Das Wort vom technisch antiquierten Monstrum fällt an diesem Vormittag häufiger. "Es sollte ja ein Provisorium sein", sagt Susanne Margraf. Aber aus dem Provisorium, der oberirdisch geführten U5 in der Eckenheimer Landstraße, ist ein Dauerzustand geworden, "ein technsich antiquiertes Monstrum, das auf dem falschen Platz fährt".
Susanne Margraf nervt das. Seit zwölf Jahren wohnt die Frau und Mutter zweier Kinder am unteren Ende der Eckenheimer in einem denkmalgeschützten Haus, seit zwölf Jahren wackeln die Gläser im Schrank, wenn die U-Bahn-Wagen stark bremsen. Und nun sollen hier, an den Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße, dort, wo es ohnehin eng ist, Hochbahnsteige gebaut werden. Margraf will das verhindern, und mit ihr zahlreiche Anwohner, die am Dienstagmorgen die Mitglieder der Fraktion der Linken bei ihrer Aktion begleiten.
Die U5-Stecke ist zwischen 1974 und 1978 in Betrieb gegangen.
Wegen Geldmangels war der ursprünglich erwogene lange Tunnel bis jenseits des Alleerings nicht realisiert worden.
Seit Betriebsstart verlässt die U5 an den Wallanlagen den Untergrund und fährt oberirdisch in die Eckenheimer Landstraße ein.
Die U5-Strecke ist knapp acht Kilometer lang und hat 16 Stationen. Die Strecke soll über den Hauptbahnhof hinaus unterirdisch bis ins Europaviertel erweitert werden.
Fraktionschef Lothar Reininger und 40 Mitglieder und Helfer der Fraktion bauen seit 8.30 Uhr ein Modell des Hochbahnsteiges in Originalgröße nach. Was die Grünen im Ortsbeirat schon einmal erwogen, dann aber verwarfen, setzen die Linken um: Mit Biertischgarnituren, Treppenelementen aus Holz und Oberflächen, die aus schwarzer Folie und Dachlatten vorbereitet sind, baut die Fraktion und ihre Helferinnen und Helfer den Hochbahnsteig auf. 40 Arbeitsstunden haben die Modellbauer dafür investiert, 1000 Euro hat die Aktion gekostet, wobei der Großteil des Geldes "für drei Lastwagen draufgegangen ist", die die Linke für den Transport des Materials hatte mieten müssen, sagt Reininger. Das Modell soll veranschaulichen, welches Ausmaß im doppelten Wortsinne der Hochbahnsteig haben wird, "und zwar nicht nur kurzfristig, sondern für die nächsten 30, 40 Jahre", sagt Reininger.
Die Debatte über die Frage, wie der Schienenverkehr barrierefrei geführt, aber auch straßen- und anwohnerverträglich organisiert werden kann, dauert seit Jahren an. Die Mehrheit im Parlament spricht sich für die Hochbahnsteige aus, weil damit die Barrierefreiheit gewährleistet werden und die Direktverbindung der U5 von Preungesheim über den Hauptbahnhof zum Europaviertel aufrechterhalten werden könnte.
Die Gegner, neben Anwohnern und Linken auch der Städtebaubeirat, sprechen sich für eine Niederflurbahn aus, die den barrierefreien Zustieg ermöglicht - aber an der Konstablerwache enden muss, weil die Wagen wegen ihres niedrigeren Bodenniveaus nicht in den Tiefbahnhöfen der U-Bahn halten können.
Verkehre zu unterbrechen, macht eine Linie unattraktiv, argumentieren die Befürworter und verweisen auf ein Gutachten, das die Stadt hat ausarbeiten lassen: Danach würden bei Unterbrechung der Linie rund 1300 Autofahrten am Tag mehr anfallen.
In diesem Punkt widersprechen Anwohner und Linke. Die Mehrzahl der Nutzer der U5 würde ohnehin an der Konstablerwache umsteigen. Deshalb wiegt die Unterbrechung der Linie für die Mehrzahl der Anwohner nicht sonderlich schwer. "Ortsbeirat und die große Mehrheit der Anwohner sind gegen Hochbahnsteige", bekräftigt Elisabeth Schweiger, Fraktionschefin der Linken im Ortsbeirat des Nordends. "Die Hochbahnsteige würden die Straße kaputtmachen. Sie sehen ja, wie eng es hier ist." Für Schweiger sind viele Lösungen denkbar, nur eine nicht: die Durchfahrt der U5 ins Europaviertel zu ermöglichen auf Kosten der Anwohner der Eckenheimer. "Und das Umsteigen an der Konstablerwache dürfte kein Problem sein."
Das sieht auch Susanne Margraf so, die zudem Zweifel an den vorgelegten Zahlen hat. Dass einige Pendler aufs Auto umsteigen würden bei einer Linienunterbrechung, mag sie nicht glauben.

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