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05. November 2011

FR-Altenhilfe: Von wegen Ruhe-Stand

 Von Friederike Tinnappel
„So ’ne Wohnung wächst ja.“ Seit über 30 Jahren lebt Klaus Duffner (71) in diesem Haus. Ein Umzug wäre eine Katastrophe.  Foto: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Für viele alte Menschen ist der Lebensabend kein goldener Oktober. Oft reicht die Rente nicht zum Leben. Die FR-Altenhilfe sammelt Spenden für die Bedürftigen.

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Für viele alte Menschen ist der Lebensabend kein goldener Oktober. Oft reicht die Rente nicht zum Leben. Die FR-Altenhilfe sammelt Spenden für die Bedürftigen.

Das hat sich Klaus Duffner nie träumen lassen, dass er einmal in die Situation kommt, beim Sozialrathaus Grundsicherung beantragen zu müssen. „Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet“, erzählt der 71-Jährige. Der dann doch, als wolle er die „Situation“ nicht wahrhaben, ergänzt: „Ich bin ja nicht arm in dem Sinne.“ Wer sich in der Wohnung umschaut, sieht, dass sie voller Erinnerungen und Erfahrungen steckt. Viele Bücher stehen im Regal, von Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ bis zu Loriots „Großer Ratgeber“. Fotografien, Zeichnungen, Bilder, Figuren – selbst gefertigte aus Gips, andere aus dem fernen Afrika: „Meine große Sehnsucht.“ Früher hatte er keine Zeit für eine Reise, jetzt fehlt ihm das Geld.

1083,02 Euro Rente bekommt Duffner, der in der Frankfurter Schillerstraße in einem exklusiven Möbelgeschäft gearbeitet und vielen prominenten Kunden die Wohnung eingerichtet hat. Als der Inhaber das Geschäft aus Altersgründen aufgab, „war ich 57“. Beim Arbeitsamt machte man ihm keine Illusionen. „Vermittelbar sind Sie nicht. Aber Sie kriegen von uns drei Jahre Arbeitslosengeld. Dann können Sie in Rente gehen“, habe man ihm beschieden.

Die Wut im Bauch brennt

Rente mit 60: Das bedeutet weniger Geld, „schmerzliche Abstriche“, wie Duffner sagt, dem die Wut im Bauch brennt: „Finanzhaie, Geschäftemacher und Abzocker ohne Moral und schlechtes Gewissen“ würden sich in der Finanzkrise die Taschen füllen, und die alten Menschen müssten zusehen, wie sie zurechtkommen. Er kenne welche, denen es noch schlechter gehe als ihm. „Die gehen zur Tafel. Ich kann da nicht hingehen. Ich will denen ja nichts wegnehmen.“

FR-Altenhilfe

Seit 1949 hat die FR-Altenhilfe über 28 Millionen Euro gesammelt. Der Verein „Not gemeinsam lindern“ ging 1978 aus der Altenhilfe hervor. Der Verein unterstützt bedürftige Mitbürger, die älter als 65 Jahre sind.
Direkte Beihilfen zu Weihnachten und zu Ostern von jeweils 250 Euro erhalten über 1800 Personen. In Notfällen werden zusätzliche Beträge ausgezahlt - etwa um eine kaputte Waschmaschine zu ersetzen. Besonders beliebt sind der jährliche Schiffsausflug und die Weihnachtsfeier.
Die Red Hot Hottentots unterstützen die FR-Altenhilfe seit mehr als 25 Jahren. Am Freitag, 25. November, 18 Uhr, laden sie zu einer Benefiz-Jazzvesper in die Katharinenkirche ein.
Spendenkonto: FR-Altenhilfe, Konto-Nr. 923 630 Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01.

183 Euro bleiben Duffner im Monat zum Leben, Mahlzeiten, Bücher, Busfahrten inklusive. Er ist zum Sozialrathaus gegangen, um Grundsicherung zu beantragen. Duffner weiß, dass er nicht die volle Höhe von 364 Euro erhalten wird, sondern nur einen Teilbetrag. Dennoch müsse man „sich ausziehen bis auf die Unterhosen. Sie müssen alles offenlegen.“ Für Kranken- und Pflegeversicherung zahlt der Rentner 112,64 Euro. Der dickste Brocken ist die Miete mit 495 Euro, es folgen die Umlagen mit 205 Euro, Mainova mit 39 Euro, Telefon 25 Euro, GEZ 18 Euro, Haftpflicht fünf Euro. Duffner hat es auch schon mal mit einem Mini-Job als Museumswärter versucht. Auch jetzt würde er wieder Botengänge und Besorgungen übernehmen oder auch Glossen schreiben, dafür habe er Talent. Eigentlich wollte er nach dem Krieg Innenarchitektur studieren. Doch dann waren „ruck, zuck zwei Kinder da“, und der junge Vater musste Geld verdienen. Jetzt hat der 71-Jährige vier Enkelkinder, denen er zu Weihnachten und Ostern, wie es sich für einen guten Opa gehört, etwas schenken möchte.

Was bleibt: Die Hoffnung auf Grundsicherung

Seit August läuft nun schon der Antrag auf Grundsicherung, und Duffner wird langsam ungeduldig. Man werde wie ein Bittsteller behandelt. Dabei würden doch alle Behörden mit Steuergeldern bezahlt. Auch das Amt für Wohnungswesen. Dorthin sei er vom Sozialrathaus geschickt worden, um Wohngeld zu beantragen. Dieser Antrag sei aber abgelehnt worden. Bleibt die Hoffnung auf Grundsicherung.

Duffners größte Sorge ist, dass er seine Wohnung aufgeben muss. „So ’ne Wohnung wächst ja.“ Bunt und originell spiegelt sie die Persönlichkeit ihres Bewohners wieder. Er kann sich noch genau erinnern, wie er sie vor über 30 Jahren von einem Redakteur, der sich vergrößern wollte, übernommen hat. „Ich zahle doch eine ganz humane Miete.“ Ein Umzug würde doch auch „einen Haufen Geld kosten. Das ist doch hirnrissig.“ Er habe gedacht, er könne seinen Lebensabend zufrieden und ruhig verbringen. Stattdessen nun all diese Behördengänge. „Und ich bin noch fit!“ Wie es wohl den alten Leuten ergehe, die gebrechlich und hilfsbedürftig seien?

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