Da kommt bei den beiden Damen und den beiden Herren mächtig Freude auf. Es ist Frühling. Und die Geschlechter zeigen sich einander zugetan. Im Garten bitten die Herren zum Tanz. In einem prächtigen Garten, zumindest ist dieser in der Darstellung des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner so geraten. Das Bild heißt "Nackte Menschen", stammt von 1910, gehört zu den großartigen Darstellungen des Meisters, der demnächst im Städel mit einer Werkschau vertreten ist, und vermittelt den Eindruck: Wo anders als im Garten wollte man die jetzt anbrechende Zeit verbringen?
Kirchners Garten hätte bestimmt gute Chancen, beim nächsten Wettbewerb der FR in der Konkurrenz ganz vorne zu landen. Wobei man sagen muss: Die Akzentuierung von Lust und Liebe scheinen aber Kirchner im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts doch reichlich eindimensional geraten zu sein. Im Wettbewerb sucht die Stadtredaktion nicht allein nach dem schönsten Garten, in dem Lustwandeln der einzige Genuss sein kann. Chancen auf vordere Plätze haben auch Gärten, die sich mitten in der Stadt als kleine Inseln verstehen.
Das Fleckchen, auf dem Sie im Frühjahr wie im Sommer am liebsten sind, das könnte Frankfurts schönster Garten sein, den die Lokalredaktion der Frankfurter Rundschau jetzt wieder sucht.
Bis Freitag, 30. April, bleibt Ihnen Zeit, um uns das Signal zu geben: Sie machen mit - und eröffnen sich selbst so die Aussicht auf einen der wertvollen Preise, die die Jury mit Palmengarten-Chef Matthias Jenny an der Spitze im späten Herbst vergeben will. Nach der Ankündigung, dass Sie mitmachen wollen, bleibt Ihnen dann bis zum 1. September Zeit, uns postalisch einen Eindruck Ihres Garten zu geben.
Prämiert werden Gärten, Hinterhöfe und Balkone. Mitmachen können alle Gartenfreunde, auch diejenigen, die in den vergangenen Jahren bereits dabei waren.
Ihre Bewerbung richten Sie bitte an die Lokalredaktion Frankfurt der Frankfurter Rundschau, 60266 Frankfurt am Main, oder online an: stadtredaktion@fr-online.de
Wobei ein solcher Ort nicht zwingend das klassische Grün des Reihenhauses sein muss. Neben den Balkonen in den innenstadtnahen Quartieren, die in der Konkurrenz eigens bewertet werden, gelangen in diesem Jahr erstmals auch die Hinterhöfe in den Wettbewerb - egal, wie groß sie sind: Die Gärten, die in früheren Jahren zur Auswahl standen, brauchten mitunter nicht mehr als 40 Quadratmeter.
Wunderbare Garanten für grüne Entscheidungsarbeit sind die fünf Konstanten des Gartenwettbewerbs der FR, die auch in diesem Jahr über Frankfurts schönsten Garten, Hinterhof und Balkon entscheiden werden. Verehrte Damen und Herren, es folgt die Jury, die sich im Spätherbst auf den Weg macht:
Da ist zunächst die Dame im Bunde, Landschaftsarchitektin Ute Wittich, die unter anderem erste Preise für "Temporäre Gärten" und Hausgärten sowie den Hessischen Kulturpreis für zeitgenössische Gartenkunst erhielt; die Herren der Jury sind der Künstler Bertram Schüler, Stadtteilhistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der stets mit viel Gefühl durch die Gärten streift, Pascal Hardung, Geschäftsführer des Pflanzenkontors im Gartenbaubetrieb Immo Herbst, FR-Lokalchef Matthias Arning, der leidenschaftlich in seinem Eschersheimer Gärtchen gärtnert, sowie - als Vorsitzender sozusagen - Palmengartendirektor Matthias Jenny, die grüne Eminenz über allem - und ein Menschenkenner, der in Gärten wie auf Balkonen auch den Charakter ihrer Besitzer aufspürt.
Der Ablauf ist wie folgt geplant: Zunächst warten wir gespannt auf die Bewerbungen der Wettbewerbsteilnehmer. Wir melden uns bei allen dann nochmal mit der Bitte um ein paar Angaben und vereinbaren dann mit allen, die uns zurückschreiben, einen Termin, um uns die Gärten und Balkone anzusehen. Ein Fotograf macht Bilder und wir stellen allen Lesern die besuchten Grünoasen vor. Das wird sich vermutlich bis zum Spätsommer oder Herbst hinziehen. Dann macht sich die Jury auf den Weg und sieht sich einige Gärten und Balkone an - ein erfahrungsgemäß schöner Termin mit einem anschließend umso schwierigeren Entscheidungsprozess. (ing/ave)

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