Solch eine Faszination kennt man sonst nur, wenn ein neuer Harry Potter-Band erscheint: Als Roland Kaehlbrandt das neue Integrationskonzept der Stadträtin Nargess Eskandari-Grünberg in den Händen hielt, vergaß er bald seinen Feierabend. "Bis halb zwei in der Nacht habe ich das Konzept gelesen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.
Das Konzept der Stadträtin, stolze 236 Seiten dick, hat in Frankfurt für Aufsehen gesorgt. Denn es nimmt Abschied von der Idee des Multikulti. Beim Stadtgespräch im Depot Sachsenhausen vor 250 Zuhörern hat die Stadträtin am Mittwochabend über ihren Entwurf diskutiert. "Wir müssen verstehen, dass die Menschen in einer Gesellschaft unterschiedlich sind", sagt Eskandari. Diese Vielfalt sei eine große Chance. "Es ist an der Zeit, das Zusammenleben nun zu gestalten, statt immer nur darüber zu reden", sagt sie.
Ein Aspekt sei in diesem Zusammenhang die Religion, sagt Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom. "Wir müssen das Thema Religion wieder auf die Tagesordnung setzen", fordert er. Das glaubt auch die Kulturanthropologin Regina Römhild:"Moscheen müssen endlich in der Mitte der Gesellschaft ankommen." Das sei ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung.
Ellen Katharina Bommersheim, Geschäftsführerin des Existenzgründer-Zentrums Kompass, appelliert: "Bildungsabschlüsse aus anderen Ländern müssen endlich in Deutschland anerkannt werden." Viele Migranten müssten sich selbständig machen, weil sie ihren alten Berufen hier nicht mehr nachgehen dürften. "Es gibt noch viele große Hürden zu nehmen", sagt Bommersheim.
Auch Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft sieht Hindernisse. "So wichtig Vielfalt in der Gesellschaft sein mag, so braucht sie doch auch eine Grundlage", sagt er. Eine solche Grundlage könne etwa eine gemeinsame Sprache sein. "Deshalb müssen alle Kinder auch Deutsch sprechen können", fordert er. Dort gebe es noch Probleme - auch in Frankfurt.

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