Vom Balkon aus konnte Moritz von Bethmann in den Landschaftspark hineinschauen. "Dann hat er einen Hirsch gesehen und vielleicht nach seiner Flinte gegriffen, um ihn zu erschießen", vermutet Albrecht Schaal. Der Landschaftsarchitekt steht am Blockhaus im Waldspielpark Louisa. Quadratische Basaltsteine sind in den Boden eingelassen. Sie zeichnen den Umriss des ehemaligen Jagdhauses der Frankfurter Familie Bethmann nach.
Das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt hat den Louisapark an der Mörfelder Landstraße umgestalten lassen. In den letzten neun Monaten wurden Büsche und Gestrüpp entfernt, Sicherheitszäune erneuert und der Seitenarm des Luderbachs entschlammt. Die Umgestaltung hat nach Angaben von Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) 40.000 Euro gekostet. Gemeinsam mit zwei Ur-Ur-Ur-Enkeln der Bethmanns, die das Waldstück im Süden von Frankfurt zu einem Park machten, Konrad und Moritz von Bethmann, zieht Manuela Rottmann ein rotes Samttuch von einer neuen Informationstafel. Sie soll die Besucher über die Geschichte des Louisaparks informieren.
Im Jahr 1805 ließ Bankier Moritz von Bethmann (1768 bis 1826) den ersten Abschnitt des Louisaparks als Lustgarten anlegen. 1811 baute er das Jagdhaus, das so genannte Borkenhäuschen. Die Außenwände waren mit Baumrinde verkleidet. Den Park benannte er nach seiner Frau: Louise Friederike. Den ehemaligen Basaltsteinbruch, der im Süden an den Lustgarten und heutigen Waldspielpark angrenzt, verwandelte Bethmann in einen Wildpark. Am früheren Eingang des Wildparks steht ein Pferd aus Bronze. Seit 40 Jahren ist dieser Teil des Parks jedoch gesperrt. "Die alten Buchen drohen abzubrechen", informiert das Grünflächenamt.
Ein Ross als Retter
"Als Kinder haben wir auf diesem Pferd gesessen", erzählt Ur-Ur-Ur-Enkel Konrad von Bethmann, der eine Anekdote zur Herkunft der Bronzestatue kennt: Der Zuchthengst Eclipse habe dem alten von Bethmann, auf der Flucht vor den Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts, das Leben gerettet. Von Bethmann widmete seinem treuen Pferd daraufhin die Statue im Louisapark samt Inschrift: "Während des Lebens ein edles Pferd. Schnellfüßig, feierlich Eclipse genannt", so beginnt der lateinische Text.
Der Bildhauer Christian Friedrich Tieck fertigte das Denkmal an. 1941 verkaufte die Familie Bethmann den Park an die Stadt. Ein Erholungspark für die Frankfurter Bürger wurde eingerichtet. Das Borkenhäuschen wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört, "Eclipse" beschädigt. Die Stadt restaurierte die Statue und richtete 1954 den Waldspielpark Louisa ein. Über die Jahre wucherte eine Knallerbsen-Hecke am Rande des Parks. Sie verdeckte die Sicht auf das bronzene Pferd. Heute ist die Hecke zurückgeschnitten und ein Podest wurde errichtet, um vom Spielpark einen Blick in den unzugänglichen Wildpark werfen zu können. "Wir haben ein bisschen Ruhe in das verwilderte Gelände gebracht", sagt Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal. "Wir haben es geschafft, den romantischen und verwunschenen Charakter zu erhalten."

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