Früher hat man Briefe geschrieben, heute tippt man Mails, früher schaute man im Brockhaus nach, heute eher bei Wikipedia und früher hat man Leute in Kneipen kennengelernt, heute läuft das über Facebook und StudiVZ. Zugegebenermaßen hat sich die Welt ein wenig verändert, und das Internet hat bei diesem Wandel keine geringe Rolle gespielt.
Aber wie die Verhaltens- und Kommunkationsformern selbst verändern sich auch Technik und Standards innerhalb des Internet und der dafür notwendigen Infrastruktur. ISDN? 2013 ist Schluss damit, und "es gibt bis heute keinen adäquaten Nachfolgestandard", sagt Hans Joachim Wolff, Vorstand des Deutschen Verbandes für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT).
Internetprotokoll IP6 statt IP4? Wer mit seinem Computer nicht gerade auf Windows7 umsteigt, könnte da bald sein blaues Wunder erleben. Guthaben beim Internettelefonanbieter Skype? Wer das Festnetz oder ein Mobiltelefon über den Dienst anwählt und deshalb eine Gutschrift braucht, sollte sich nicht wundern, wenn er sein Geld nicht innerhalb bestimmter Fristen zu verbrauchen hat - sonst ist es weg.
Woche der Kommunikation
Wenn es stimmt, dass nichts so stetig wie der Wandel ist, dann gilt das wohl vor allem für das Internet und die komplette Informations- und Telekommunikationstechnik, die Datenverkehr überhaupt erst möglich macht. Wer aber bestimmt die neuen Techniken, wer die Standards einer Infrastruktur, die aus Privatsphäre und Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken ist? Und was bedeutet das für Unternehmen, die die Technik nutzen oder als Anbieter von Dienstleistungen davon leben? Was heißt das für Städte, die Zentren der Kommunikation sind?
Die Woche der Kommunikation in Frankfurt (2. bis 6. November) will darauf eine Antwort geben. Frankfurt, sagt DVPT-Vorstand Wolff, sei geradezu prädestiniert dafür, "weil Frankfurt die Kommunikationshauptstadt der Republik ist".
Das fängt an mit dem Internetknoten Decix und Ancotel als Anbieter, die verschiedene Netze (Internet und Telefonie) miteinander verschalten, und reicht über Unternehmen wie Colt, Vodafone und Horizon Business bis hin zu den vielen Spezialdienstleistern fürs Netz der Netze. Und weil das so ist, sieht Wolff es als geradezu zwingende Aufgabe für Stadt und Region an, Fragen der künftigen Nutzung, der Technik und andere Kommunikationsthemen gerade hier in der Stadt am Main zu verhandeln.
Neues Selbstbild
Die Kommunikationshauptstadt Deutschlands - neben dem Banken- und Finanzsektor und der Verkehrs- und Frachtdrehscheibe Frankfurt/Rhein-Main sieht Wolff im Ausbau der Branche die Chance, das Selbstbild und die Außenwahrnehmung von Stadt und Region um das Thema Kommunikation und Internet zu erweitern.
Zwar gibt es München mit der Zentrale von Microsoft-Deutschland, Hannover mit der Computermesse Cebit und Berlin mit der Internationalen Funkausstellung - aber Frankfurts Kommunikations-Infrastruktur mitten in Europa, die Präsenz der ITK-Unternehmen im Zentrum Europas, zwischen Ost und West, das ist eine Stärke, "die noch nicht richtig erkannt ist", sagt Wolff.
Zudem diagnostiziert der DVPT-Mann neben der grundsätzlichen Frage, wie die Kommunikationswelt künftig aussieht, auch einen Wandel in der Art und Weise, darüber nachzudenken. Informationen bieten, den Austausch organisieren, einen Treffpunkt bieten - das ist das erklärte Ziel der Woche der Kommunikation, die die "Software" bieten soll zur Kongressmesse "Voice+IP Germany", die am 3. und 4. November im Frankfurter WM-Stadion veranstaltet wird - und wo die Hardware fürs Thema geboten wird.

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