mehr als 25 Jahren. Am Freitag, 25. November, 18 Uhr, laden sie zu einer Benefiz-Jazzvesper in die Katharinenkirche ein.
Spendenkonto: FR-Altenhilfe, Konto-Nr. 923 630 Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01.

183 Euro bleiben Duffner im Monat zum Leben, Mahlzeiten, Bücher, Busfahrten inklusive. Er ist zum Sozialrathaus gegangen, um Grundsicherung zu beantragen. Duffner weiß, dass er nicht die volle Höhe von 364 Euro erhalten wird, sondern nur einen Teilbetrag. Dennoch müsse man „sich ausziehen bis auf die Unterhosen. Sie müssen alles offenlegen.“ Für Kranken- und Pflegeversicherung zahlt der Rentner 112,64 Euro. Der dickste Brocken ist die Miete mit 495 Euro, es folgen die Umlagen mit 205 Euro, Mainova mit 39 Euro, Telefon 25 Euro, GEZ 18 Euro, Haftpflicht fünf Euro. Duffner hat es auch schon mal mit einem Mini-Job als Museumswärter versucht. Auch jetzt würde er wieder Botengänge und Besorgungen übernehmen oder auch Glossen schreiben, dafür habe er Talent. Eigentlich wollte er nach dem Krieg Innenarchitektur studieren. Doch dann waren „ruck, zuck zwei Kinder da“, und der junge Vater musste Geld verdienen. Jetzt hat der 71-Jährige vier Enkelkinder, denen er zu Weihnachten und Ostern, wie es sich für einen guten Opa gehört, etwas schenken möchte.

Was bleibt: Die Hoffnung auf Grundsicherung

Seit August läuft nun schon der Antrag auf Grundsicherung, und Duffner wird langsam ungeduldig. Man werde wie ein Bittsteller behandelt. Dabei würden doch alle Behörden mit Steuergeldern bezahlt. Auch das Amt für Wohnungswesen. Dorthin sei er vom Sozialrathaus geschickt worden, um Wohngeld zu beantragen. Dieser Antrag sei aber abgelehnt worden. Bleibt die Hoffnung auf Grundsicherung.

Duffners größte Sorge ist, dass er seine Wohnung aufgeben muss. „So ’ne Wohnung wächst ja.“ Bunt und originell spiegelt sie die Persönlichkeit ihres Bewohners wieder. Er kann sich noch genau erinnern, wie er sie vor über 30 Jahren von einem Redakteur, der sich vergrößern wollte, übernommen hat. „Ich zahle doch eine ganz humane Miete.“ Ein Umzug würde doch auch „einen Haufen Geld kosten. Das ist doch hirnrissig.“ Er habe gedacht, er könne seinen Lebensabend zufrieden und ruhig verbringen. Stattdessen nun all diese Behördengänge. „Und ich bin noch fit!“ Wie es wohl den alten Leuten ergehe, die gebrechlich und hilfsbedürftig seien?

Autor:  Friederike Tinnappel
Datum:  5 | 11 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 13 Staus mit einer Gesamtlänge von 55km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".